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Philosophen biographisch

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Sonnemann, Ulrich



S. hat seine Untersuchungen zu einer philosophischen und methodologischen Kritik der Humanwissenschatten ebenso wie seine Essays über aktuelle historische und politische Probleme, die vor allem die Kontinuität deutscher Verhältnisse und deutschen Verhaltens in ihren Widersprüchen beleuchten, stets als praktische Kritik intendiert. Ganz im Sinne dieses praktischen Interesses hat er sich, wo immer er sich diesseits und jenseits des Atlantiks aufgehalten hat. konkret-riistorisch mit den jeweils dominanten Sichtweisen in Psychologie, Philosophie. Soziologie und Politik auseinandergesetzt und versucht, »vor Ort« einen kritischen Gegenentwurf zu entwik-kehi und praktisch zu vermitteln. Selbstbetroffenheit als Ausgangspunkt eines kritischen Denkens »en Situation« vermittelt sich bei ihm mit der These von der produktiven Negativität von Subjektivität, die über bestehende gesellschaftliche und psychische Unterdrückungszusammenhänge hinaus auf menschlichere Verhältnisse weist und sich immer nur konkret-geschichtlich im Prozeß einer denkenden und handelnden Verneinung bestimmter gesellschaftlicher und psychischer Zwänge, Unterdrückungen und Versagungen zeigt. Es geht S. um die Rehabilitierung einer praxisorientierten Reflexion aut der Ebene unmittelbaren Handelns ebenso wie auf der Ebene wissenschaftlichen und philosophischen Theoretisierens.



