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Erzählungen der gegenwart

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Peter Bichsel Holzwolle



Ganz kurzgeschichtenhaft springt die Erzählung in eine normale, lakonisch-realistisch dargestellte Szene hinein. Sie ist so 'normal", daß man sie geradezu stereotyp nennen könnte. Der Erzähler interpretiert sie auch selbst so — mit dem ersten Tempuswechsel ins Präsens tritt er ja als wertendes Subjekt hervor —: 'Dann sind es immer dieselben Bilder ... Und alle Lichtbilder sehen aus wie ..." Noch folgt er dem Ablauf der Szene. Doch ein erneuter Tempuswechsel, ins Futur, zeigt an, daß wir nun in den Bewußtseinsstrom des Erzählers gleiten. Hier gelten nicht mehr die Gesetze der zeitlichen Abfolge von Ereignissen im Raum, an ihre Stelle tritt die Assoziation: Sie fügt Erinnerungen und Gedanken aneinander.



      Bis hierhin gelangen die Schüler noch leicht. Schwierig wird die Herausarbeitung des Problems: Man sucht 'etwas" in der Holzwolle, man 'wird es nie finden", man fühlt 'die Sehnsucht nach ihm". Rätselraten ist vom Autor nicht intendiert: Er spricht keine geheimnisvolle Sprache! Vielmehr bietet die Erzählung sich als 'Hohlform" an, in die man seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen einfügen muß; Interpretieren muß sich als Konnotieren, als 'Mit-Notieren" eigener Bewußtseinsinhalte vollziehen.
      Also müßten die Schüler Gelegenheit haben, eigene Erlebnisse zu erzählen, in denen sie versucht haben, das Innenleben von Gegenständen zu erforschen. Bei der
Auswertung dieser Eigenerfahrungen könnte dann die Erzählung Modellcharakter gewinnen: Die Schüler sollten erkennen, daß es ein magisches Denken, vorwiegend bei Kindern, gibt, das die Dinge beseelt und zu Bezugspersonen macht, daß aber das analytische Denken dem magischen widerspricht: Es zerstört den Gegenstand und macht 'es" unauffindbar. Man sollte darauf hinweisen, daß sich auch in der aufgeklärten Welt der Erwachsenen eine Möglichkeit zur Erfüllung der 'Sehnsucht" bietet, allerdings nicht mehr in den Dingen , sondern in der liebenden Zuwendung zum Mitmenschen.

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