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Begriff, Aufgaben, Konzepte der Literaturgeschichtsschreibung



Auf den kleinsten Nenner gebracht, stellt die Geschichtsschreibung der Literatur zwischen verschiedenen Texten einen Zusammenhang her: entweder durch eine äußerliche Reihung, deren Sinn im Erfassen der Gegenstände liegt, oder durch das Aufzeigen einer inneren Logik in ihrer zeitlichen Abfolge. Insofern hat sie zwei formal entgegengesetzte, in der Regel freilich ineinander verschränkte Leistungen zu erbringen: einerseits das Registrieren, für das die einzelnen Daten im Mittelpunkt stehen ; andererseits deren Auswertung, wobei nicht mehr die individuellen Dichtungen das eigentliche Untersuchungsobjekt bilden, sondern deren interne Beziehungen. Immer aber kommt zu diesen Aufgaben die dritte hinzu: die Kenntnisse oder Erkenntnisse an andere zu vermitteln und ihnen eine sachgerechte Darstellung zu geben. In beiden Fällen hat die Literaturgeschichtsschreibung ihren Zweck darin, ihr Material zu erschließen und dessen Brauchbarkeit zu sichern.



      Aus diesem Grund war das additive Verfahren nur solange zureichend, wie sich die Informationen in ihrer Extensität noch überschauen ließen. Als aber die Fülle des stetig expandierenden Wissens die eigene Verfügbarkeit zu gefährden begann, mußte die Literaturgeschichtsschreibung Auswahltechniken entwickeln und Wertungen vornehmen . Blickt man zurück auf die Absichten und Vorgehensweisen der Literaturhistoriker, so macht sich daher als Haupttendenz der Übergang bemerkbar von einer äußerlichen Anordnung hin zu einer immanenten Aufbereitung, für die der jeweilige Text oder Autor nur noch ein Moment einer übergeordneten Struktur repräsentiert. Damit differenzieren sich kontroverse Binnenstrategien aus; gegenüber der neuen Intention auf Einsicht in geschichtliche Verläufe wird das Sammeln von Informationen zur bloßen Hilfsfunktion zurückgestuft.
      An diesem Umschlagspunkt vom positivistischen Archivieren zur -> Hermeneutik nimmt die Literaturgeschichtsschreibung im eigentlichen Sinn ihren Anfang. Insbesondere für den deutschen Bereich ist diese Neuorientierung auf die zweite Hälfte des 18. Jahr-hunderts zu datieren, in deren Verlauf sich in allen Dimensionen der Kultur eine Temporalisierung - d. h. die Wahrnehmung prozessualer Veränderungen - durchsetzte . Seitdem verlangt jede Literaturgeschichtsschreibung gleichermaßen ein Modell von Geschichte als durchschaubarem Ablauf wie einen spezifischen Begriff von Literatur, der die Ausschlußkriterien liefert . Sie muß sich darüber im klaren sein, welcher Art ihre Prämissen sind: Hat die Literaturgeschichte ihr Ziel in den einzelnen poetischen Texten, die sie in ihrem zeitlichen Kontext angemessener erläutern will, oder nutzt sie die Werke, um vom Besonderen auf das Allgemeine zu schließen, z. B. auf eine Struktur literarischer Epochen oder -» Gattungen, einen -> Stil oder einen >Volkscharakter

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