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Günter Grass (I927)



Kein anderer deutscher Schriftsteller hat seit dem Zweiten Wellkrieg so nachhaltig auf die literarische und intellektuelle Ã-ffent-lichkeil eingewirkt wie Günter Grass. In dem Maße, in dem er zu einer Art moralischer Instanz, zum Gewissen der Nation wurde, sind die literarischen Qualitäten seiner Werke zeilweise weniger beachtet worden. Ks ist aber unumstritten, dass sein Werk, für das er zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhielt, eines der bedeutendsten der Nachkriegsära ist.



      In seiner Danziger Kindheit erlebte Günter Grass hautnah die nationalsozialistische Indokfrinalion, das Milläufertum und die Opposition in Familie, Schule und sozialem Umfeld. 1944 war die Schullaufbahn für ihn vorzeitig beendet, da er in die Wehrmacht eingezogen wurde. Kinc Verwundung und anschließende Kriegsgefangenschaft beendeten den »Spuk«. Hrsl allmählich und in zeitlicher Distanz konnte Grass das Ausmaß der Verbrechen dieser zwölf Jahre begreifen. Dieser Prozess der Bewusstwerdung des Vergangenen in seiner ganzen Grausamkeit, aber auch Banalität wurde bestimmend für Günter Grass' Literatur. Nach der Kriegsgefangenschaft studierte er 1948/49 Bildhauerei, Grafik und Malerei in Düsseldorf und Berlin. Er verkehrte in Künstlerkreisen, spielte in eineR)azzband, las alles, was an Literatur nach dem Krieg verfügbar war, und begann Gedichte zu schreiben.
      Das Sehreiben und die bildende Kunst sind die Pole seiner Aktivität, zwischen denen er in seinem Leben immerhin- und herpendelt. Auch Ortswechsel und Reisen sind charakteristisch für sein Leben. So zog er, von Camus' Existenzialismus begeistert, mit seiner Frau 1956 nach Paris, wo er in seinem Atelier, einem Heizungskeller, mit Plastiken experimentierte, Gedichte und Theaterstücke schrieb und mit der Arbeit an der >Blechtrommel< begann. Die frühe Anerkennung seiner Literatur durch die berühmte »Gruppe 47« gab ihm den Antrieb, sich verstärkt dem Schreiben zu widmen. Als er 1958 aus Teilen seiner >Blechtrommel< vorlas, wurde dies der Durchbruch zur schriftstellerischen Karriere.
      Die >Blechtrommel< wurde das weltweit bekannteste deutsche Buch der Nachkriegszeit und ermöglichte Grass die finanzielle Unabhängigkeit. Die kürzeste Inhaltsangabe des Romans stammt von ihm selber: »)unge, dreijährig, stellt Wachstum ein.« In diese fiktive Autobiografie Oskar Matzeraths gehen verschiedene Lebensstationen, Erlebnisse, Figuren und Orte aus Grass' Leben ein, die in der Tradition des barocken Schelmenromans verarbeitet werden. Grass sah im Schreiben eine Form der Auseinandersetzung mit derVergangenheit, mit seiner persönlichen Konfrontation mit Nationalsozialismus und Krieg, auch mit dem Verlust seiner Danziger Heimat.

     
Von den 60er Jahren an sah sich Grass in der Verantwortung des politischen Schriftstellers, was ihm viel Kritik einbrachte. Kr engagierte sich während der Zuspitzung des Ost-West-Konflikts Anfang der 60er Jahre in der Friedensbewegung. Ãober die Gruppe 47 lernte er Willy Brandt kennen, mit dem ihn eine dauerhafte Freundschaft verband. Seitdem unterstützt er die SPD bei ihren Wahlkämpfen.
      Als 1961 der Mauerbau begann, üble Grass schonungslos Kritik am DDR-Regime und verurteilte die Ausweisung von Schriftstellern. Im darauffolgenden Jahrzehnt organisierte er ein Treffen zwischen westdeutschen und DDR-Schriftstellern und stiftete den Döblin-Preis im Andenken an sein großes literarisches Vorbild. Auch die westdeutsche Kniwicklung blieb von seiner Kritik nicht verschont, 1963 erschien seine Wirtschaftswundersalire >Hunde-jahreDcr ButtDie Rättin< handelt von der Kindlichkeit der menschlichen Existenz angesichts atomarer Katastrophen.
      Im geschichtsträchligen Jahr 1989 kämpfte Grass in zahlreichen Reden gegen den Zeitgeist für einen langsamen Prozcss der Annäherung beider deutscher Staaten. Auch mit dem neuen Verhältnis zum Osten, insbesondere zu Polen, setzte ersieh auseinander und rief zur Aussöhnung auf. Später attackierte erdie fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Deutschland und mischte sich in die Asyldebalte ein - immer vor dem Hintergrund der deutschen Kriegsvergangenheit.
      Ab 2002 widmete ersieh einem bisher wenig beachteten Vergangenheitsthema, dem Unrecht der Kriegsvertreibungen (>lm KrebsgangKin weites Feld< (der Titel eine häufige Formulierung aus F'ontanes >Kffi BrieslLiterarischen QuarletL total verrissen, ungeachtet dessen aber ein großer Erfolg.

     

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