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Die Elite der 'Morgenlandfahrer



Hermann Hesse feiert in seiner Erzählung 'Die Morgen» landfahrt" den Elitegedanken in einem dichterischen Sym» bol. Romantische Elemente sind unverkennbar. Denken wir an die 'Kronenwächter" von Arnim oder an die 'Sera» pionsbrüder" von E. T. A. Hoff mann! Wichtig sind in un= serem Zusammenhang die Unterschiede zur romantischen Konzeption. Angelpunkt der Erzählung ist der 'Verrat" des Helden. Worin besteht sein 'Verrat"? Er besteht darin, daß er auf eigene Faust Abenteuer sucht, anstatt dem Orden Gefolgschaft zu leisten. Rücksichts» loser Eigenwille wird zum Verrat am Geist, der ein Ganzes ist und dienenden Gehorsam verlangt. Der franziskanische Brudergeist, der die Welt als geschwisterliche Einheit um= faßt, verkörpert sich in dem Ordensmeister; doch enthüllt sich der Sinn nur dem, der abtrünnig geworden ist und durch 'Verrat" — das heißt durch Selbstwerdung — in den höheren Bund heimfindet.



      Hesse macht in seiner Erzählung deutlich, daß 'Verrat" die Vorstufe höherer Erkenntnis ist. Tradition kann nicht einfach übernommen — sie muß wiedergewonnen, erobert werden. Der Lösung von dem Gewohnten entspricht die Bindung an das Wiedererkannte. Dazwischen aber liegt das Erwachen des Menschen zu sich selbst, das zugleich Auf* lehnung wider das Herkommen, Verrat an der Ursprung» liehen Glaubensgemeinschaft ist.
      So betrachtet ist der Einzelgänger Verräter und Ãœberwinder in einem. Er vollzieht den Bruch mit der wahlverwandten Gemeinschaft — mag das seine Generation, seine heimat» liehe Umwelt oder seine Bekenntnisgemeinde sein — doch ist er nicht Rebell um der Rebellion willen, sondern er strebt nach Selbstverwirklichung. Ãœber sein persönliches Schicksal hinaus liegt jene dritte Stufe, die nur der Mensch erreicht, der sein eigenwilliges Selbst überwindet und statt des Eigennamens den Namen seiner höheren Bestimmung empfängt. Von dieser höheren Bestimmung aus gesehen, die sich bei Hesse im 'Bund der Oberen", in der 'kasta= lischen Behörde", in dem 'Traktat vom Steppenwolf", aber früher schon in der Führergestalt des Demian, in Klingsor und dem erleuchteten Buddha darstellt, ist das Leben des einzelnen nicht Willkür, sondern Dienst. Nur wer seinem Ich abstirbt, wer — nachdem er sich selber gefunden — Selbstverwirklichung in Selbsthingabe ver» wandelt, empfängt die Würde einer höheren Weihe. Bezeichnend für Hesse ist diese Polarität von 'amor fati" und franziskanischer Opfergesinnung. Die beiden Haltun= gen treten in seinem Werk nicht als Entweder=Oder ausein= ander, sondern bedingen sich gegenseitig und stellen die Pole einer ursprünglichen Einheit dar. Der Brückenschlag zwischen östlicher Weisheit und westlicher Persönlichkeits» gestaltung, der in seinem Werk vollzogen wird, ist nicht bloß einzelgängerische Leistung, sondern trägt derselben Tendenz Rechnung, die sich in der Literatur so mannigfach bekundet.
     

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