      Einem praktischen Theoretisieren verdankte S. im Spätsommer 1941 seine geglückte Flucht in die USA. Als überzeugter Antifaschist hatte S. sein Studium der Soziologie, Philosophie und Psychologie bereits 1934 im selbstgewählten Exil in Basel mit einer wissenssoziologischen Dissertation über H. G. Wells abgeschlossen und anschließend eine erfolgversprechende publizistische Karriere in Zürich begonnen, ehe er aus politischen und »rassischen« Gründen innerhalb Europas vor den Nationalsozialisten mehrfach fliehen mußte und 1940 - völlig mittellos — in einem französischen Intemierungslager landete. Dort entdeckte er - »eine Frucht reiner Betrachtung« —, daß Hitlers militärische Aggressionen in ständig kürzeren Zeitabständen der Richtung gegen den Uhrzeiger folgten. Eine darauf fußende Wette mit einem reichen Mithäftling, daß der Hitler-Stalin-Pakt noch vor dem 1. Juli 1941 zerbrechen würde, brachte S. die für Visa und Ãœberfahrt benötigte Geldsumme ein. »Theorie ist in jener Lage nicht nur praktisch gewesen, sondern das einzig Praktische.«
In den USA lenkte die Armee S.s Karriere zur klinischen Psychologie, die er zunächst in verschiedenen Lazaretten und Krankenhäusern intensiv kennenlernte, bevor er sich nach einem mehrjährigen Zwischenspiel als Associate Professor für theoretische Psychologie an der »New School for Social Research« in New York als Psychotherapeut niederließ. In seinem Buch Existence and Therapy konfrontierte er die technizistische Psychologie in den USA mit der existentialistischen Daseinsanalyse, wie sie im Kontext der Phänomenologie vor allem von dem Schweizer Psychiater Ludwig Binswanger konzipiert worden war. Zugleich versuchte er, die Einsichten der Daseinsanalyse aus einer philosophischen Anthropologie her zu begründen, die von der Emheit der Erfahrungswelt des Menschen ausgeht und damit der Cartesianischen Subjekt-Objekt-Spaltung philosophisch eine Absage erteilt. Bei der Entwicklung seiner »existential analysis« insistierte S. darauf, daß die Einheit der Erfahrungswelt der Patienten nicht vorschnell nach objektivierenden Kriterien auseinanderdividiert werden dürfe und der Therapeut den individuellen Daseinsentwurf der Patienten beachten müsse. Auch müßten die Interaktionen zwischen Patient und Therapeut und den jeweiligen Mitmenschen kategorial berücksichtigt werden.
      Mitte der 50er Jahre kehrte S. - zunächst versuchsweise - nach Deutschland zurück. Er übersiedelte nach München und begann eine engagierte publizistische Tätigkeit, in deren Rahmen er aktuelle Auseinandersetzungen in der Bundesrepublik ebenso wie verleugnete Probleme autgriff und sie hinsichtlich der nachweisbaren Kontinuität und Wiederkehr deutscher Reaktions- und Denkweisen und psychischer Dispositionen in der Geschichte analysierte. Methodisch verknüpft er dabei historische Betrachtung, philosophische Reflexion und Psychoanalyse sowie die Einsichten der Daseinsanalyse in die Spontaneität der Menschen in ihren konkreten Lebenswelten und entwirft so eine Psychohistorie der Deutschen, deren Grundbefund er 1968 mit dem soziologi-sehen Begriff des »Institutionalismus« zusammenfaßte I Institutionalismus und studentische Opposition. Thesen zur Ausbreitung des Ungehorsams in DeutschlanD). Insbesondere die historische Gedächtnislosigkek und den subjektiven Immobilismus der Deutschen hat S. akribisch aufgezeichnet und die deutschen Verhältnisse mit der Kategorie der »Zu-mutbarkeit« charakterisiert . Auf welche aktuellen Auseinandersetzungen in der bundesdeutschen Wirklichkeit S. auch immer sein kritisches Augenmerk richtete und damit zum Teil die heftige Gegenwehr der inkriminierten Institutionen gegen sich heraufbeschwor : Er legte stets die tieferliegenden historischen Kontinuitäten demokratischen und emanzi-patonschen Mangels in der Bundesrepublik offen und markierte zugleich präzise und provokatorisch mögliche Ernbruchstellcn für kritische Subjektivität, da er Menschen prinzipiell als nicht »Fest-gestellte« in einem unabgeschlossenen Horizont der Zukunft spontan handelnd und denkend begreitt.
      Ende der 50er Jahre begann S. mit einer Untersuchung der Einsichten und Grenzen der Freudschen Psychoanalyse. Dabei erhoffte er sich Aufschlüsse durch eine gegenseitige Konfrontation von Freudscher Theorie und Hegel-Marxschem Denken, die es seines Erachtens wechselseitig zu entdogmatisieren galt. Die Ergebnisse seiner Inspektion dieser dem Anspruch nach kritischen und auf Emanzipation abgestellten Theorien legte S. in seinem Buch Segative Anthropologie, l orstudien zur Sabotage des Schicksals unter den Stichwörtern »Totalthconen« und »Retrospektivität« dar. Erstere bezeichnen einen Typus von Theorie, in dem die Rolle von Subjektivität, die für die Konstitution oder Erfüllung ihrer selbst maßgeblich ist, selbst als Ereignis nicht mehr reflektiert wird. Retrospektivität bezeichnet einen Standpunkt objektivierender Rückschau, in der abgelaufenes Geschehen mit Hilfe kausaler oder teleologischer Zuschreibungen sachgesetzlich rekonstruiert wird. Retrospektiv orientierte Totaltheorien verkennen laut S. die Tatsache, daß affirmative, auf fixe Objektivität hin angelegte Theorien über den Menschen keinen Bestand haben, weil sie die spezifische Differenz zwischen den abgeschlossenen Prozessen des historisch Geschehenen und dem menschlichen Handeln im Horizont einer offenen Zukunft übersehen. Negative Anthropologie hat dem vorausbestimmbaren Ablauf das nicht vorhersehbare Ereignis als Moment von reflexiver Vergegenwärtigung und kritischer Spontaneität entgegenzusetzen. Seit 1975 hat S. einen Lehrstuhl für Sozialphilosophie an der Gesamthochschule Kassel inne.
     


