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Philosophen biographisch

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Franck, Sebastian



F. sei ein »böser, giftiger Bube«, der nur lästern und schmähen könne, als sei er »des Teufels eigen und liebstes Maul«, so das Urteil des Reformators Martin Luther über seinen Zeitgenossen. In diesem drastischen Verdikt spiegelt sich das Schicksal einer Gruppe von Theologen und Denkern wider, die, als trühe Anhänger der Reformation über das stockende Fortschreiten der Erneuerung der Kirche und des Glaubens enttäuscht, radikalere und umfassendere Lösungen als Luther suchten. Einer ihrer eigenwilligsten Vertreter war F. - Um 1500 in Donauwörth als Sohn einer Handwerkerfamilie geboren, bahnte sich für den jungen F. in seiner Ausbildung an der heimatlichen Benediktinerschule und an der Universität Ingolstadt die normale Karriere eures altgläubigen, katholischen Geistlichen an. Der Wechsel an das Dominikanerkolleg in Heidelberg im Spätherbst 1517 brachte F. in Berührung mit reformatorischem Gedankengut. Er studierte zusammen mit den späteren protestantischen Theologen und Gegnern Johannes Brenz. Martin Frecht und Martin Bucer; wahrscheinlich erlebte er als Augenzeuge der Heidelberger Disputation 1518 zum einzigen Mal Martin Luther.



      Erst 152s begannen sich entscheidende Veränderungen in seinem Leben abzuzeichnen : er gab den Dienst als katholischer Priester in der Diözese Augsburg auf und wurde von der Nürnberger Obrigkeit mit der Seelsorge in dem protestantischen Dorf Buchenbach bei Schwabach beauftragt. Schon 1528 zeigen sich in den ersten literarischen Werken F.s. dem Vorwort zu der von ihm verfertigten Ãobersetzung von Althatners Diallagc und dem selbständigen Traktat I 0» dem greulichen Laster der Trunkenheit, erste Spuren der Enttäuschung über die Auswirkungen der lutherischen Reformation. Mit deutlicher Spitze gegen die Rechtfertigungslehre Luthers forderte F. in beiden Schritten eine grundlegende Erneuerung des ethisch-moralischen Lebenswandels, die sich auch und gerade im konkreten Tätigsem zeigen müsse. Mit diesen Forderungen verband F. heftige Kritik am reformatorischen Schriftprinzip, das nach seinem Ermessen diese moralische Erneuerung kaum fördern könne. Begünstigt wurde das Abrücken F.s von Luther durch seine Heirat mit Ottüie Behaim in Nürn-berg . deren Brüder, die sogenannten »gottlosen Maler«, als religiöse Schwärmer verdächtigt wurden. Ob die Radikalisierung seines Denkens F. auch zur Autgabe des Pfarramts im gleichen Jahr veranlaßte. kann nicht nachgewiesen werden.
      Mit dem Umzug von Nürnberg nach Straßburg begann sein unstetes Leben als freier Schriftsteller, zeitweise auch als Drucker. In den folgenden Jahren formulierte F. in zahlreichen voluminösen Schriften wie der Tiirketichrcmik - der Geschkhtsbi-bel oder in seinem Hauptwerk. 2S0 Paradoxa aus der Heiligen Schrift U5.U !- die Grundgedanken seines religionsphilosophischen Weltbildes, mit denen er sich endgültig von der lutherischen Reformation lossagte. In seiner umfassenden Gesellschattsund Kirchenkritik stellte F. radikal jede empirisch erfaßbare Form von Kirche in Frage: Gott habe nur aus pädagogischen Gründen in der apostolischen Zeit die Kirche zugelassen. In der Radikalisierung mystisch-spintualistischer Gedanken verlegte F. jede Beziehung Gott-Mensch in die Innerlichkeit. Als Konsequenz davon negierte er jede Form von Dogmen, ebenso wie später Valentin Weigel die Bibel, als Autorität. Glauben bestand für F. in der Aktualisierung des »inneren Wortes« des Menschen. Mit diesem Begriff umschrieb er das Göttliche, das in jedem Menschen vorhanden sei. Die Gemeinschaft der Glaubenden, die unsichtbare Kirche, sei universal und an keine Glaubensgemeinschaft gebunden. Aus diesem spintualistischen Glaubensverständnis leitete F. seine Forderung nach uneingeschränkter Religionsfreiheit ab. Allein das erduldete Leiden und die tätige Liebe seien Zeichen der Wahrheit.
      Während er die Heilige Schrift als »ewige Allegorie« betrachtete, war ihm die Geschichte, als dem wahren Ort göttlicher Offenbarung, die eigentliche Bibel. Konflikte mit Obrigkeit und Kirche waren für F. nicht mehr vermeidbar. Zu sehr gntt seine Kritik die Grundfesten des landesherrlichen Kirchenregimentes und des retorma-torischen Schnftprmzipes an. 153 I erfolgte seine Ausweisung aus Straßburg, die ihn über Eßlmgen nach Ulm führte. Trotz guter Beziehungen zu führenden Ratskreisen wurde F. unter dem Druck protestantischer Geistlicher 1539 aus der schwäbischen Reichsstadt ausgewiesen. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Basel, ohne noch größere Werke zu verfassen. Toleranz und Religionsfreiheit waren Forderungen, die im Deutschland des 16. Jahrhunderts, das durch konfessionelle Polemik und Auseinandersetzungen geprägt war. keine Möglichkeit der Durchsetzung besaßen. Erst die deutsche Aufklärung griff die Gedanken F.s. die Elemente aus dem italienischen Humanismus mit der deutschen mystischen Tradition verbanden, wieder auf und verhalf ihnen auf breiter Ebene zum Durchbruch.
      Grcschat. Martin : Radikale Reformatoren. München 197S. Weigelt. Horst: Sebastian Franck und die lutherische Reformation. Gütersloh 19-2.
     


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