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Der alte Mann beginnt zu sprechen



Ich möchte dieses Kapitel mit einem anschaulichen Beispiel aus der Praxis fortführen.
      Ein junger Mann, der an seiner Doktorarbeit sitzt, sucht meine Hilfe, weil er mit dem Schreiben nicht weiterkommt. Der immer näher rückende Abgabetermin blockiert ihn zusätzlich. Vor allem aber klagt er darüber, dass ihm »nichts Gescheites« einfalle, das heißt, ihm fällt überhaupt nichts mehr ein, was die Arbeit voranbringen könnte, obwohl er sein ganzes Material beisammen und es auch, wie mir scheint, ganz brauchbar gegliedert hat.
      Ich lasse ihn zunächst, in der ersten Sitzung, seinen Lebenslauf verfassen. Dabei fällt mir auf, dass zwischen dem Geburtsdatum und der Mitteilung, die Familie sei umgezogen, als er etwa zehn Jahre alt war , eine totale Lücke an Informationen besteht; danach kommt eine Fülle von

Einzelheiten. Und bei der Unterschrift kürzt er seinen Vornamen ab.
      »Den mag ich nicht«, erklärt er, als ich nach dem Vornamen frage. Ich bitte ihn, im Stehen mit der Schreibhand diesen Vornamen mit großen Bewegungen, bei geschlossenen Augen, um sich herum in die Luft zu schreiben. Als er fertig ist und ich ihn frage, wie es gewesen sei, sagt er zunächst, er habe sich »hinter diesen Mauern sehr geborgen gefühlt - aber auch ein wenig einsam«. Und:
»Da war ein Buchstabe, der hat mir große Mühe gemacht, ein >ü

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