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Die rezeption der französischen adelskultur in deutschland

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Höfische Epik



In Frankreich gab es in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts drei Arten von Großepik, die aus ganz verschiedenen Traditionen kamen:
- Die Heldenepik aus mündlichen Ãoberlieferungen, die historische Stoffe aus der Merovinger- und Karolingerzeit behandelte. Der älteste und berühmteste Text war das französische >Rolandslied< gehörte zwar zu den ersten Ãobertragungen französischer Werke, aber das deutsche ^Rolandslied< hat keine neue Gattungstradition begründet. Nur Wolfram von Eschenbach hat, fünfzig Jahre später, noch einmal auf die Chanson-Epik zurückgegriffen: sein >Willehalm< ist eine freie Ãobertragung der >Schlacht von Ali-scans< , dem Mittelstück des großen Epen-zyklus um den berühmten Heidenkämpfer Guillaume d'Oran-ge. Etwas später hat Der Stricker für seine Neubearbeitung von Konrads >Rolandslied< neues Chanson-Material benutzt, ebenso Ulrich von Türheim für seine >WillehalmMorant und GalieKarl und Ele-gastKarlmeinetWillehalm< im Spätmittelalter zu den beliebtesten Erzählwerken gehörte. Für die geringe Wirkung der Chanson-Epik in Deutschland dürften verschiedene Faktoren maßgebend gewesen sein. Einmal hat die metrisch-musikalische Form der »chansons de geste« die Bearbeiter vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt. Zum anderen konnte das nationale



Pathos der französischen Heldenepik bei dem deutschen Publikum kaum Widerhall finden. Vor allem aber ließen die altertümlichen »chansons de geste« gerade das vermissen, was die französische Dichtung in Deutschland so attraktiv gemacht hat: die moderne höfische Gesellschaftsdarstellung mit ihren Idealen von Rittertum und Liebe. Erst viel später sind die französischen Heldenepen zu einem geschmacksbestimmenden Faktor in Deutschland geworden: in den Prosaromanen des 15. und 16. Jahrhunderts, die in großem Umfang Stoffe der französischen Chanson-Epik verarbeitet haben.
      Die Epen mit antiker Thematik sind alle - bis auf den Thebenroman - ins Deutsche übertragen worden. Aber sie haben in Deutschland nicht als geschlossene Gruppe gewirkt. Lamprechts >AlexanderStraßburger Alexanders hat eine größere Wirkung erreicht. - Der französische Trojaroman hat Wolfram von Eschenbach als Quelle für den >Parzival< benutzt. Durch Hartmann und Wolfram ist der von Chretien geschaffene Typ des Artusromans auch in Deutschland gattungsprägend geworden. Ein viertes Epos von Chretien, der >CligesCliges< von Ulrich von Türheim, die entweder zu einer zweiten Bearbeitung gehörten oder zu einer Fortsetzung von Konrad Flecks Dichtung. Nur der Lancelotroman , in dem das Ehebruchmotiv fehlt. - Thomas von Britannien hat dem französischen Roman von Tristan und Isolde die vorbildliche höfische Form gegeben. Seine Dichtung ist nur fragmentarisch überliefert; aber sie war ein großer internationaler Erfolg. Die deutsche Bearbeitung von Gottfried von Straßburg ist unvollendet geblieben.
      Zu den bedeutendsten französischen Epikern des 12. Jahrhunderts zählt Gautier d'Arras, dessen Werke merkwürdigerweise weniger stark nach Deutschland gewirkt haben. >Ille et Galeron< ist gar nicht übertragen worden; der >Eracle< fiel in die Hände eines durchschnittlichen Dichters namens Otte und verlor in der Bearbeitung sind leider nur Fragmente erhalten: der unbekannte Dichter muß eine bedeutende Erscheinung gewesen sein. Der französische >Partonopeus de Blois< hat erst in
Konrad von Würzburg einen deutschen Bearbeiter gefunden. Die beiden Romane von Hue de Rotelande, >Ipomedon< und >ProtheselausFlorimont< von Aimon de Varennes, ohne daß die Gründe dafür zu erkennen sind.
      Nach 1220 wurden französische Quellen hauptsächlich dazu benutzt, die unvollendet gebliebenen Werke von Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg weiterzudichten. Die Mehrzahl der späteren Artusromane kam ohne französische Vorlagen aus. Der Stricker scheint der erste gewesen zu sein , der einen Artusroman , ist offenbar schon bald nach seiner Entstehung ein Teilstück in deutsche Prosa übertragen worden. Dieser deutsche >Prosa-Lancelot< des 13. Jahrhunderts, dessen Existenz erst durch die Auffindung der alten Amorbacher Bruchstücke bewiesen worden ist, gibt der Forschung noch viele ungelöste Fragen auf. So konnte noch nicht geklärt werden, ob der deutsche Text unmittelbar auf der französischen Vorlage beruht oder ob eine niederländische Zwischenstufe anzusetzen ist. Unsicher ist auch, wie viele Teile des französischen Zyklus bereits im 13. Jahrhundert übertragen wurden. Fest steht jedoch, daß dieser erste deutsche Prosaroman in der Literaturgeschichte des 13. Jahrhunderts eine ganz isolierte Position einnahm. Erst im 15. Jahrhundert hat der >Prosa-Lancelot< in Deutschland eine breitere Wirkung erreicht.

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