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Die generation der 80er jahre

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Unmittelbarkeit und Reproduktion. Skizze zu Herve Guibert



"A Christine, qui m'a decoupe dans un magazine la photode mon personnage, dans l'avion entre Anchorage et
Tokyo, et ä qui je crains que cette histoire ne dise rien dutout."

"Die Gedanken über die Krankheit! - Die Phantasie des Kranken beruhigen, dass er wenigstens nicht, wie bisher, mehr von seinen Gedanken über seine Krankheit zu leiden hat, als von der Krankheit selber, - ich denke, das ist Etwas! [...]"



"Attendriez-vous qu'au champ d'honneur une balle enfin vous fixe, et qu'il vous soit donne, monstrueusement, de vivre quelques secondes la m&amorphose?"
Wie läßt sich über Aktualität schreiben, wo beginnt sie und wie ist ihr das sie überdauernde Moment abzuverlangen? Das Buch verschließt eine durch die verlegerische Instanz vermittelte Aktualität, seine Zeit ist die des verlegten, des versetzten Datums. Lesend suchen wir dieses Datum zu erlösen, und dem verlesenen Corpus das Kleid unseres Tages anzulegen. Häufig gerät der derart lesende Mensch, so er sich literaturwissenschaftlich oder literaturhistorisch zu seiner Lektüre äußert, in den Verruf modischer Enunziation. Das Modische gehört im akademischen Diskurs zu den beliebtesten denunziatorischen Attributen, derer sich gerade jene gerne bedienen, die in den wissenschaftlich gereiften Fußnoten die Verjährung des Textes begrüßen und denen das Zeitgenössische die unberührte Exotik des Fremden trägt. Es wird auf die übermittelte Tradition zurückgegriffen und was sich mit uns schreibt in den stetig gewachsenen Lauf des Kanons eingefügt. Gesucht wird weiterhin ein adäquates Lesen, eine Lektüre, die den Text sich selbst sprechen und in diesem Versprechen ihn sozusagen unvermittelt uns zu Ohren kommen liesse. Die "Kanonisierung muß immerauf Kosten der Gegenwart eines gegenwärtigen Moments vollzogen werden", schreibt Harold Bloom, ohne daß es von Erhebens wäre, ob das Gelesene nun von Racine, Jarry oder Guibert stammt. "Jeder Leseakt ist eine Ãobung im Verspätetsein", und um unsere Lektüren begrifflich zu konturie-ren, das Gelesene zu verjüngen, greifen wir auf die proleptische Repräsentation zurück.
      Kanonisierung von literarischen Texten ist ein in sich widersprüchlicher Prozeß, denn durch die Kanonisierung eines Textes macht man eine Trope aus ihm, was bedeutet, daß man fehl liest.
      Misreading, wie Paul de Man die Allegorie des Lesens genannt hatte; die Fehllektüre legt die Deutung des Werkes in die Aktualität des Leseaktes, ihre Aufgabe sei es, so Harold Bloom, dem "immer schon durch die Schatten der Anteriorität gealterten Medium" Sprache gerade in seiner wesentlichen zeitlichen Vorgängigkeit zu begegnen.
      Die Literatur der Gegenwart wird gelesen, sicherlich, aber für die Wissenschaft bedarf sie jener Reife, zu der sie meist erst mit dem Tod des Autors, dem tatsächlichen und nicht metonymischen, in der 'absoluten Singularität' , gelangt. Man könnte glauben, daß der Autor erst mit dem Tod selbst in die Zeit seiner Sprache fällt. Das Zeitgenössische scheint immer vehementer - nicht zuletzt durch die medientechnischen Generationen von beliebig verfügbaren Zeitzitaten - zum Paradigma 'gegenwärtiger' Kritik zu avancieren. Daß wir alle Genossen der Zeit sind, lautet banal, das Zeitgenössische suggeriert eine Gemeinschaft, die einer Zeit unterläge, die eine Zeit teilen würde. Zugleich zu sein, gleichzeitig, simultan:
Tout se passe comme si nous cherchion 'midi ä quatorze heures', et comme si nousvoulions montrer que nous sommes voues ä cela, et meme doues pour traquerl'impossible.
      Beim Zeitgenössischen, einem der zentralen Fantasmata der Baudelai-reschen Moderne, geht es um die unmögliche Simultaneität von zwei Zeiten, zwei Ereignissen, sie können nur im Atopischen oder Utopischen aufgehoben werden. Die "qualite essentielle de present" verrückt das Werk zum Leseakt hin, für den das Zeitgenössische im Buch unweigerlich auf einen Ursprung vor der Sprache verweist, auf einen Verlust also.
