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Reymont, Wladyslaw Stanislaw - Leben und Biographie



In seinem umfangreichen und thematisch breit gefächerten Werk verband Wladyslaw Stanislaw Reymont naturalistisch-detailgetreue Milieuschilderungen im Geiste des polnischen Realismus des 19. Jahrhunderts mit literarischen Techniken der anbrechenden Moderne - impressionistischen Momentaufnahmen, symbolistischen Ãoberhöhungen und expressiver Sprache.
      Der Sohn eines Dorforganisten war in seiner bewegten Jugend u.a. Schneiderlehrling, Wanderschauspieler und Bahnarbeiter; die in seinen Jugendjahren gesammelten Erfahrungen verarbeitete er später in zahlreichen literarischen Werken. 1892 debütierte er in der Presse als Novellist. 1894 zog er nach Warschau und widmete sich in der Folgezeit professionell der Literatur. 1900 zog er sich bei einem Eisenbahnunglück schwere Verletzungen zu, die ihm bis ans Lebensende zu schaffen machten. Eine beträchtliche Entschädigung sowie steigende Einnahmen aus der Schriftstellerei sicherten ihm finanzielle Unabhängigkeit und ermöglichten ihm zahlreiche Reisen, u.a. nach Frankreich, Italien und in die USA.



      Junges Polen - die wichtigsten Werke
Stanislaw Przybyszewski 1897 Satans Kinder:tn dem deutschsprachigen Roman zerstört ein dämonischer »Ãobermensch«aus Hass gegen das Spießbürgertum das Rathaus und die Fabrik in seiner Stadt.
      Wladyslaw Stanislaw Reymont, 1897-99 Das Gelobte Land: Der gesellschaftskritische Reportageroman schildert die Entwicklung der Industriestadt Lodz in apokalyptischen Tönen anhand des Alltagslebens der Bevölkerung.
      Stanislaw Wyspianski 1901 Die Hochzeit: Das Versdrama über die Hochzeiteines Dichters aus der Stadt mit einer Bauern tochter ist ein satirisches Gleichnis auf den Zustand der polnischen Gesellschaft.
      Stefan Zeromski 1902-03 In Schutt und Asche: Der historische Roman spielt vor dem Hintergrund der polnischen Geschichte seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Russlandfeldzug von Napoleon 1.
      Wladyslaw Stanislaw Reymont, 1902-08 DieBouern:in dem groß angelegten Roman-Epos plädiert Reymont für eine naturverbundene Lebensform der Menschen. Einen Großteil der Tetralogie verfasste der Autor in Frankreich.
      Waclaw Berent 1903 Edelföule:Der Roman erzählt von dekadent-selbstzerstörerischen deutschen und polnischen Bohemiens, deren Leben um Kunst, Drogen sowie erotische und psychische Exzesse kreist.
      Jan Kasprowicz 1906 Vom heldenmütigen Pferde und vom einstürzenden House.Die Sammlung vereint poetische Prosa, symbolistische Lyrik und gesellschaftskritische grotesk-satirische Erzählungen.
      Stanislaw Brzozowski 1908 F/ommen/Der Roman spielt im Milieu russischer Revolutionäre, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Attentat auf den Zaren Alexander

II.

vorbereiten.

      Die Bauern
Mit seiner breit angelegten Roman-Epopöe zeichnet Wladyslaw Stanislaw Reymont ein farbiges und wahrhaftiges Porträt eines polnischen Dorfs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
      Gegenstand der Darstellung sind die besonderen Moral- und Wertvorstellungen der ländlichen Bevölkerung, die soziale Schichtung der dörflichen Gemeinschaft, Konflikte mit dem Landadel, bäuerliche Arbeit, ethnografisch genau beschriebene Sitten und Gebräuche, Festlichkeiten und Feiertage sowie - nicht zuletzt - auch die sich mit den Jahreszeiten verändernden Naturerscheinungen.
      Die Bauern bieten bis in die Nebenfiguren eine umfangreiche Galerie meisterhafter psychologischer Porträts. Ungewöhnlich ist die expressivsinnliche Sprache des Romans - die Dialoge der Figuren sind durchweg in der Mundart verfasst, die Erzählerrede ist bildhaft und abwechslungsreich und weist sowohl Züge volkstümlicher Stilisierung als auch modernistische Merkmale des Jungen Polen auf.
      Inhalt: Ort der Handlung ist das Dorf Lipce, ca. 70 km westlich von Warschau gelegen. Im Mittelpunkt steht das Schicksal der Familie des Großbauern Maciej Boryna. Gegen den Willen seiner erwachsenen Kinder heiratet der verwitwete Boryna die Dorfschönheit Jagna und verweigert damit den Nachkommen ihr Erbteil. Der Konflikt mit seinem Erstgeborenen Antek steigert sich zum gegenseitigen Hass, als Antek mit der triebhaft-leidenschaftlichen Jagna eine frühere Liebesaffäre aufwärmt, weshalb Boryna Antek und Schwiegertochter Hanka aus dem Haus weist. Einmal erwischt Boryna Antek mit Jagna in flagranti in einer Scheune, blockiert in Rage die Ausgänge und legt Feuer; die beiden entkommen mit knapper Not.
      Der Konflikt von Vater und Sohn nimmt ein Ende, als der Gutsherr einen Wald abholzen lassen will, an dem auch die Gemeinde Rechte besitzt; es kommt zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den Bauern und den Bediensteten des Gutsherrn, wobei Antek seinen schwer zusammengeschlagenen Vater verteidigt. Antek wandert mit den übrigen Bauern ins Gefängnis, während der gelähmte Boryna nach einigen Wochen seinen Verletzungen erliegt. Jagna bringt durch ihren lockeren Lebenswandel die Dorfgemeinschaft gegen sich auf, wird als Dirne mit Schimpf und Schande, an einen Mistwagen gebunden, aus dem Dorf gejagt und verfällt dem Irrsinn. Aufbau: Der Roman ist in vier etwa gleich lange Teile gegliedert, die nach den vier Jahreszeiten benannt sind. Die ungefähr zehn Monate andauernde Handlung setzt im Herbst zur Zeit der Kartoffelernte ein und endet im Sommer nach der Getreideernte. Die vergehende Zeit und der Wechsel der Jahreszeiten werden nicht zuletzt durch ausgedehnte Naturschilderungen sinnfällig gemacht. Der Rhythmus der wechselnden Jahreszeiten und der mit ihnen verbundenen Feldarbeiten wird in seiner Stetigkeit durch die
Darstellung der alljährlichen Volksfeste und katholischen Feiertage unterstrichen. Abwechslung in diesen ewig gleichen, von der Natur und dem Herkommen diktierten Rhythmus bäuerlichen Lebens bringen traditionelle Festbräuche, Sitten und Gewohnheiten anlässlich von Schlüsselereignissen im Leben des Menschen - im Roman ist es vor allem Borynas Hochzeit im ersten Teil und sein Begräbnis mit Totenmahl im vierten Teil. Die Verankerung der individuellen Schicksale in den überzeitlichen Gesetzmäßigkeiten der Natur und in die Wertvorstellungen der Gemeinschafl macht den epischen Charakter des Romans aus.
      Wirkung: Für Die Bauern erhielt Reymont 1924 den Nobelpreis für Literatur; die Schwedische Akademie in Stockholm würdigte ihn in ihrer Laudatio als »HomeT des Bauerntums«. Auf der Grundlage des Romans entstanden mehrere Theaterinszenierungen und Verfilmungen. Auch als ethnografisches Dokument ist das Buch von bleibender Bedeutung.
     


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