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Schreiberlust und dichterfrust
Der Postbote muss vielleicht zweimal klingeln, bevor jemand öffnet, Regen oder Schnee versauen ihm manchmal den Tag. Aber hat er den letzten Brief in den Kasten gesteckt und die letzte Zeitung ausgetr
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Autoren sind immer im Dienst



Wer nach dem Alltag des Schriftstellers fragt, bekommt tausend Antworten. Jeder folgt eigenen Gewohnheiten, die sich oft genug im Laufe der Jahre ändern. Das liegt daran, dass die allermeisten von ihnen so genannte freie Autoren sind und selbstständig arbeiten. Ihnen diktieren keine Chefs und keine Kollegen, wann sie anzufangen, wann sie aufzuhören haben, wie schnell sie arbeiten müssen oder in welcher Reihenfolge sie etwas erledigen, wann sie Urlaub machen dürfen und wann Überstunden. Selbst diejenigen, die einen Vertrag über ein Drama oder einen Roman abgeschlossen haben und an einen festen Abgabetermin gebunden sind, können sich die Zeit frei einteilen. Ob sie nur bis fünf Uhr früh schlafen oder bis in den Nachmittag, ob sie nachts im Bett schreiben oder morgens im Cafe, ist ihre Sache.



      Das klingt nach ewigen großen Ferien - mit dem Nachteil, dass man zwar theoretisch immer, praktisch aber nie Zeit hat. Denn man könnteja jederzeit überall irgendwas schreiben. Wie ein Arzt ist ein Autor immer im Dienst. Wenn ihm im Supermarkt eine unglaublich komische Rasierwasserwerbung auffällt, die er für sein Drehbuch verwenden könnte, muss er das aufschreiben. Die Unterhaltungen beim Frisör oder im Bus notiert ein Schriftsteller gleich und die Suchanzeige eines verzweifelten Kätzchen-Besitzers regt vielleicht zu einer Kurzgeschichte an. Oft denkt »es« im Autor auch einfach unentwegt, seine Geschichten spinnen sich fort - die einzelnen Sätze und Worte. Er überlegt, wie er weiterkommen kann, und manchmal stellt sich eine Idee von ganz allein und auf dem merkwürdigsten Örtchen ein.
      Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier, das gilt auch für Autoren. Wer jahrelang schreibt, entwickelt eine gewisse Routine. Der eine will sich selbst disziplinieren, die andere das Wunder des Einfalls herbeilocken oder -zwingen. Manche entwickeln sogar seltsame Eigenheiten, weil sie glauben, sonst könne nichts Qualitätvolles entstehen. Der Romanautor Christoph Brumme spricht zum Beispiel vom Aufstehen bis zum frühen Nachmittag möglichst kein Wort, aller-höchstens flüstert er, und das auch nur, wenn es unbedingt sein muss. Denn er hat Angst, die Laute könnten seine Konzentration, die Inspiration aus dem Unbewussten oder die morgenfrischen Gedanken stören.
     

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