      Als Francois Wahl 1987 von Barthes hinterlassene Tagebuchaufzeichnungen veröffentlichte, hielt er es für notwendig, das posthume Erscheinen der Schriften begründen zu müssen. Die Zusammenführung der Texte seidurch den "effort fait par l'ecriture pour se saisir de l'immediat" gerechtfertigt. Das Buch heißt Incidents; der Titel verweist auf kleine, fast unmerkliche Bewegungen, die Barthes um sich herum und in sich spürte und in gebrochenem Rhythmus seinem Tagebuch überantwortete. Bereits in seiner Autobiographie sprach er von einem solchen Vorhaben:
Incidents (mini-textes, plis, haikus, notations, jeux de sens, tout ce qui tombe,comme une feuille.^
Diese Bewegungen sind Berührungen, wie ein in der Luft tänzelndes Blatt, das irgendwann den Boden berühren wird.
      Der französische Autor, Photokritiker und Photograph, Herve Guibert, starb nach der Einnahme von Digitaline im Alter von 36 Jahren am 27. Dezember 1991 an der Immunschwächekrankheit AIDS. Kritik als Nekrolog? Seit der Verabschiedung des Autors aus dem Text tel quel in den 60er Jahren und der Besinnung auf die radikale Interiorität von Sprache - kein Umschlagen von einer inneren zu einer äußeren Realität, wie Jauss es noch wollte - können wohl Texte ihre eigene Trauer und Verzweiflung bedeuten, nicht aber wird die Trauer um Autoren je von Relevanz für den Text sein können. Wie lesen wir aber, wenn das Buch fortwährend die Zeitgenossenschaft mit seinem Autor zu bezeugen scheint, wir wohl mit dem Einband und den Lettern den fertigen Satz vor Augen halten, das Geschriebene aber immer aufs Neue eben den Tod des Schreibenden fortschreibt, ohne ihn je aussprechen zu können? Aber mit jedem Zug des Schreibens versucht der Satz an jene 'enonciation foreclose et impossible' zu gelangen, die in der Signifikantenkette "Je suis mort" liegt. "La mise en abime de mon livre se reforme sur moi", heißt es in A l'ami qui ne m'a pas sauve la vie auf der letzten Seite, und:
Je suis dans la merde. Jusqu'oü souhaites tu me voir sombrer? Pends toi Bill! Mesmuscles on fondu. J'ai enfin retrouve mes jambes et mes bras d'enfant.
      Herve Guivert hat zu Lebzeiten 18 Bücher veröffentlicht, drei Wochen nach seinem Tod, am 23. Januar 1992, erschienen zwei Bücher, die er wie die vorangegangenen roman nannte: L'homme au chapeau rouge und Cytomegalovirus . Seit 1990 sind ferner während seiner Krankheit erschienen: A l'ami qui ne m'a pas sauve la vie , Le protocole compassionel
und Mon valet et moi . Der erste Roman ist in Folge des Aids-Renommees seines Autors bei Rowohlt erschienen, der zweite kürzlich ebenfalls unter dem irregeführten Titel: Mitleidsprotokoll. Der Titel verfehlt selbstverständlich das Original vollkommen: Le protocole ist eine Mitschrift, ihm fällt die Aufgabe zu, die Authentizität des im Schreiben Vergangenen oder des sich Zutragenden als Dokument, als Abschrift, zu bezeugen - Protokoll, Stenogramm, Photographie, - oder in der weiteren Bedeutung, einem protokollarischen Gesetz zu unterwerfen, einer Ordnung, der zu entsprechen wäre, ein Rand, der nicht zu überschreiten ist. Das Wort compassionnel aber bedeutet über das Mitfühlen hinaus - das Leiden des Autors an der Aufgabe der Schrift - über dieses Leiden hinaus ist compassionnel im Sinne des Homonyms compas zu verstehen, als Stechzirkel -avoir le compas dans l'oeil, ein gutes Augenmaß haben und compasser bedeutet dann, einen Diskurs auszurichten - "compasser son langage, son discours, regier avec exactitude", ein discours compasse ist eine übertriebene Rede, während le compassement die Eingrenzung des Diskurses bedeutet, gleichsam seine Einräumung*
Seit 1987 wußte Guibert um seine Krankheit. Seine Schriften lassen sich vage in den Intertext von Bataille, Klossowski, Barthes, Genet, Savitz-kaya oder Gyotat einfügen: er beschreibt den Körper, sucht den Ausdruck unmittelbarer Ãobertragung des Geschlechts in die Medien Schrift, Photographie, Film und Video, seine Bücher handeln von Gegenwärtigkeit und Tod, von dem kleinen Tod, 'la petite mort', und von der 'micro-experience de la mort', wie Barthes seinen Eindruck angesichts seiner photographischen Reproduktion, seiner photographischen Ent-fernung, beschreibt. Die Photographie ist die Ex-position des Gegenwärtigen, das nur als ein "present passe" Eingang in die Ãoberlieferung findet. Die Photographie, in der Tat, inventarisiert die Sterblichkeit . Sich angesichts der medientechnischen Reproduktion ausgeklammert zu sehen, von sich, von den anderen, wie Roland Barthes schrieb, der gegenüber der Kamera weder Subjekt noch Objekt ist, sondern Subjekt, das zum Objekt gefriert.

