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Krieg und Frieden (I868/69) Roman von Leo Tolstoi



Der Verfasser dieses gigantischen Jahrhundertwerks wurde in einem amerikanischen Ranking der Persönlichkeiten, die in unserem Jahrlausend am stärksten gewirkt haben, nach Dante und Shakespeare unter den Ersten genannt. Der schreibende russische Hürst Leo Tolstoi, der die Bedeutung seines > Krieg und Hrieden< erkannte, hat es seibstbewusst neben die >llias< gestellt. Ã"ußerlich der Familiensaga verwandt, wurde es zum russischen Nationalepos.



      Das Thema war der für die russische Identität so bedeutende »Vaterlandskrieg« , an dessen Ende der Sieg über Napoleon stand. Wichtiger aber war dem Schriftsteller, seiner Liebe zum Leben und dem Glauben an die Zukunft Ausdruck zu verleihen. Der Erzählung, die vom Schicksal einiger adeliger Familien in den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts handelt, liegt Tolstois eigene Familienchronik zugrunde: Diebeiden Hauptfiguren Andrej Bolkonskij und Pierre Be/.uchov, Sprösslinge aus dem russischen llochadel, sind sehr verschieden, verkörpern aber beide autobiogral'ischc Züge des Verfassers. Nachdem Andrej den Glauben an den Ruhm auf dem Schlachtfeld verliert, erkennt erauf dem Sterbebett, dass der Sinn des Lebens die selbstlose Liebe ist.
      Als Pierre während des Brandes von Moskau dem einfachen Bauernsoldaten Karatjew begegnet, kommt das zentraleThema der moralischen Läuterung ins Spiel: Durch schwere Schicksalsschläge und die Begegnung mit der russischen Volksseele erfährt Pierre, dass die moralische Wahrheil über die brutale Gewalt triumphiert -eine Grundüberzeugung, in dersich derGlaube des Verfassers spiegelt: Ls ist das Volk, das in die Geschichte eingreift und letztlich auch den großen Sieg über Napoleon erringt. Selbst der Wille Napoleons, »das nichtigste Werkzeug der Geschichte«, unterliegt einem anonym wirkenden Schicksal. Der russische General Kulu sow hingegen verkörpert den gewöhnlichen Menschen, der seinen Willen der Vorsehung unterordnet und an den Sieg seelischer Größe glaubt. Napoleon unterliegt nicht dem russischen Heerführer, sondern der russischen Lrde, dem russischen Volk, letztlich dem »Raum und der/eit«.
      Das harmonische Leben beginnt sieh nach dem Krieg neu zu entfalten, Krieg und Frieden stehen in Beziehung zueinander. Die I landlungsstränge des gesellschaftlichen, familiären und militärischen Lebens sind miteinander verknüpft. Im Krieg treten einige Charaklerzüge der männlichen Personen stärker hervor und führen auch zu Wandlungen.
      Die wichtigste Frauenfigur im Frieden ist Natasha Rostova, die sich vom naiven Mädchen zur reifen Frau entwickelt und in Liebe,

V.

hc und Kinderreichtum Lrfüllung findet. Die Friedensepisoden der Familiensaga enthalten alle möglichen Situationen und erfassen die Totalität des menschlichen Lebens. In der Schilderung der Feiern, Konflikte, Geburts- und Slerbeszcnen erweist sich Tolstois realistische Lrzählkunsl, ebenso in den damit kontrastierenden Kriegsszenen, in denen die historischen Schlachten so geschildert werden, als wäre Tolstoi selber dabei gewesen.
      Helden gibt es nicht in diesem Roman, denn immer werden auch die Schwächen der Personen geschildert. Oft stehen gekünstelte Konventionen dem unverfälschten, natürlichen Verhalten gegenüber, in den Naturbeschreibungen verdichten sich die inneren Stimmungen eindrucksvoll. Andrej erlebt die Nichtigkeit irdischer Ruhmessucht angesichts des unendlich hohen Himmels über dem Schlachtfeld. Trotz der tragischen Todesfälle in > Krieg und Frieden < ist das Rpos von einer optimistischen und lebensbejahenden Grundstimmung geprägt.
     

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Krieg  Frieden  (I868/69)  Roman  Leo  Tolstoi    





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