Bräker,ulrich

Ulrich Bräker nimmt in der Literaturgeschichte eine Sonderstellung ein, da er, wie der Literaturhistoriker Hans Mayer hervorhob, der erste »plebejische Schriftsteller« deutscher Sprache war. Bräker wurde 1735 im Kanton Sankt Gallen als Kind armer Bauern geboren. Seine Jugend verbrachte er ohne Sch .....
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Tobinsky, uli (ulrich)

Biografie: *1955. U. Tobinsky studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte, er arbeitete als Tontechniker und Regieassistent am The- ater und ist freier Rundfunkautor und -moderator. Kriminalromane: 1988 Yellow Cab, Emons; 1993 Die Versteckten, Klein und Blechinger TV: 1999 Alarm .....
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Ritzel, ulrich

Biografie: *1 in Pforzheim. U. Ritzel verbrachte Kindheit und Jugend auf der Schwäbischen Alb. Er studierte Jura in Tübingen, Berlin und Heidelberg. Danach schrieb er für Zeitungen und so gut, dass er z.B. 1981 mit dem begehrten Wächter-Preis ausgezeichnet wurde. Er arbeitete 35 Jahren im Journalism .....
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Menge, ulrich

Biografie: *7.4.1 in Berlin. U. Menge studierte Romanistik und promovierte 1967 in Hamburg mit einer Dissertation über die Kurzgeschichten Emilia Pardo Bazans. Er war Bibliothekar des Höheren Dienstes, zuletzt Bibliotheksdirektor beim Ibero-Ameri-kanischen Institut der Stiftung Preußischer Kulturbes .....
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Knellwolf, ulrich

Biografie: *17.8.1942. U. Knellwolf wuchs in Zürich und Ölten auf. Er studierte evangelische Theologie in Basel, Bonn und Zürich und ist seit 1969 Pfarrer. Nach verschiedenen theologischen Veröffentlichungen debütierte er literarisch mit seinem Kriminalroman Roma Termini. In die Spitzenränge der B .....
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Frohriep, ulrich

Biografie: *18.11.1 in Rostock. U. Frohriep arbeitete nach seinem Hoch- schulabschluss als Verlagslektor und freier Autor. Nach 1989 war er Geschäftsführer eines Wohlfahrtsverbandes, Vorsitzender eines sozialen Vereins und Mitbegründer eines Books-on-Demand-Verlages . Er lebt und schreibt in Klein .....
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Treichel, hans-ulrich

Prometheus Freund, Winfried. S. 210-216. In: Freund-Lyrik, 1990, Von großen Dingen Schöne, Lothar. In: Frankfurter Anthologie 12, 1989, S. 261 - 263. .....
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Schacht, ulrich

Ferner Morgen Lermen, Birgit und Loewen, Matthias. In: Lyrik aus der DDR, 1987, S. 408 - 411. Jahre hinter mir liegender Strand Lermen, Birgit und Loewen, Matthias. In: Lyrik aus der DDR, 1987, S. 411 - 415. Wintersee Lermen, Birgit und Loewen, Matthias. In: Lyrik aus der DDR, 1987, S. .....
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Hütten, ulrich von

Ain new lied herr Virichs von Hütten Müller, Erhard Peter. In: Gedichte, Balladen, Songs, 1978, S. 56-61. Ukena, Peter. In: Gedichte und Interpretationen 1, 1982, S. 42 - 52. .....
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Anton ulrich von braunschweig-lüneburg

Ich kan nit mehr Weber, Albrecht. In: Deutsche Barockgedichte, 1967. S. 120 - 124. .....
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Anton ulrich, herzog von braunschweig-wolfenbüttel

»Wann nun«, schreibt Sigmund von Birken, der Nürnberger Poet und Redakteur von A.U.s Aramena . über den höfischen Roman, »dergleichen Bücher / der Adel mit nutzen liset / warum solte er sie nit auch mit rühm schreiben können: Und wer soll sie auch bässer für den Adel schreiben / als eine person / d .....
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Plenzdorf, ulrich

Ulrich Plenzdorf gilt als genauer Beobachter der politischen und gesellschaftlichen Zustände in Deutschland. Die fortwährende kritische »Befragung der Wirklichkeit« durchzieht sein gesamtes Schaffen. Plenzdorf stammt aus einer Familie, die aufgrund ihrer kommunistischen Ãœberzeugung von den Nationa .....
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Hütten, ulrich von

»Er flamme als Haß in uns auf gegen alles Undeutsche, Unfreie, Unwahre; aber glühe auch als Begeisterung in unseren Herzen für die Ehre und Größe des Vaterlandes; er sei der Genius unseres Volkes, wenigstens so lange, als diesem ein zürnender, strafender, mahnender Schutzgeist Not tun wird.« Dieser .....
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