     
Lorsque je me decouvre sur le produit de cette Operation, ce que je vois, c'est que je suis devenu Tout-Image, c'est-ä-dire la Mort en personne; les autres - l'Autre - me deproprient de moi-meme, ils fönt de moi, avec ferocite, un objet [...] la Mort est l'ei'dos de cette Photo-lä.

     
   Die photographische Reproduktion bedingt die allegorische Arretierung des zeitlichen Moments in der Bewegung. Das entwirklichende Moment einerseits, anderseits den Prozeß, das Werden dieser Entrealisie-rung, ins Bild zu setzen, diese das Medium der Photographie auszeichnende, dialektische Eigenart ist es, der die Aufmerksamkeit seit Kracauer, Benjamin und anderen gilt. Der Tod ist das Noema der Photographie, Guibert jagte ihm gleichsam in der Schrift nach, wie Barthes in La chambre claire und dem Fragment d'un discours amoureux oder auch in den bereits erwähnten Tagebuchaufzeichnungen Incidents. Guiberts Romane sind ein Nachdenken über die medialen Ãobertragungsformen des Körpers, der Reproduktion, der Wieder-Gabe.
      Sein Körper ist ein 'Pheno-texte', sichtbar steht der Text anagrammatisch für den Körper, den der Text aber nicht begreifen, faßbar, fassen kann. "Mon corps, soit sous l'effet de la jouissance, soit sous l'effet de la douleur, est mis dans un etat de theatralite, de paroxysme, qu'il me plairait de reproduire, de quelque facon que ce soit: photo, film, bande-son.", schreibt Guibert 1977 in La mort propagande, und weiter: "Mon corps est un laboratoire que j'offre en exhibition, l'unique acteur, l'unique instrument de mes delires organiques. Partitions sur tissus de chair, de folie, de douleur. Observer comment il fonctionne, recueillir ses prestations" und schließlich:
A l'issue de cette serie d'expressions, l'ultime travestissement, l'ultime maquillage, la mort. On la bäillonne, on la censure, on tente de la noyer dans le d£sinfectant, de 1'iJtouffer dans la glace. Moi je veux lui laisser e16ver sa voix puissante et qu'elle chante, diva, ä travers mon corps. Ce sera ma seule partenaire, je serai son inter-prete Me donner la mort sur un scene, devant des cameras. Donner ce spectacle extreme, excessif de mon corps, dans ma mort.

