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Kommunikation - Das basale Element sozialer Systeme



Aus welchen Elementen bestehen soziale Systeme: d.h., aus welchen Elementen reproduzieren sie sich ständig selbst? Ãoblicherweise denkt man hier an Menschen, Stände, Schichten oder Sonstiges. Die Systemtheorie jedoch macht einen anderen Vorschlag: aus Kommunikationen. Bewußtseinsbegable Menschen sind gewiß als Bedingung der Möglichkeil sozialer Systeme unverzichtbar, etwa wie psychische Systeme auch nicht ohne Körper auskommen. Soziale Systeme verhalten sich jedoch zum Menschen emergent. Gesellschaft entsteht nicht da, wo zwei Menschen aufeinandertreffen, sondern dort, wo an alters Ã"ußerung ego sinnvoll anknüpft, wo also eine Kommunikationsofferte gemacht wird und Erfolg hat. Dies setzt voraus, daß alter und ego sich gegenseitig unterstellen, daß überhaupt eine Selektionsoffcrtc vorliegt. Um ein Beispiel von Dietrich Schwanitz zu gebrauchen: wenn ein Stummer nicht spricht, liegt keine Kommunikation vor, wohl aber, wenn ich ihm unterstelle, absichtlich zu schweigen und er mir unterstellt, ich bemerkte genau dies. Glaubt man nicht an die direkte Verständigung von Bewußtscinen auf dem Wege der Telepathie, dann ist eine genauere Definition von Kommunikation nötig.




     

Wenn alter und ego ein Kommunikationssystem bilden, wird nichts zwischen aller und ego übertragen oder transportiert - so wie ego alter ein Pfund Buller gibt, das er anschließend nicht mehr hat. Die Kommunikation nimmt ego nichts! Kommunikation versteht Luhmann vielmehr als die dreistellige Einheit der Selektionen von Information, Mitteilung und Verstehen. Was ego bei einer gelingenden Kommunikation zur Grundlage eigenen Erlebens und Handels macht, ist die Information. Sie "ist |...] eine Selektion aus einem [...] Repertoire von Möglichkeiten." Dem "beredten Schweigen" kann ego die Information entnehmen, aller wolle nicht mit ego reden, oder aber auch die, alter wolle ego suggerieren, er könne nicht reden. Das Bündel möglicher Selektionen wird - auf welche Weise auch immer, schriftlich, mündlich, verschlüsselt, etc. - mitgeteilt. Auch die Mitteilung erfordert eine Selektion. Man muß sich entscheiden, dem Radio zuzuhören oder dem Fernseher, den Brief zu lesen, die Klopfzeichen zu entschlüsseln oder dem Schweigen Absicht zu unterstellen. Kommunikation gelingt dann, wenn ego die "Unterscheidung der Information von ihrer Mitteilung" versteht, und diese Differenz "der Wahl des Anschlußverhaltens zu Grunde gelegt wird." Je nachdem, wird man sich dann mit dem Schweigenden aussöhnen wollen oder hinter dem vorgeblich Stummen den Spion oder Betrüger wittern. Daß Kommunikation mißlingt, ist möglich, sogar wahrscheinlich. Ego kann eine andere Information selektieren als von alter intendiert, die Mitteilungen können nicht ankommen, Verstehen ausbleiben, Anschlußkommunikationen leerlaufen. Um die Möglichkeiten der Anschlußhandlungen zu limitieren und die Intentionen egos und alters zu koordinieren, Kommunikation also nicht nur dem Zufall zu überlassen, gibt es soziale Mechanismen, die die Wahrscheinlichkeit für das Gelingen von Kommunikation erhöhen. Wir skizzieren diese Einrichtungen und versuchen, auf die historischen Bedingungen ihrer Entstehung miteinzugehen.
     

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