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Die Begriffe »Diskurs«, »Diskursanalyse«, »Diskursgeschichte«



Es gibt keine einheitliche oder gar verbindliche Definition des Diskursbegriffs. Der Begriff »Diskurs« - ursprünglich als Bezeichnung für eine systematische Abhandlung zu einem Thema verwendet -wird in verschiedenen Disziplinen als eingeführter Terminus mit unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht. Zugleich ist er seit den achtziger Jahren ein literaturwissenschaftlicher Modebegriff und insofern oft unspezifisch gebraucht worden. Mindestens vier Typen des »Diskurs«-Begriffs sind aber zu unterscheiden, die jeweils in verschiedenen Varianten auftreten können. In literaturwissenschaftlichen Texten kann der Begriff prinzipiell in allen seinen Verwendungsweisen vorkommen, wenn auch, zumindest seit Ende der siebziger Jahre, der vierte der hier zu beschreibenden Typen dominiert.



      In der Linguistik bezeichnet der Begriff »Diskurs« in der Regel zusammenhängende Rede, kohärente Texte. Die Struktur dieser Rede wird nach linguistischen - zum Beispiel strukturalistischen oder sprechakttheoretischen - Verfahren analysiert; gefragt wird nach Sprachfunktionen oder der Konstruktionsleistung beim Hervorbringen solcher Texte.
      Philosophisch spielt der Begriff in der »Frankfurter Schule«, besonders bei Jürgen Habermas, eine Rolle. Hier bezeichnet er denjenigen Kommunikationstyp, mit dem sich Personen über den Geltungsanspruch von Normen verständigen.
      In der Erzähltheorie bezieht sich der Begriff »Diskurs« auf den formalen Aspekt einer Erzählung. Er bezeichnet das Erzählen, die Narration, während das Erzählte, die Handlungsfolge, »histoire« genannt wird .
      Im engeren Sinne »diskurstheoretisch« wird der Begriff disziplinübergreifend in Philosophie, Soziologie, Psychologie, Geschichte und Literaturwissenschaft verwendet. Abhängig von den jeweiligen theoretischen Grundannahmen kommt dieser diskurstheoretische Diskursbegriff in zahlreichen Varianten vor. Vorläufig soll er hier als Bezeichnung für ein »System des Denkens und Argumentierens« verstanden werden, das durch einen gemeinsamen »Redegegenstand«, durch »Regularitäten der Rede« und durch »Relationen zu anderen Diskursen« bestimmt ist . Diskurse sind also keine Einzeltexte oder Textgruppen, sondern Komplexe, die sich aus Aussagen und den Bedingungen und Regeln ihrer Produktion und Rezeption in einem bestimmten Zeitraum zusammensetzen. Ein Beispiel: Der »juristische Diskurs des 19. Jahrhunderts« ist demnach zu bestimmen über seinen Gegenstand , über die Weise, in der dieser Gegenstand thematisiert wird , und überseine Beziehungen zu anderen Diskursen der Zeit, etwa zu psychologischen oder theologischen Diskursen.
      Den vier Verwendungsweisen des »Diskurs«-Begriffs entsprechend unterscheiden sich auch die Begriffe »Diskursanalyse« und »Diskursgeschichte«. Im folgenden geht es vor allem um ihre Verwendung im Sinne von . Wieder ist festzustellen, daß die beiden Begriffe in der Literaturwissenschaft - und ebenso in anderen Disziplinen - uneinheitlich gebraucht werden. Nach ihren theoretischen Schwerpunkten lassen sich drei Tendenzen unterscheiden: eine semiotisch-philosophische Richtung der Diskursanalyse etwa bei Jacques Derrida , eine linguistisch-psycho-analytische etwa bei Jacques Lacan und Julia Kristeva und eine historisch-genealogische Richtung vor allem bei Michel Foucault , zu denen es jeweils auch feministisch argumentierende Varianten gibt (-> Feministische Zugänge - >Gender Studies

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