     
   Es geht um die tonale und bildnerische, medientechnische Produktion, um die Aufnahme des Körpers innen und aussen, um das letzte Moment {Hoc est enim corpus meuM) der Entäußerung. Körpertext, Körperlust - ich durchwühle den Körper des anderen, schreibt Barthes einmal im Fragment d'un discours amoureux, als wollte ich sehen, was inihm ist, als wäre der mechanische Grund meiner Lust in dem anderen Körper, und: ""13. Diese Reproduktion des Körpers, wie Guibert sie beinahe durchgängig in seinen Schriften verfolgt, versucht die Zeit im Extremen, im Paroxymus, im Orgasmus, in der Perepetie des Todes zu zeigen, das Unmögliche darzustellen, das Unwiederholbare.
      Der Tod wird schon eingetreten sein. Im Protocole compassionnel beschreibt Guibert einen Film über seinen Tod, eine 'Auftragsarbeit des privaten Fernsehsenders TF1. Ein Jahr lang begleitete er sich mit einem Panasonic Camcorder. Zwölf Stunden Video schließlich wurden zu einem einstündigen Film zusammengeschnitten. Die nach Guiberts Tod angekündigte Ausstrahlung des Films bewirkte einen Skandal, er wurde abgesetzt und dann doch am 30. Januar 1992 gesendet. Die medientechnische, filmische, videographische Reproduktion setzt sich metonymisch an die Stelle seines kranken Körpers. AIDS:
Et c'est vrai que je decouvrais quelque chose de suave et d'ebloui dans son atrocitö, c'ötait certes une maladie inexorable, mais eile n'etait pas foudroyante, c'etait une maladie ä paliers, un tres long escalier qui menait aussurement ä la mort mais dont chaque marche präsentait un apprentissage sans pareil, c'6tait une maladie qui donnait le temps de mourir, et qui donnait ä la mort le temps de vivre, le temps de decouvrir le temps et de decouvrir enfin la vie, c'etait en quelque sort une geniale invention moderne que nous avaient transmis ces singes verts d'Afrique.

     
   Die Medien der Reproduktion sind Schrift, Photographie, Tonträger, Film und Video. Von welcher Art ist diese Reproduktion? Ich erwähne fünf eher geläufige Begriffe der Reproduktion: Die Akkumulation des Gleichen im kapitalistischen Produktionsprozeß; die physische Existenz von Individuen, ihre Unteilbarkeit und ihre genealogische Fortsetzung als Gattung; die Reproduktion im Sinne Benjamins als die medientechnischen Entfernung des Originals und dessen massenhaften Verfügbarmachung durch die Reproduktion ; Reproduktion im Sinne Batailles als Transgression des Verbotenen - Terotisme met l'etre en question' - und schließlich die Reproduktion als Wieder-Gabe des Körpers als das Andere im Selbst, sehen, was ich nicht sehen kann: das Medium kann hier als ein Medium der Gabe, du dort, begriffen werden.

     
  
Die Reproduktion der Ware, die Signatur des Singulären als Fälschung beschreibt Guibert in seinem roman cocasse Mon valet et moi. Der Diener - metonymische Verdoppelung des Herren, des Erzählers - verkauft Gemälde von Toulouse-Lautrec, Robert und Greuze für 5000 Francs auf dem Flohmarkt, indem er die Originale als Kopien ausgibt. Der letzte - an Perecs Un cabinet d'amateur erinnernde - Roman, Le chapeau rouge, handelt von der Fälschermafia in der internationalen Kunstszene; die Erzählung gipfelt darin, daß der Maler schließlich die Fälschungen der eigenen Werke signiert, um sie als Kopien zu authentifizieren.

     
   Für den Diskurs der Homosexualität ist der zweite Begriff der Reproduktion natürlich von wesentlicher Natur. Die Homosexualität ist von diesem utilitären Bereich der Fortsetzung der Gattung befreit. Der Körper geht nicht über sich hinaus, dem Tod, kleinen Tod, wohnt nicht der Gedanke des Fort-Lebens inne. Eindringlicher als Guibert es vermochte, hatte Jean Genet das Paradigma des Homosexualität, der unfruchtbaren Monadologiesierung, in seinen Fragments beschrieben: "Ce qui nous damne et damne toute passion - c'est moins nos amours infecondes que le principe sterile qui fertilise de neant nos actes, le moindre de nos gestes." Das erotische System der Homosexualität wird nicht in der Verbindung, sondern in der Isolierung und Fragmentierung gesehen: "Accumulant, ä mesure qu'elle selabore, des gestes et des reflexions perverties par les notions de rupture, de fini, de discontinu, eile ne construit que d'apparents tombeau." Oder wie Guibert in einem Tagebuch über zwei Liebhaber schreibt: "Des revenants [...] qui injustement eclipsent les presents" - eine Familie von Wiedergängern und Geistern. Diese Isolierung, diese Ruinierung, könnte ein wesentliches Moment der Homosexualität bestimmen, verbunden mit dem unabwendbaren Gefühl der Schuld . Joseph Brodsky hat die Homosexualität als eine hypertrophe Introspektion beschrieben, geprägt von dem Gefühl eines Verlustes des Gegenwärtigen: "Homsexuality is a form of sensual Maximalism."

