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Glauben - Kose Ausländer



Ich glaube an die Wunder dieser Welt und der unendlichen unbekannten Welten

Ich glaubean das Wunder der Träume
Träume im Schlafund im Wachen
Ich glaube an die Wunder der Wortedie in der Welt wirken

   und die Welten erschaffen



Ich glaube an dich Lebensbruder
Das Gedicht »Glauben« aus dem Band »Mutterland« entstand 1978, in dem Jahr, das die große Lyrikerin und Dichterin Rose Ausländer einem breiteren Publikum bekannt machte; ein Jahr zuvor war sie durch bedeutende Preise ausgezeichnet worden. Anläßlich der Verleihung des Andreas-Gryphius-Preises in Düsseldorf hatte die bereits schwer erkrankte sechsundsiebzigjährige Dichterin zum letzten Mal die Öffentlichkeit betreten; fortan verließ sie nur noch für kurze Zeit und in Begleitung ihr Zimmer im jüdischen Altersheim, das, symbolisch genug, den Namen der anderen großen deutsch-jüdischen Lyrikerin, Nelly Sachs, trägt. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1988 war Rose Ausländer ans Bett gefesselt, schrieb weiter, ihre Verse wurden aufnotiert.
      Sie stammt aus Czernowitz in der Bukowina, wie Paul Celan, den sie in den vierziger Jahren kennengelernt hatte; sie überlebte die Nazigreuel, lebte lange Zeit in New York, kehrte 1964 in das Mutterland des Wortes, in die deutsche Sprache zurück: »Ich lebe / in meinem Mutterland / Wort«, so in dem programmatischen Gedicht »Mutterland«. In ihrem inzwischen siebenbändigen Werk werden immer wieder die zentralen Erfahrungen menschlicher Existenz ins Wort gebannt: Liebe, Hoffnung, Glaube, Begegnung mit anderen Menschen, Dichtern, Erinnerung, Dokumente gegen das Vergessen, Märchen, Kindheit, Mutter, biblische Gestalten, Traum und Tod: >Immer zu benennenheilesgläubiges< Gedicht zu schreiben. Wievielist wegzuräumen, zu überspringen .
      Die erste Strophe entwirft den Gesamtumriß des Utopischen, in der zweiten Strophe die Wendung zu den Wundern menschlicher Existenz: daß er sich im Traum selbst zu überwinden vermag; der Traum als Rettung unseres Alltagswesens; die dritte Strophe beschwört den Glauben an die Macht des Wortes, des dichterischen vorallem —: Worte und Welten aber gelten der Dichterin weniger als ihr Glauben an den »Lebensbruder« Mensch.
      Jede Strophe entfaltet sich in einem Satzgebilde, vom einfachen Satz zum Satzgefüge, in Strophe vier dann die ganz verknappte, vereinfachte Sprechweise: Subjekt, Prädikat, Objekt, zweifach besetzt: »dich — Lebensbruder«, Leben ist Bezug.
      Wie durchkomponiert das Gedicht ist, zeigen die feinen Variationen und Abschattungen der Bedeutung der Wörter: »Ich glaube an die Wunder / an das Wunder / an dich«, die Zeilenkomposition ist ganz auf die Endaussage hin angeordnet. Wiederholungen und Parallelismen, Alliterationen und Assonanzen sind weitere Mittel, jenen ästhetischen Schwebezustand hervorzuzaubern, der dem Wunder, von dem das Gedicht spricht, genau ent->spricht

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Glauben  -  Kose  Ausländer    





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