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Die Ballade



Hier muß auch der Ballade gedacht werden, die in diesem Zeitraum eine überraschende Wiedergeburt erfährt. Daß abgesehen von Börries von Münchhausen in der Hauptsache Frauen — Lulu von Strauß und Tomey, Agnes Mie-gel, Ina Seidel — ihrer Form gerecht wurden, ist insofern bezeichnend, als die Ballade dieses Zeitraums ihren Quellpunkt in einer tieferen Schicht des Bewußtseins findet und die ehemalige Kollektivperson aus dem eigenen Unbewußten erstellt. Auch die Ballade ist in Zusammenhang mit jener Verlagerung des dichterischen Bewußtseins aus einem ungedeckten in einen gedeckten Wirklichkeitsbereich zu verstehen. Im Gegensatz zu Balladen — etwa der Droste Hülshoff —, in denen zwischen Realität und Vision scharf unterschieden wird, — man denke an 'Die Mergelgrube"! -_ wird die Ballade jetzt in der Weise exzentrisch, daß sie unmittelbar aus der Traumschau aufsteigt. Ihrer Entrückung ins Innere entspricht die Distanzierung im Äußeren, die der deutende Stab des Moritatensängers anzeigt. In den 'Neuen Gedichten" von Ina Seidel ist der Ãœbergang zwischen Ballade und visionärer Hymne fließend. Der Gestaltenkreis, der beschworen wird, steht nicht mehr in äußerer Verbindlichkeit zu Sage, geschichtlicher Anekdote, örtlichkeit usw., sondern bevölkert einen immanenten Seelenraum. Bei Oskar Loerke finden wir — zumindest in seinen frühen Gedichten — ähnlich balladeske Visionen, die sich von jeder äußeren Verbindlichkeit gelöst haben und zu immanenten Wahrbildern geworden sind. Die Polarität von Immanenz und Vergegenständlichung ist das immer wiederkehrende Symptom dieses Zeitraums. Vergleichen wir die Gedichte des Magister ludi Josef Knecht mit dem vergegenständlichten Symbol des Glasperlenspiels, so wird uns dieses Wechselverhältnis ganz deutlich. Auf der einen Seite das immanente Erlebnis einer Toccata von Bach, das Erlebnis der Harmonie bei der Lektüre der 'Summa contra gentiles" — auf der anderen Seite die objektive Spielpraxis, die mit Meditationsübungen abwechselt.




     

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