Sicherlich kann es sich nicht darum handeln, die Eigenart einer homosexuellen Literatur auszumachen. Es kann natürlich nicht Aufgabe der Literaturkritik sein, wie es Hubert Fichte ausgedrückt hat, "biologistische Kriterien zu kanonisieren, die von den Biologen jede Saison ausgewechselt werden"22. Eher müßte es sich um ein Projekt über Le Disours de l'homosexualite handeln, das Barthes in seiner Autobiographie in Aussicht gestellt hatte. Nicht der Biologismus Homosexualität, sondern, die Entblößung als Entäußerung, der Exhibitionismus und das Obszöne als Entgrenzung gesellschaftlicher Normen, ist für die Schrift von Bedeutung: "Le geste qui brise la loi a un pouvoir d'ecriture." Dennoch ist der Ausschluß aus dem Zyklus der Reproduktion wesentlich für die Schrift. Es ist kein Geheimnis, daß gerade in der Literatur von Homosexuellen der Gedanke des Buches, des absoluten Buches, des Coup de des, ein bedeutendes Leitmotiv darstellt: Gide, Genet, Jouhandeau, White, Guibert. Das Absolute in der Schrift entspräche dem Gedanken der Erlösung von der Schuld: "L'ecriture est la seule surface vivante sur quoi aimer sans violer." Genet, dessen Buch La mort oder L'enfer heißen sollte, spricht von dem "Poeme [que] je vivrai, me regardant mourir" und beschreibt eben die Vision einer Schrift der Unmittelbarkeit:
Mon aventure sera funebre en ceci que tout acte est resolument vecu et pense' non pour qu'il engendre l'acte qui vient, mais afin qu'il se r£flechisse en lui-meme, eclate, explose et obtienne de soi sa definition la plus rigoureuse, jusqu'ä son aneantissement.

     
   Die Reproduktion im Sinne einer Reflexion, des Widerhallens und des Widerscheins, die Reproduktion verstanden also als eine Markierung des Todesbildes.

     
Benjamins Begriff der Reproduktion ist bekannt, eine wichtige Ergänzung hat Samuel Weber eingeführt: das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit erwiese sich als authentisch nur durch die Markierung der Differenz in der Reproduktion, als Markierung des

'Verlustes'.
      Das Moment des Einmaligen, Singulären, das in jeder Reproduktion oder Wiederholung, in jeder Mimesis, verlorengeht, tritt dennoch erst als dieser Verlust hervor.2**
Guiberts Rekurs auf Medien der technischen Reproduktion geschieht, um mit ihnen die Differenz der Aufzeichnung zum eigenen Körper zu markieren, aber das Aufgezeichnete gilt es, als das Singulare des Körpers zu fassen, das im Akt des photographischen Verschliessens als Verlust in das Bild eingeht.
      Batailles Begriff der Reproduktion gehört zweiffellos zu den tragendenfür die zeitgenössische Literatur. In der Zusammenführung von sexueller
Reproduktion und Tod, der Hervorhebung des Interdit, des Verbots, faßt
Bataille den sexuellen Akt als einen zeitlichen: "L'interdit de la vie sexuelleest determine par le temps, le temps de travail." Der sexuelle Akt als eine
Antizipation des Todes wird von Bataille eben als "ce luxed'aneantissement qui frappe l'imagination" gefaßt, der in die Zeit einbricht.
      Plutöt que d'etre est d'attendre d'etre , la mort annonceramon retour ä la purulence de la vie.3"
Guibert schließlich begreift das mediale Moment der Reproduktion als ein Supplement, es fügt sich dem Körper hinzu und wirft diesen in die Dichotomie von Fülle und Verlust: "ecrire son sentiment, le coucher sur papier, c'est peut-etre le descendre, l'achever."

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Unmittelbarkeit  Reproduktion.  Skizze  Herve  Guibert    





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