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Hans Carossa



Die gegenbildliche Ordnung, die als Geschichte, Religion und Bildung beschworen wird, ist in der unauflöslichen Ein= heit ihrer Elemente vorwiegend poetische Ordnung. Das gilt auch für einen Dichter wie Hans Carossa, dessen An= liegen zu leicht genommen wird, wenn man ihn schlecht» weg als Nachfahren Goethes bezeichnet. Die harmonische Verschmelzung von katholischem Bekenntnis, Goethe'schem Pantheismus, wissenschaftlicher Forschung und mythischer Ahndung ist vor allem der Bindekraft seiner dichterischen Sprache zu danken. Der Umkreis, den er in seinem Werk gestaltet, bleibt immer in Sichtweite persönlichen Erlebens. 'Die Schicksale Doktor Bürgers" und 'Das Rumänische Tagebuch" machen am deutlichsten die Zwiespälte sichtbar, die er in sich auszutragen hatte. Während bei Goethe Wissenschaft und Dichtung noch keinen ausschließenden Gegensatz bilden, sondern einander vielfach befruchten, scheiden sich bei Carossa ihre Bereiche wie Tag und Nacht, Heilung findet ihr Gegenbild im Opfer, diagnostische Un= terscheidung ihr Gegenbild in magischer Natureinheit. Der junge Carossa spielt den Zauberer wie Hesse. Er wandert den Erkenntnisweg bis zum Ursprung zurück und trachtet, das gesonderte Wissen noch einmal als Einheit zu begrei= fen. Die gehäuften Leiden des Krieges schärfen seine Wit= terung für Schicksal. Der Arztberuf läßt ihn unterhalb der Tageswirklichkeit mit ihrer 'Praxis" verschlungene Lebens» linien und Muster sehen, die sich nur ahnender Schau er= schließen. Hat es doch der Arzt mit dem Geheimniszustand der Krankheit zu tun, die als leibseelische Erscheinung in die Untergründe des Mythos hinabweist. Das Urbild einer bestimmten Krankheit steht jenseits der Individualität. Die Heimsuchung des Einzelnen durch die Krankheit legt den Schicksalsgedanken nahe. Carossa tastet in seinem Werk immer wieder nach jener Verbindlichkeit des Mythos und der Magie, die erst das obere Reich zu voller Einheit er= ganzen. 'Der Arzt Gion" ist ein Versuch, aus Schicksals»linien, die zunächst beliebig herausgegriffen erscheinen, die Figur eines Mikrokosmos zu bilden. Einen ähnlichen Ver= such unternahm der Bremer Dichter Friedo Lampe in sei= nem Roman 'Am Rande der Nacht". Ein solcher Versuch gelingt jedoch immer nur in dem Maße, wie die Gestalten Eigenwert behalten und nicht in sinnbildliche Arabesken aufgelöst werden. Ein Buch wie 'Geheimnisse des reifen Lebens" macht die subjektive Anfälligkeit dieser Art von Dichtung sichtbar.




     
Am stärksten ist Carossa in jenen Büchern, wo er dem Zweierlei von Bewußt und Unbewußt, von geistiger und mythischer Ordnung, von Erkenntnis und Schicksalleiden in der Erinnerung an das eigene Leben nachtastet und medi= tierend das Verworrene und Zufällige in die poetische Harmonie rettet.
      Ãoberhaupt wenden sich in diesem Zeitraum die Dichter dem Kindheitserlebnis zu und finden in ihren Erinnerungen eine Welt, die märchen» und sinnbildhaft ist und die sie oft auch der großen Welt als mahnendes Urbild entgegensetzen. So schrieb Martin Beheim=Schwarzbach seinen sagenhaften Roman 'Die Michaelskinder" und berichtete launig ver= spönnen über seine Kindheit in dem Buch 'Die Insel Ma= tupi". So schrieb Ernst Wiechert die 'Hirtennovelle" und den 'Kinderkreuzzug" und beschwor die ostpreußische Heimat in seinem vielleicht schönsten Buch 'Wälder und Menschen". So schrieb Paul Alverdes die dichterisch voll= endete Erzählung 'Reinhold" und Isolde Kurz die dichteri= sehe Verklärung ihrer Kindheit in dem Roman 'Vanadis".

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