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Rolandslied - Leben und Biographie



Das aus 4002 zehnsilbigen Versen bestehende und in 290 Strophen gegliederte Rolandslied ist das bedeutendste Beispiel der altfranzösischen Heldenepik, der »Chansons de geste«, und Teil des Karolingerzyklus, also der Sagen um Kaiser Karl den Großen . Aus dem historischen Rahmen - der Kampf Karls gegen die Mauren in Spanien - tritt in den Vordergrund eine Episode um Karl und seine zwölf Paladine, unter denen der kühne Roland, Karls Neffe, und der besonnene Olivier die tapfersten sind.



      Inhalt: Nach siebenjährigem Kampf hat Karl der Große ganz Spanien zurückerobert, mit Ausnahme der Stadt Saragossa, die in der Hand des maurischen Königs Marsilius verblieben ist. Dieser will in seiner schwierigen Lage eine Gesandtschaft zu Verhandlungen mit dem christlichen Herrscher senden. Dabei plant er bereits, sein Wort nicht mehr zu halten, wenn Karl erst einmal nach Aachen zurückgekehrt ist. Als die Vertrauten von Marsilius bei Karl eintreffen, berät dieser mit seinen Vasallen, wer als Botschafter zu dem maurischen Fürsten geschickt werden könnte. Roland schlägt ohne böse Absicht seinen Stiefvater Ganelon vor, doch der glaubt, Roland wolle ihn mit dieser gefahrvollen Mission ins Verderben stürzen und sieht sein Leben bedroht. Aus Rache verbündet ersieh mit dem Heidenkönig und überfallt gemeinsam mit diesemin der Pyrenäenschlucht bei Roncesvalles die Nachhut des christlichen Heers, in der sich die besten Männer Karls befinden.
      Trotz aller Tapferkeit kann sich die kleine christliche Schar nicht gegen die Ãœbermacht der Angreifer behaupten. Zu lange weist der stolze Roland Oliviers Rat zurück, mit einem Stoß in sein Hörn Olifant das vorausgezogene Heer zu Hilfe zu rufen. Erst als Roland und die anderen Helden gefallen sind, trifft das Heer Karls ein und nimmt einen langen Kampf gegen die Mauren auf, der letztlich auf wundersame Weise gewonnen werden kann, da die Sonne stillsteht, statt unterzugehen.
      Voll Trauer über den Tod seiner Treuesten kehrt Karl nach Aachen zurück. Der Verräter Ga-nelon wird mit dem Tod bestraft und Aide, die Verlobte Rolands, stirbt aus Kummer über den Verlust ihres geliebten Ereundes. Mit dem Be-schluss der versammelten Barone Karls, der Erau des heidnischen Königs durch die christliche Taufe die Rettung zu ermöglichen, endet das Epos.
      Eraglich ist, ob der sich im letzten Vers namentlich nennende Turoldus der Autor oder einer unter vielen Erzählern des Stoffes ist. Die überlieferte Version umgibt den Handlungskern mit zahlreichen ausschmückenden Schilderungen, vor allem über Frankreich und über die Tapferkeit Karls und seines Heeres. Das Rolandslied wurde mit dem Kreuzzugsgedanken in Verbindung gebracht, es deutet aber doch offensichtlicher auf die Reconquista Spaniens. Wirkung: Das Rolandslied ist nicht nur das musterhafte Beispiel für die altfranzösischen Chansons de geste, es hat darüber hinaus star-ken Einfluss ausgeübt, zunächst auf die Literatur des europäischen Mittelalters, besonders auf die kundige Bearbeitung durch den Pfaffen Konrad. In dem italienischen Ritterepos Der rasende Roland des Ludovico -> Ariosto ist aus Roland ein von Liebe getriebener Held geworden. Der Stoff erfreute sich auch im spanischen Goldenen Zeitalter und dann in Frankreich und Deutschland im romantischen 19. Jahrhundert großer Beliebtheit.
      Das Rolandslied des Pfaffen Konrad
Verfasser: Als »pfaffe Chunrat«, also als Weltgeistlicher, bezeichnet sich derVerfas-ser des »deutschen« Rolandslieds. Seit die These einer Verfasserschaft Konrads für die Kaiserchronik als widerlegt gilt, ist das Rolandslied das einzige nachweisbare Werk dieses Autors. Biografische Daten gibt es nicht. Neben der Sprache weisen die Hervorhebung der Bayern und einige Eigennamen im Rolandslied auf Regensburg als Wirkungsort Konrads hin. Datierung: Vieles spricht für die Datierung 1172, die aber nur als »Indizienbeweis« angesehen werden kann. Sollte sie richtig sein, ist mit dem im Epilog genannten Auftraggeber »herzog Hainriche« Heinrich der Löwe gemeint, und Konrad könnte Mitglied der herzoglichen Kanzlei gewesen sein. Alternativ werden auch Datierungen um 1130 und 1150 diskutiert. Vorlage: Eine unbekannte Handschrift der Chanson de Roland muss Konrads Vorlage gewesen sein. Im Epilog seines mehr als 9000 Verse umfassenden Epos wird mitgeteilt, dass Herzog Heinrich sie auf Bittenseiner Frau habe beschaffen lassen. Konrad behauptet, die Vorlage zunächst ins Lateinische und dann ins Deutsche übersetzt zu haben.
      Wirkung: Vom Rolandslied des Pfaffen Konrad sind sechs Handschriften bekannt; die verschiedenen Dialekte belegen eine beträchtliche regionale Verbreitung. 50 bis 80 Jahre nach Konrad hat ein als »der Stricker« bekannter Autor eine erweiterte Neubearbeitung verfasst, die Konrads Text oft wörtlich übernimmt und in über 40 Handschriften verbreitet war. Lange wörtliche Passagen wurden in den Karlmeinet eingearbeitet, eine Kompilation von Karlsepenaus dem 14. Jahrhundert. —> Wolfram von Eschenbach übernahm im Willehalm Motive und Namen und stellte Bezüge zur Handlung des Rolandslieds her. Neuzeitliche Bearbeitungen in deutscher Sprache gibt es seit der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts; zum Bildungsgut wurde esdurch eine Reclam-Ãœbersetzung von 1880. Zahlreiche Umarbeitungen in der Kinder- und Jugendliteraturreichen bis ins Jahr 1980.


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