Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt




Literatur & sprache

Index
» Literatur & sprache
» Persönlichkeiten
» Heinrich Böll (I9I7-I985)

Heinrich Böll (I9I7-I985)



Natürlich kennt man den Namen, den auch eine politische Stiftung trägt, aber Heinrich Bölls Person und sein Werk sind seit den 80er Jahren schon vielerorts in Vergessenheit geraten. Wer war Heinrich Böll? Der gute Mensch aus Köln, der Katholik, der Humanist, der Moralist, der Anarchist? Viel mehr ist nicht geblieben an F>inne-rungen an den Mann, dessen Werke nach 1945 in fast jedem deutschen Bücherregal standen, von dem die Presse last ständig berichtete und dessen Bekanntheil überall in die Welt gedrungen ist.



      Heinrich Böll, der Sohn eines Kölner Schreinermeislers und Bildhauers, wollte von Jugend an Schriftsteller werden und hatte sich schon an der Kölner Universität für das Germanistikstudium eingeschrieben, als er zu Kriegsbeginn 1939 in die Wehrmacht einberufen wurde. Während des Krieges heiratete er Annemarie Cech, mit der er zwei Kinder hatte.
      Nachdem er in Gefangenschaft geraten war, kehrte er 1945 nach Köln zurück. Kr veröffentlichte seine ersten Kurzgeschichten und schlug sich als freier Schriftsteller durch, die wirtschaftliche Not zwang ihn ab 1950 zu diversen Aushilfstätigkeiten. 1951 wurde er zur »Gruppe 47« eingeladen, die ihm für die Krzäh-lung >Die schwarzen Schafc< einen Preis verlieh.
      Kin Verlagsvertrag verbesserte seine ökonomische Situation, und von nun an schrieb er zahlreiche Romane, Krzählungen und Hörspiele, für die er fast jedes Jahr einen anderen Literaturpreis erhielt. 1971 wurde er Präsident des internationalen Schriftstellerverbands und im darauf folgenden Jahr mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. Ks folgten zahlreiche weitere Auszeichnungen, Rhrenbürgerschaftcn und -doktorwürden im In- und Ausland sowie 1982 in Nordrhein-Westfalen der Prol'essorentitel.
      Heinrich Böll war sicherlich kein moderner Schriftsteller, sein Stil war einfach und realistisch, allerdings in einer Weise, die auch die subjektive Sieht berücksichtigte und die Gegenstände übertrieben satirisch darstellte, um sie »ins rechte Licht« zu rücken. Die Themen seiner Erzählungen und Romanewaren die Probleme der Nachkriegszeil, angefangen von der Aufarbeitung der schrecklichen Kriegserinnerungen und Verbrechen, die Nöte der Nachkriegsjahre, die moralische Verrohung im Wohlstandsmuff der Adenauerära.
      Heinrich Böll kritisierte das Ausufern der staatlichen Gewalt gegen Oppositionelle und die Zerstörung der Natur durch die »zivilisierte« Gesellschaft. Bei all diesen gegenwartsbezogenen Themen blieb er vor allem Erzähler in einer »guten alten« Tradition. Kleist, Hebbel, Tolstoi waren die literarischen Vorbilder seiner Jugend gewesen, sein Erzählstil isoliert nicht - trotz all der kontroversen Themen und Angriffe -, sondern stiftet Gemeinschaft. Seine Figuren aus dem Kleinbürgermilieu suchen eine Heimal, er nimmt sie in Schutz, auch vor lebensfeindlichen und lebensverachtenden Tendenzen in der deutschen Nachkriegsgesellschaft.
      Böll wurde im Lauf seines Lebens zunehmend politischer: Er schrieb gegen Vergangenheitsvergessenheit, den blinden Wahn des Wiederaufbaus, anlikommunislische und Terroristen-Hetze an. Daneben war Böll in einem Werte erhallenden Sinn konservativ. Er sah die Gefahren überstürzter Modernisierung und vermisste in der bundesrepublikanischen Gesellschaft die Menschenfreundlichkeit. Diese glaubte er in anderen Ländern zu finden, zum Beispiel in Irland, wo er sich ein Bauernhaus kaufte, in das er sich gerne zurückzog.
      Böll griff nicht nur mit seinen literarischen Werken in die politische Diskussion ein, er schrieb auch polemische Essays, hielt Reden und nahm zu tagespolilischen Ereignissen Stellung. Dass er sich überall kritisch einmischte, trug ihm viel Anfeindung in der bundesrepublikanischen Ã-ffentlichkeit vor allem von den konservativen Medien (>Bild-Zeitung

 Tags:
Heinrich  Böll  (I9I7-I985)    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com