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Die rezeption der französischen adelskultur in deutschland

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Lehnwörter



Wie intensiv die Orientierung an der französischen Hofkultur war, dokumentieren die vielen französischen Wörter, die damals ins Deutsche gelangten. Bereits für das 12. Jahrhundert hat man 350 französische Lehnwörter nachgewiesen, für das 13. Jahrhundert 700, und noch für das 14. Jahrhundert wurden 300 neu entlehnte Wörter registriert. Dazu kommen die zahlreichen Lehnbildungen und die sogenannten Lehnbedeutungen . Sogar Wortbildungsmittel wie das Abstraktsuffix -te oder das Suffix -ieren zur Bildung von schwachen Verben sind übernommen worden.



      Der französische Spracheinfluß begann, bevor die ersten französischen Dichtungen ins Deutsche übertragen wurden. Zur ältesten Schicht gehörten die französischen Wörter in der religiösen Dichtung des 12. Jahrhunderts, von denen einige dem Bereich der höfischen Kultur zuzuordnen sind: pris »Preis«, palas »Wohnhaus«, turn »Turm«, tanzen »tanzen«, firnis »Schminke«. Auch die französischen Wörter in der >Kaiser-chronik< und im »König Rother' müssen schon in der Mitte des 12. Jahrhunderts in Deutschland bekannt gewesen sein: bühurt »Reiterspiel«, buckel »Schildbeschlag« und die Namen kostbarer Seidenstoffe . Ãœberraschend gering ist die Ausbeute in Lamprechts >AlexanderParzival< kommen mehr als 400 französische Wörter vor, manche mit großer Häufigkeit. Dieser Wortschatz spiegelt genau die Sachbereiche, in denen die Orientierung an der französischen Kultur besonders eng war: die höfische Kleidung, die ritterliche Bewaffnung, die Wohn- und Eßkultur, das Turnierwesen, die höfische Geselligkeit, die Musik, das Minnespiel usw. Manche Wörter besaßeneinen ausgesprochen modischen Klang, andere stellten eine wichtige Bereicherung des sprachlichen Ausdrucksvermögens dar, insofern mit Hilfe der französischen Termini Differenzierungen vorgenommen werden konnten - zum Beispiel für die verschiedenen Gangarten des Pferdes —, für die der deutsche Wortschatz vorher keine Mittel kannte. Die meisten französischen Wörter, die von den Dichtern benutzt wurden, haben niemals außerhalb der Literatur Verwendung gefunden. Sie sind später, zusammen mit der höfischen Epik, wieder verschwunden.
      Es muß aber auch einen französischen Wortschatz gegeben haben, der nicht nur literarisch existiert hat, sondern von der Adelsgesellschaft an den Höfen benutzt worden ist. Das ist allerdings im einzelnen schwer nachzuweisen, weil es nur für relativ wenige französische Wörter Anhaltspunkte gibt, die auf außerliterarische Entlehnung und auf außerliterarischen Gebrauch schließen lassen. Ein Indiz für mündliche Ãœberlieferung ist die Anpassung an deutsche Sprachgegebenheiten, wie der Akzentwechsel bei palas, das im Mittelhochdeutschen sowohl auf der ersten Silbe wie auf der zweiten akzentuiert worden ist; ferner die Teilnahme an deutschen Lautentwicklungen und die Weiterbildung entlehnter Wörter mit deutschen Wortbildungs-mittcln , außerdem die lautliche Umsetzung französischer Wörter ins Hochdeutsche und das Weiterleben französischer Lehnwörter in deutschen Dialekten. Außerliterarische Vermittlung ist auch für die französischen Burgnamen wahrscheinlich, die in Westdeutschland seit dem Ende des 12. Jahrhunderts begegnen: 1190 wird Mont-clair erwähnt, 1229 Monreal . Burg Grenzau kommt 1213 in der französisierten Form Gransioie vor, was offenbar »Große Freude« bedeuten sollte . In einigen Fällen glaubt man lautliche Spuren ostfranzösischer Mundarten an den übernommenen Wörtern nachweisen zu können: das i in ohteiz »heil« und das h in scbahtel »Schloß« .
      Wenn diese Indizien nicht trügen, sind solche Wörter zuerst an der westlichen Sprachgrenze aufgenommen worden. Der Marner, ein Spruchdichter des 13. Jahrhunderts, spottete über die höfschen Hute am Rhein, die sich mit französischen Fremd-

Wörtern schmückten: »Sie sind wirklich >des gents courtoisSeifrid Helbling< "wurde »ein Sachse, der in Wien geboren ist« zur Zielscheibe des Spotts. Am wirkungsvollsten ist die Parodie des ritterlichen Modejargons im >Helmbrecht

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