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Luise Rinser



Eine starke Erzählerin ist Luise Rinser. Daß ihre Bücher nicht immer gleichmäßig geraten, liegt an der ungleich» mäßigen Distanz der Dichterin zum Stoff. Ihre besten Er» Zählungen — so die Novelle 'Die gläsernen Ringe" und 'Jan Lobel aus Warschau" — vermitteln uns das Gefühl, daß sie genau an jener Grenze entstanden sind, wo persön» lieh Erlebtes als Bild gesehen wird. Bei den schwächeren haben wir das Gefühl, daß die Dichterin absichtsvolle Mit= tel gebraucht, um nicht wirklich gesehene Dinge künst» lerisch zu bewältigen. Zwar ist Arbeit an einem Vorwurf unerläßlich, doch arbeitet der Dichter vergebens, wenn die persönliche Distanz zu einem Stoff allzu weit, das heißt überspannt wird. Denn nur die festgehaltene Vision er» laubt eine genaue Abwägung der darstellerischen Mittel. So entfaltet sich in dem Roman 'Mitte des Lebens" die ganze Fülle erzählerischer Mimik, über die Luise Rinser gebietet, während wir in 'Daniela" die Mühsal spüren, mit der an einer prinzipiellen Handlung festgehalten wird. Luise Rinser ist eine echte Rhapsodin der Kriegs» und Nachkriegszeit. Rhapsodische Kunst gedeiht nur in einem sozialen Klima. Sie ist Stimme des Volks, die im Dichter zu Worte kommen will. Sie ist bewegt von den Nöten, Ängsten und Hoffnungen einer bedrohten Jugend. Das Kollektivempfinden, dem sie entwächst, läßt religiöse, so» ziale und humanitäre Impulse verschmelzen. Je mehr sich in der Folge die Bereiche scheiden, umso mehr verliert das rhapsodische Talent an Boden. Die Themen drängen sich nicht mehr unmittelbar auf, sondern müssen in einer mittelbaren Distanz gesucht werden. Die Tenden= zen vereinzeln sich und stellen den Einzelnen vor die Wahl. Die Distanz zum künstlerischen Gegenstand wächst.
     

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