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Philosophen biographisch

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Mandeville, Bernard de



Zu den Stileigenschatten der englischen Aufklärungsphilosophie gehört das unvoreingenommene, zunächst von keiner Theorie geleitete Fragen nach Problemen und Gegenständen, womit ott ein scheinbar müheloser Aufstieg vom common sense einer Alltagsbeobachtung zu schwierigen erkenntnistheoretischen Erörterungen gelingt. Beläßt es der Autor jedoch bei der trivialen Schilderung des Gegebenen, entwertet sich das Verfahren oder es verfällt dort, wo moralische Grundsätze in offenbar rein satirischer Absicht behandelt werden, der Kritik einer offiziell, das heißt in Ãœbereinstimmung mit diesen Normen herrschenden Meinung. Dieser Gefahr sahen sich die Schriften M.s ausgesetzt, in denen er zu zeigen versucht, wie die Menschen sind, nicht wie sie sein sollen. Sie sind dementsprechend von vielen nur als Anekdotensammlungen eines zynischen Beobachters der trühkapitalistischen Konkurrenzgesellschaft gelesen worden, bei denen man nicht nach konstruktiven Ansätzen einer Gesellschaftstheorie suchte: während man sein Werk so nur unzulänglich verstand, wurden die wenigen authentischen Zeugnisse seiner Biographie durch eine Unzahl von Gerüchten überlagert, die ihm jenen amoralischen Egoismus in der Lebensführung nachsagten, den er in seiner berühmten, mehrfach überarbeiteten Fable ofthe Bees als Prinzip allen gesellschaftlichen Handelns aufdeckt.



      M. stammte aus einer vornehmen niederländischen Familie, die ihm eine standesgemäße Schulbildung - das adlige >de< legte M. erst später ab - und eine zweifache Promotion in den Fächern Philosophie und Medizin an der Universität Leyden ermöglichte. Nach dem Studium läßt er sich - zunächst nur um die Sprache zu erlernen - in England nieder, wo er bis zu seinem Tode als Arzt für Nerven- und Magenleiden praktiziert und als Autor freidenkerischer Schriften zu einem bekannten und. entgegen seinem Ruf, geschätzten Glied der Londoner Gesellschaft wird. Eben diese Gesellschaft und die Frage,wie sie ihren Wohlstand trotz oder vielleicht gerade wegen der sichtbaren Korruption erhalt, ist das Thema der Bienenfabel.
      Im Sinne der neuzeitlichen Anthropologie bestimmt M. den Trieb zur Selbsterhaltung als ein »Naturgesetz«, dem der Mensch auf allen gesellschaftlichen Entwicklungsstuten unterworfen bleibt. Anders als Hobbcs. Spinoza oder Putendorf setzt er allerdings dieser Kategorie noch eine sie fundierende Grundbestimmung voraus: die »Selbsthebe« oder die Wertschätzung des eigenen Selbst , aus der das Sclbsterhaltungsstreben hervorgeht. Diese Akzentuierung ist insofern von Bedeutung, als damit die »Ablösung der naturrechtlichen Denkweise und Grundlegung der Theorie des Staates durch eine Theorie der Gesellschaft« vorgezeichnet wird, denn die natürliche Gegebenheit der Selbsthilfe begründet kein Recht mehr, das gegen andere geltend gemacht werden könnte. Dennoch erklärt gerade dieses Prinzip die Funktion von Herrschaft und den Ursprung der Vergesellschaftung der Individuen, da die selbstsüchtigen Privatinteressen den Menschen in semem Handeln für den »Gesetzgeber« berechenbar machen. Die Selbstliebe wird in das politische Kalkül einbezogen, um die egoistischen Individuen mittels »imagmärer Belohnungen« zur »beschwerlichen Selbstverleugnung« ihrer triebhaften Neigungen zu bewegen: »Je genauer wir die menschliche Natur erforschen, desto mehr werden wir davon überzeugt sein, daß Sittlichkeit em sozialpolitisches Erzeugnis aus Schmeichelei und Eitelkeit ist.« Selbst wenn der Mensch zum Nutzen der Allgemeinheit handelt, sucht er letztlich nur die Bestätigung und Steigerung seines Selbstwertgefühls.
      M. leugnet damit zwar die natürliche Moralität im menschlichen Empfinden, sein — nirgends eingehend begründeter — Begriff der Selbstverleugnung enthält jedoch den Hinweis auf eine Tugendlehre, die mit der protestantischen Vorstellung von der Unterdrückung der aus der sündigen Natur des Menschen erwachsenden Begierden durchaus vereinbar ist bzw. sich ihr verdankt, was bereits ein prominenter Gegner M.s. Francis Hutcheson. kritisch anmerkt. Nur die »Gott geweihten Christen« sind nach M.s Auflassung dazu fähig, den Instinkt der Selbstliebe in sich abzutöten, wodurch sie aber nicht mehr in den »natürlichen Verhältnissen« leben, unter denen sich Menschen zivilisieren und für die paradoxerweise gilt, daß aus privaten Lastern öffentliche Wohltaten folgen, was jener für die Zeitgenossen so anstößige Untertitel von M.s Bienenfabel zu einer Formel zusammenfaßt: »Private vices. Publick Benefits«.
      Schrader, Woltgang H.: Ethik und Anthropologie in der englischen Aufklärung. Der Wandel der moral-sense-Theone von Shattesburv bis Hume. Hamburg 19S4.

      Friedrich Vollhardt


Malamud, bernard

In seinen Kurzgeschichten und Romanen strebt der Moralist und Humanist Bernard Malamud die »Wiederherstellung der Menschlichkeit des Menschen« an. Typisch für sein Werk ist die Verbindung von Elementen der jiddischen Erzähltradition mit christlicher Symbolik. Seine Helden leben oftmals unter armseli .....
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