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Ãober Fehler, die Autoren unterlaufen



Anderen Autoren geschieht so etwas schon einmal, besonders wenn sie rasch produzieren müssen oder keinen genauen Plan angelegt haben. Dann können böse Fehler unterlaufen. Bei Karl May taucht zum Beispiel ein Bösewicht mal unter dem Namen Santer, mal als Sander auf, dann vergisst er in einem anderen Buch die Figuren Jim und Tim völlig, die doch vorher nicht unwichtig waren, und schließlich treten - besonders peinlich - Figuren wieder auf, die schon gestorben sind. Karl May schrieb allerdings oft Tag und Nacht ohne Pause und musste die fertigen Kapitel gleich an die Druckerei schicken, so dass er seine Texte nicht mehr durchlesen und überprüfen konnte.



      Es würde May getröstet haben, hätte er gewusst, dass sehr berühmte Kollegen ähnliche Böcke schössen: zum Beispiel Homer, Shakespeare, Goethe, Schiller.
      In der »Ilias« von Homer stirbt der Held Pylaimenes beim Kampf um Troja. Ein paar hundert Verse später begegnen wir ihm wieder, als er weinend der Leiche seines Sohnes folgt. Ã"hnlich auferstehungsfreudig zeigt sich im selben Epos der Held Tenkros, der zunächst dramatisch den Tod findet. Am nächsten Tag jedoch findet der Leser ihn wieder in der Schlacht, wo er fröhlich andere tötet. William Shakespeare trieb es nicht ganz so toll, aber immerhin kümmerte er sich in seinem Drama »Romeo und Julia« kein bisschen um seine Altersangaben. Einerseits behauptet in dem Stück Julias Mutter, im Alter von 13 oder 14 Jahren mit Julia schwanger gewesen zu sein. Da Julia zu diesem Zeitpunkt noch nicht 14 ist, kann ihre Mutter höchstens 28 sein. Dennochspricht sie selbst von ihrem »hohen Alter«. Und Goethe lässt den Titelhelden seines Romans »Wilhelm Meisters Lehrjahre« an einer Stelle einen Schwager haben, obwohl er ihn erst viel später bekommen wird. Bei Friedrich Schiller schließlich spricht Don Karlos in dem gleichnamigen Stück davon, er trage einen Brief der Königin seit acht Monaten bei sich. Kurz zuvor behauptet er aber, »nichts von ihrer Hand gelesen« zu haben.
      Dass Dichter irren, weiß man schon lange. Da aber Dichter oft gute Leser sind, fällt ihnen so etwas bei Kollegen leicht auf. Der selbst fehlbare Goethe aber fand einen Fehler bei Shakespeare, der gar keiner ist, kommentierte den falschen Fehler jedoch sehr richtig: Er behauptet, in Shakespeares Königsmörder-Drama »Macbeth« stehe einmal, Lady Macbeth habe Kinder, etwas später aber, ihr Mann habe keine. Tatsächlich verliest sich Goethe hier nur, denn an der Stelle ist gar nicht von Macbeth die Rede. Seine Erklärung und Entschuldigung des vermeintlichen Fehlers dagegen überzeugt: »... aber das kümmert Shakespeare nicht. Ihm kommt es auf die Kraft der jedesmaligen Rede an.« Und Goethe fügt später an: »Ãoberall sollen wir es mit dem Pinselstrich des Malers oder dem Wort eines Dichters nicht so genau und kleinlich nehmen; vielmehr sollen wir ein Kunstwerk, das mit kühnem und freiem Geist gemacht worden, auch wo möglich mit ebensolchem Geiste wieder anschauen und genießen.«
Weil sie die Bücher und Theaterstücke auf diese Weise oder auch nur recht flüchtig ansehen, bemerken die meisten Leser solche Unstimmigkeiten gar nicht. Sie konzentrieren sich mehr auf den Fortgang der Handlung, auf die Sprache oder die Figuren. Nur wenn man genauer hinsieht, findet man bei sehr vielen Autoren Fehler.

     

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