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Teilhard de Chardin, Marie-Joseph Pierre - Leben und Biographie



Marie-Joseph Pierre Teilhard de Chardin ist der bekannteste Jesuitenpater des 20. Jahrhunderts. In seinen Schriften will er Naturwissenschaften und Theologie miteinanderversöhnen. Teilhard wuchs in katholischer Frömmigkeit auf und übernahm von seinem Vater das naturwissenschaftliche Interesse. 1899 trat er als Novize in den Jesuitenorden in Aix-sur-Mayenne ein. Nach mehrjähriger Lehrtätigkeit in Physik und Chemie in Ã"gypten empfing Teilhard 1911 die Priesterweihe. Er las das Buch Schöpferische Entwicklung von Henri -» Bergson, das ihn in seinem Denken nachhaltig beeinflusste. Im Ersten Weltkrieg arbeitete Teilhard als Sanitäter an der Front. Nach dem Krieg studierte er Geologie und Paläontologie, beendete 1922 seine Dissertation und wurde Präsident der Societe geo-logique de France. Zwischen 1923 und 1946 hielt er sich vorwiegend in China auf, wo er u.a. an seinem Hauptwerk Der Mensch im Kosmosarbeitete und durch seine Ausführungen zum fossilen »Pekingmenschen« als Paläontologe internationale Anerkennung fand. 1950 wurde Teilhard als Mitglied in die französische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Die letzten vier Jahre lebte er in New York. Aufgrund seiner »evolutionistischen« Thesen durften die theologischen Schriften Teilhards auf Anordnung des Vatikans Zeit seines Lebens nicht im Druck erscheinen.




      Der Mensch im Kosmos
In seinem Hauptwerk untersucht Marie-Joseph Pierre Teilhard de Chardin den Ursprung und die stammesgeschichtliche Entwicklung des Lebens und Denkens. Aus seinen Beobachtungen leitet er einen transzendenten Endpunkt der Evolution ab.
      Entstehung: Der Hauptteil des Buchs entstand bereits zwischen 1938 und 1940 in China und den USA. Eine Anfrage des Autors um Druckerlaubnis beim Vatikan blieb 1941 ohne Antwort. Auch sieben Jahre später, nach Umarbeitung und Ergänzung des Textes, wurde das kirchliche Imprimatur nicht erteilt, sodass die Schrift erst postum im Jahr 1955 erscheinen konnte. Inhalt: Der Autor stellt die Entwicklung des Universums in vier Stufen dar - 1. die Entstehung der Materie als Vorstufe des Lebens , 2. die Entstehung des Lebens aus der Materie , 3. die Entstehung des Denkens bzw. des Ich-Bewusst-seins innerhalb des Lebens und 4. der Zusammenschluss des Denkens zu einer »höheren Lebensform« .
      Die erste Materie bildet sich aus der »Granulation« einer Ur-Energie, dem Licht vergleichbar. In der Materie erscheint diese Energie in zweifacher Form: als »tangentiale«, äußere Energie, welche die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Stoffs bestimmt und als »radiale«, innere Energie, die bereits dem einfachen Stoff eine gewisse »Spontaneität«, ein rudimentäres Bewusstsein verleiht und die eigentlich treibende Kraft für den Fortschritt der Evolution darstellt. Die Materie hat von Beginn an eine »zweiseitige Struktur« und neben physischen auch psychische Merkmale.
      Die Evolution erscheint Teilhard als eine Reihe »geplanter Zufälle«, die immer wieder zu sprunghafter Komplexitätszunahme in der Anordnung der Elementarteile führen - so etwa beim Ãobergang von unbelebter zu belebter Materie oder bei der Herausbildung des denkenden Ich-Bewusst-seins beim Homo Sapiens durch Entwicklung des Nervensystems. Gleichzeitig findet eine »Erhitzung oder Konzentration des Psychischen« statt. Die physikalischen Eigenschaften der Materie treten durch die Noogenese in den Hintergrund und es entsteht eine soziale und mentale Gemeinschaft, eine Solidarität im Denken und Handeln, die als »Noosphäre«, als »denkende Schicht«, den gesamten Erdball umschließt. Das reflektive Bewusstsein des Menschen, von der Evolution hervorgebracht, richtet sich nun auf sich selbst und seine Entstehung. Er ist ange-halten, die Zielrichtung der natürlichen Evolution zu erkennen, um diese aktiv voranzutreiben. In diesem Sinne setzt die menschliche Geschichte die »organische Bewegung des Lebens« bis zu ihrem Ende, dem »Punkt Omega«, fort. In Omega addiert und vereinigt sich das durch die Noogenese frei gewordene Bewusstsein zu einem kollektiven, planelarischen Gedächtnis und bringt als »Ãoberpersönliches« die in sich vereinigten Persönlichkeiten zur Vollendung. Der Autor betont, dass sich die einzelnen Persönlichkeiten in der Konvergenz nicht auflösen, sondern ihr jeweiliges Ich-Bewusstsein und damit ihre Einzigartigkeitin Omega erst zur vollen Entfaltung gelangt. Das Streben des Bewusstseinsdrangs »nach immer höheren psychischen Formen« bis hin zu Omega ist unumkehrbar und sehr wahrscheinlich. Omega selbst ist von Anfang an als evolutive Kraft in der Schöpfung präsent und steht als deren Endpunkt außerhalb von Zeit und Raum. Der Gläubige erkennt in Omega Christus wieder, dessen Kraft der Liebe als Gesetz der gegenseitigen Anziehung alles Werden bestimmt, um es am Ende der Zeit in der Ewigkeit zusammenzuschließen. Wirkung: Teilhards Anerkennung der grundlegenden Thesen der darwinistischen Evolutionstheorie und die Verneinung des Bösen als eigenständige Macht in der Welt brachten ihm von kirchlicher Seite viel Kritik ein. Sein theologisches Werk löste nach der Veröffentlichung jahrelange intensive und kontroverse Diskussionen aus. In jüngerer Zeit bezieht sich auch die US-amerikanische »Cyber-Culture« auf den französischen Jesuitenpater. Der globale Zusammenschluss von Computernetzwerken wird hier als technische Realisation der teilhardsehen Noosphäre interpretiert.
     


Teilhard de chardin, pierre

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