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Literatur des expressionismus

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Rhetorik



Die wichtigsten Themen der Epoche einerseits und die für sie konstituti- ven poetischen Gestaltungsweisen andererseits stehen in einem unverbrüchlichen Wechselverhältnis zueinander. Das zeigt sich beispielsweise am Zusammenhang zwischen der besonderen Hinwendung zu Außensei-tern und der Ã"sthetik des Hässlichen oder zwischen der fundamentalen Bürger- und Staatskritik und dem Rückgriff auf apokalyptische Darstellungsmuster zur bildkräftigen Illustration des drohenden Untergangs der westeuropäischen Gesellschaften. Gleiches gilt auch für die Rhetorik als einem Instrumentarium für die wirkungsmächtige Herstellung von Texten, dem im Expressionismus eine immense Bedeutung zukommt . Eine Wurzel dafür ist der Versuch einer umfassenden Erneuerung der modernen Sprache. Sie wird von den Expressionisten, etwa von Gustav Sack, als verkitscht von den verlogenen Sentimentalitäten des Bürgertums und als verbraucht von den Phrasen der Medienindustrie angesehen. Die leichtfertige, schablonenhafte Art und Weise, in der nach Ansicht der avantgardistischen Autoren die Zeitgenossen miteinander kommunizieren, kollidiert mit deren existentieller Suche nach Verbindlichkeit . Der Einsatz der Rhetorik erscheint dabei als eine der Möglichkeiten, wie die Sprache erneuert, intensiviert, die gesprochenen oder geschriebenen Worte wieder mit Leben, Kraft und nachhaltiger Geltung erfüllt zu werden vermögen. Eine andere Wurzel ist der Zusammenhang von Rhetorik und Affektenlehre. Ein wichtiger Aspekt der traditionellen Redekunst ist die enorme Macht, welche die Worte in spezifischer Auswahl und Anordnung über die Leidenschaften der Menschen erlangen können. Da die Expressionisten auf eine starke Wirkung ihrer Texte und in der Folge auch auf eine Veränderung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zielen, bedienen sie sich konsequenter Weise des dafür höchst tauglichen Mittels der Rhetorik. Hieraus resultiert zum Teil die manchen Lesern affektiert oder übersteigert erscheinende stilistische Gestaltung der expressionistischen Poesie, die freilich in ihrer Spezifik gewollt ist und maßgeblich auch in einer enthusiastischen Rezeption von Friedrich Nietzsches emphatischem Pathos-Begriff gründet . Ein Aphorismus Rudolf Leonhards bringt diese Haltung knapp und konziseauf den Punkt: 'Man kann nur in Hypertropen dichten, denn beim Superlativ fängt das Dichten erst an." Zu den für die Epoche konstitutiven rhetorischen Strategien zählen neben allen Formen von Bildlichkeit unter anderem die Alliteration, die Antithese, die Ellipse, die Hyperbel, der Parallelismus, die Prosopopöie, die Synekdoche, die Wiederholung und die Worthäufung, alle jeweils mit ihren spezifischen affektiven und ideologischen Funktionen .



     

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