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Erhart Kästner



Der unfeste Zustand der modernen Gesellschaft bringt es mit sich, daß sich der Einzelne aus einer Art Heimwehgefühl in frühere Ordnungen einleben kann. Wider die romantische Selbsttäuschung jedoch, irgendeine dieser Ord-nungen könnte auch wieder die unsere sein, falls es uns gelänge, den geschichtlichen Augenblick zu vergessen, legt der geschärfte Tatsachensinn Verwahrung ein. Erhart Kästner, um den sich mit den Jahren eine anhängliche Lesergemeinde gesammelt hat, verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt dieser Mischung aus romantischer Fernensehn« sucht und sicherer Erkenntnis dessen, was unser gegenwärtiges Teil ist. Vergleicht man seine Bücher im Fort" schritt der Jahre, so fällt auf, wie seine Art, Erscheinungen zu betrachten, sich immer mehr von spekulativen Elementen reinigt. Sein erstes Buch 'Griechenland" erschien mitten im Kriege. Ãober der begeistert geschauten Landschaft hing noch etwas wie ein homerischer Schleier. In seinem jüngsten Buch 'Die Stundentrommel" vom heiligen Berge Athos gibt er der Erkenntnis Ausdruck, daß die Griechen zur Antike ganz anders stehen, als dem deutschen Zögling klassischer Bildung scheinen will. Hat doch schon Hölderlin in seinem 'Hyperion" übersehen, daß der griechische Freiheitskampf wider die Türken nicht im Namen der antiken Götter, sondern im Namen Christi geführt wurde! Es zeugt von Kästners innerer Aufrichtigkeit, daß er im Zweifelsfalle die Spekulation fahren läßt und dem Phänomen recht gibt. Sein 'Zeltbuch von Tumilad" war der erste Versuch einer geistigen Auseinandersetzung mit der Nachkriegssituation. Nicht auf der 'tabula rasa", sondern angesichts einer jäh unterbrochenen Tradition, die wie ein Erdabstich freilag. Mit intellektuellem Besteck unternahm Jürgen Rausch einen ähnlichen Versuch in seinem Kriegstagebuch 'In einer Stunde wie dieser". Auch 'Woina Woina" von Curt Hohoff ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Alle drei Verfasser gehören jener Zwischengeneration an, die nicht mit der Radikalität der Jüngsten eine völlig neue Situation konstruiert, sondern die vergleicht, mißt, prüft und die verlorenen Zusammenhänge wenigstens in Gedanken wiederzugewinnen sucht. Die Problematik solchen Bemühens versteht sich von selber.



     

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