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Hugo von Hofmannsthal - BALLADE DES Ã"UßEREN LEBENS



Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen, Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben, Und alle Menschen gehen ihre Wege.
      Und süße Früchte werden aus den herben Und fallen nachts wie tote Vögel nieder Und liegen wenig Tage und verderben.
      Und immer weht der Wind, und immer wieder Vernehmen wir und reden viele Worte Und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.



      Und Straßen laufen durch das Gras, und Orte Sind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen, Und drohende, und totenhaft verdorrte .. .
      Wozu sind diese aufgebaut? und gleichen

Einander nie? und sind unzählig viele?
Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?
Was frommt das alles uns und diese Spiele, Die wir doch groß und ewig einsam sind Und wandernd nimmer suchen irgend Ziele?

Was frommts, dergleichen viel gesehen haben? Und dennoch sagt der viel, der 'Abend" sagt, Ein Wort, daraus Tief sinn und Trauer rinnt.
      Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.
      Hugo von Hofmannsthail, geboren 1. 2. 1874 in Wien, gestorben 15. 7. 1929 in Rodaun bei Wien, der zeitweilig zum Kreis um Stefan George gehörte, schrieb seine symbolistischen Gedichte sehr früh, sammelte sie schon 1907 und ging dann zu Prosa und Drama über. Die Ballade des äußeren Lebens entstand vermutlich 1895.
      Schon beim ersten Lesen wird deutlich, daß dieses Gedicht sich in zwei sprachlichen Formen verwirklicht: die ersten vier Strophen werden von Aussagesätzen gebildet, die einen Tatbestand sachlich feststellen, während die restlichen Strophen Fragesätze enthalten. Mitten in der siebenten Strophe geht dann die Sprachform wieder zur Aussage über, die aber weit weniger konstatierend ist. Solch auffällige Sprachbehandlung ist natürlich funktional bedingt. In diesem Gedicht wirkt sie zumindest strukturbildend: der Wechsel aus der einen in die andere Redeweise bezeichnet Einschnitte im Gedicht. Den ersten hat der Dichter zusätzlich noch durch die drei Punkte am Versende markiert.
      Die vier Strophen dieses ersten Teiles enthalten Feststellungen. Schlußfolgerungen, Ãoberzeugungen, zu denen das lyrische Ich durch Beobachtung des umgebenden äußeren Lebens gelangt ist. Mit dem Schicksal der Kinder hebt die erste Strophe an; sie wachsen auf und sterben. Sie sind Bild für alles Leben, das sich im Steigen und Fallen, im Werden und Vergehen vollzieht. Sie werden Sinnbild für die Vergänglichkeit. Neben diesem Steigen und Fallen aber gehen die Menschen ihre Wege, unbekümmert, gleichgültig. Diese beiden Feststellungen werden noch näher bestimmt und dadurch auch zueinander in Beziehung gesetzt. Die Kinder haben zwar tiefe, sinnvolle Augen, doch wissen sie von ihrem Schicksal ebenso wenig wie die Gleichgültigen, die Menschen. Kinder und Menschen werden somit auf die gleiche Ebene gestellt; ihr Leben ist vergänglich, und doch bleiben sie dieser Tatsache gegenüber unwissend oder gleichgültig.
      Die zweite Strophe führt den Gedanken der Vergänglichkeit an einem Bild aus der Natur weiter aus. So wie Kinder aufwachsen, so reifen die herben Früchte zur Süße; so wie Kinder sterben, fallen die Früchte zur Erde und verderben in kurzer Zeit. Die toten Vögel sollten eigentlich, als Teil eines Vergleiches, das Fallen näher bestimmen. Doch der Vergleich löst sich aus dem Zusammenhang heraus, verselbständigt sich zuder gleichen Aussage: auch Vögel sterben. Kinder, Menschen, Früchte, Vögel sterben und vergehen gleicherweise.
      Dieser schreckliche Vorgang geschieht grundlos und geschieht brutal, geschieht der unschuldigen Kreatur , die davor machtlos ist. E

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