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Derrida: dekonstruktion, philosophie und literaturtheorie

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Babel oder die unmögliche Ãobersetzung: Von Benjamin zu Derrida und de Man



Walter Benjamin und Jacques Derrida stimmen in der Ansicht überein, daß, wie Benjamin es ausdrückt, die Sprache »nicht ein verabredetes System von Zeichen ist«1", und die Signifikanten folglich nicht als konventionelle Markierungen universell geltender Begriffe im Sinne von Saussure aufzufassen sind. Benjamins Sprach- und Ãobersetzungstheorie liegt der Gedanke zugrunde, daß das mimetische Prinzip für die Besonderheit der Sprachen ver-antwortlich ist und die »onomatopoetische Erklärungsweise« im Bereich der Sprachtheorie noch am ehesten in Frage kommt.



      Seine Sprachauffassung hebt wie die der Romantiker die Besonderheit, Nichtvertauschbarkeit des einzelnen Wortes hervor und ist nicht nur der rationalistischen, sondern auch der Hegeischen und hegelianischen Semiotik diametral entgegengesetzt. Hegel erscheint als Antipode Benjamins und Derridas, wenn er in seinen Vorlesungen über die Ã"sthetik von der Poesie sagt: »Der Geist wird so auf seinem eigenen Boden sich gegenständlich und hat das sprachliche Element nur als Mittel, teils der Mitteilung, teils der unmittelbaren Ã"ußerlichkeit, aus welcher er als aus einem bloßen Zeichen von Hause aus in sich zurückgegangen ist. Deshalb bleibt es auch für das eigentlich Poetische gleichgültig, ob ein Dichtwerk gelesen oder angehört wird, und es kann auch ohne wesentliche Verkümmerung seines Wertes in andere Sprachen übersetzt, aus gebundener in ungebundene Rede übertragen und somit in ganz andere Verhältnisse des Tönens gebracht werden.«1

   Dieses lange Zitat ist deshalb wichtig, weil es eine kontrastive Darstellung von Benjamins und Derridas Ãobersetzungstheorien ermöglicht. Benjamin bezieht sich zumindest indirekt auf Hegels »logozentristische« und grob vereinfachende Ausführungen, wenn er Humboldt kritisiert: »Humboldt übersieht selbstverständlich überall die magische Seite der Sprache. Ihn beschäftigt an ihr nur das Objektiv-Geistige im Hegeischen Sinne.« Die Ãoberbetonung dieses »Objektiv-Geistigen« hat zur Folge, daß die gesamte Problematik der Ãobersetzung auf die Inhaltsebene , die Ebene der Signifikate, verlagert wird und auch ein Gedicht Hölderlins oder Mallarmes »ohne wesentliche Verkümmerung seines Wertes in andere Sprachen übersetzt« werden kann. Sowohl Benjamin als auch Derrida würden diese Argumentation umkehren und behaupten, daß ein Gedicht Mallarmes schlicht unübersetzbar ist, weil für seine vieldeutigen Signifikanten in der Zielsprache des Ãobersetzers keine Ã"quivalente zu finden sind. Derrida würde hinzufügen, daß die Bedeutung dieser Signifikanten unentscheidbar ist und die Tätigkeit des Ãobersetzers daher aporetisch wird.
      Wie sehr Benjamin die Ausdrucksebene der Sprachen betont und die Inhaltsebene für sekundär hält, zeigt sein bekannter Essay »Die Aufgabe des Ãobersetzers«, in dem er gleich zu Beginn fragt: »Was aber außer der Mitteilung in einer Dichtung steht - und auch der schlechteste Ãobersetzer gibt zu, daß es das Wesentliche ist - gilt es nicht allgemein als das Unfaßbare, Geheimnisvolle, >Dichterische

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