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Erzählungen der gegenwart

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Herbert Heckmann Das Henkersmahl



Zwei Worterklärungen sind vor der Behandlung zu geben:

1. Hammel = Hammel
2. Kutteln = Innereien
Man muß sich auch vergewissern, ob den Schülern der Begriff 'Henkersmahl" bekannt ist als das Mahl, das dem zum Tode Verurteilten vor seiner Hinrichtung seinen Wünschen entsprechend gewährt wird.
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nbsp;     Die Geschichte sollte gemeinsam in der Klasse erlesen werden. Verständnisschwierigkeiten zum Inhalt und zum Geschehensverlauf werden nach den Worterklärungen kaum auftreten. Es wäre dann gut, die Schülerinnen und Schüler sich zu dem Gelesenen äußern zu lassen. Es ist anzunehmen, daß sich die Klasse positiv zu den gewollten Ãœbertreibungen der Darstellung Heckmanns äußert. Sie wirken zunächst humorig, d. h., das Geschehen stellt menschliche Unzulänglichkeiten in dieser Welt mit Milde und Gelassenheit dar — hier die Schadenfreude der Wächter, den Hunger und die Gefräßigkeit des Häftlings.
      Jedoch ist dieser Humor Heckmanns — und darauf sollten die Schüler hingewiesen werden — hintergründig, gerät in die Nähe ironischer Satirc, d. h., er geißelt Miß-stände der Gesellschaft: die Kerkerhaft, den Hunger, die Diskrepanz zwischen Hungernlassen des Häftlings und dem plötzlichen Zugeständnis, sich beim Henkersmahl seinen Wünschen gemäß vollfressen zu können. Solche Diskrepanzen, solche Ungereimtheiten bewirken eine groteske Darstellung, die bevorzugtes Stilmittel der Zerrissenheit unserer Zeit ist. Die Welt ist heutzutage so voller Ungereimtheiten und Absurditäten, daß sie nur durch die Darstellung von grotesken Diskrepanzen darstellbar ist.
      Die gedankliche Diskrepanz zwischen dem Motto der Geschichte von Johann Fischart — einer der gewandtesten Satiriker des späten 16. Jahrhunderts, der die Mißstände seiner Zeit aus calvinistischem Ethos heraus derb-komisch bekämpfte — und der Darstellung des Geschehens in der Geschichte von Heckmann selbst wirkt absurd, grotesk. Die Erzählung ist Heckmanns 1964 erschienener Sammlung 'Schwarze Geschichten" entnommen. Dies ergibt das Stichwort für die Erklärung seiner Darstellung des Henkersmahls. Es führt zu dem Begriff 'schwarzer Humor", der erklärt werden muß: Humor = liebenswerte, milde Betrachtungsweise der Welt — dies gekoppelt mit dem Farbbegriff 'schwarz" ergibt wiederum eine Diskrepanz, eine groteske Ungereimtheit beim sprachlichen Darstellen der Zustände dieser Welt und der Handlungen ihrer Menschen.
      Möglicherweise überfordern aber die Begriffsbestimmungen von 'schwarzem Humor" und 'Groteske" die Auffassungsgabe der Schüler. Dann sollte bei der Geschichte 'Das 'Henkersmahl" dem Schüler die wenn auch in der Erzählweise Heckmanns nur vordergründige Freude an der übertreibenden Darstellung gegönnt sein.
      Auch allegorisch kann die Geschichte Heckmanns ausgelegt werden. Hunger und Gefangenschaft werden dann gegenüber den Wächtern und den Richtern deutend ausgespielt. Bezüge, Assoziationen zu den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen in unserer Welt mit positiver und negativer Wertung ergäben sich dann in Fülle.

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