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Die Utopie des Einzelgängers



Es ist das Dilemma zwischen Einzelgänger und Kollektiv, deren Wege sich an der Utopie scheiden. Die Utopie des Einzelgängers entspringt dem Glauben an die Selbster= mächtigung des Geistes. Von Plato über Thomas Morus bis zum Gesellschaftsvertrag von Rousseau wird dem Geist als autonomem Gesetzgeber gehuldigt. Die Utopie des Radi* kalen beruht auf der Entmachtung des Einzelnen zu Gun= sten des Kollektivs. Die beiden Utopien lassen sich so lange zur Deckung bringen, als eine reformbedürftige Gesell* schaft vorhanden ist. Ihre Gegensätze neutralisieren sich an einem passiven Medium. Fällt dieses Medium weg, so treten die Gegensätze mit voller Schärfe hervor. Gide macht in Rußland die Entdeckung, daß der praktizierte Kom= munismus vom totalitären Faschismus nicht sehr verschie= den ist. Das heißt: angesichts des Kollektivs vollzog er eine Rückverwandlung in den Einzelgänger. Aber auch auf die Literatur der Emigration übte der Fortfall des aktuellen Spannungsfeldes seine Wirkung. Die An= schauungen kristallisierten ihre Elemente aus. Aktuelle Ge= gensätze wurden nicht selten in geschichtliche Gegensätze transponiert. An Stelle aktiver Vorstöße trat die aufs neue verbindliche Macht der Tradition.



      Verfolgt man an Hand der verschiedenen Fassungen, wie sich unter der Feder Hermann Brochs der Aufsatz über Hofmannsthal und der Roman 'Der Versucher" ausform= ten, so stellt man eine fortschreitende Rückverlegung des Aktuellen ins Geschichtliche oder menschheitlich Symbo= lische fest.
      Dasselbe gilt für Joseph Roth, der sich in der letzten Phase seines Schaffens dem allegorischen Märchen und der Le= gende zuwandte. Heinrich Mann schrieb seinen Roman über den französischen Volkskönig Heinrich

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V.

Sein Bruder Tho= mas setzte seiner unauslöschlichen Heimatliebe das schönste Denkmal in seinem Goetheroman 'Lotte in Weimar". Bruno Frank, der in seiner 'Politischen Novelle" die Schatten des deutsch=französischen Bruderkrieges beschworen hatte und dessen Roman 'Trenk" zu den besten historischen Darstellungen der zwanziger Jahre gehört, wandte sich von der preußischen Geschichte ab und schuf in der Emigration ein Lebensbild des Cervantes.

     
Hermann Kesten, der wider Gesinnungsschwäche und ge» fühligen Schwalm mit scharfer Feder zu Felde gezogen war, schrieb in der Emigration den historischen Roman 'Ferdi« nand und Isabella", den biographischen Roman 'Ich der König" über Philipp

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von Spanien. Der Bürgerkrieg in Spanien befreite seine ursprüngliche Ader, und er schrieb die prachtvolle Erzählung 'Die Kinder von Gernica" — ein flammendes Bekenntnis zu Humanität und geistiger Moral. Doch im allgemeinen gilt, daß auch in der Dichtung der Emigranten die revolutionäre Phase mit dem Jahr 1933 abgeschlossen ist.
     

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