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Vervielfältigung des Ich



Im 'Tractat vom Steppenwolf" verwahrt sich Hesse gegen die Unterstellung, daß der Gegensatz von Mensch und Wolf den Charakter seines Helden erschöpfend wiedergebe. Ginge es um den Gegensatz von Geist und Animalität, so läge eine moralische Lösung des Problems nahe. Faßt man dagegen das Verhältnis zwischen Mensch und Tier=Doppel» ganger als ein naturmagisches auf, so bleibt die Moral aus dem Spiel.



      Auch im 'Zauberberg" wird die Antithese zwischen Fata» lismus der Krankheit und Geistmoral Settembrinis nicht für ausreichend erachtet, um das Problem Hans Castorps zu lösen. Ebensowenig läßt sich die komplexe Natur Harry Hallers auf ein moralisches Entweder=Oder reduzieren. Das= selbe gilt mutatis mutandis für das Verhältnis zwischen Franz Biberkopf und Reinhold in Döblins 'Berlin Alexan» derplatz".
      Das Dilemma besteht vielmehr darin, daß das Ich nebst vielen anderen Möglichkeiten, die es in sich birgt, auch sei' ner extremen Polarität innegeworden ist, daß es sich aber nicht mehr für befugt hält, zwischen den Extremen eine moralische Entscheidung zu treffen. Denn nur wenn es sich als Totalität begreift, kann es die ehemalige Einheit schau end und erleidend in sich abspiegeln. Da sich die Einheit nirgends mehr real bezeugt — es sei denn im dichterischen Bewußtsein — ist ihre Darstellung nur noch in utopischer Form möglich. Diese Utopie bezeichnet jedoch keinen Wunsch= oder Alptraum von künftigen Zuständen; sie ist vielmehr Darstellung des aktuellen Weltbildes, das um seine Einheit und Geschlossenheit gekommen ist und nur noch an einem imaginären Ort zu einer — freilich provi= sorischen — Einheit gebracht werden kann. Davos und das Sanatorium im 'Zauberberg" werden zwar als reale ört= lichkeiten geschildert; aber ihr Realismus ist sinnbildlich wie der 'Hofroman" 'Königliche Hoheit". Auch der 'Zau» berberg" — der Titel verrät es — ist in Wahrheit ein 'alle= gorisches Märchen". Die Reise, die Hans Castorp in den sieben Jahren seines Aufenthalts zurücklegt, führt ins Un= wirkliche oder Utopische. Der Leser kann sich davon über= zeugen, wenn er Anfang und Ende des Romans miteinander vergleicht.

     
Im 'Steppenwolf" ist das 'magische Theater" der imagi« näre Ort, der uns das Innenpanorama einer Individualität in allen ihren Perspektiven schauen läßt.
     

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