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Empedokles



E. stammt aus Akragas. der großen griechischen Gründung an der Südküste Siziliens. Unter dem Tyrannen Theron. dem Besieger der Karthager . erlebt Akragas den Gipfel seiner Macht. Bald nach Therons Tod stürzt die Tyrannis; die Polis wird eine Demokratie. An dieser politischen Entwicklung nimmt E., Mitglied einer aristokratischen Familie, maßgeblich teil. Doch mit seinem Einsatz für die Demokratie macht er sich auch Feinde. Während einer seiner Reisen nach Süditalien setzen sie einen Beschluß durch, der seine Rückkehr verbietet. Ãœber seinen Tod existieren zahlreiche Legenden; der wahrscheinlichsten zufolge stirbt er im pelo-ponnesischen Exil.



      Wie Anaxagoras sucht E. die Realität vor dem Angriff des Parmenides zu retten . Der zentralen Erkenntnis des Parmenides schließt sich E. an: Nichts, was ist, kann entstehen aus oder vergehen ins Nichts. Doch die Schlußfolgerung des Eleaten - die Wirklichkeit ist eine bewegungslose Einheit -lehnt er ab. Sie konstruiert sich aus einer Pluralität immer existenter primärer Wesenheiten, der »vier Wurzeln aller Dinge«: Feuer. Luft. Erde, Wasser. Die vier Elemente, die schon in den vier Grundzuständen der milesischen Kosmogonien angelegt sind, gewinnen bei E. zum erstenmal den Rang genuiner materieller »archai«. Sie sind das Fundament, aus dem alles andere erwächst. Sie sind unerzeugt und unzerstörbar, unveränderlich, homogen - wie das parmenidei-sche Eine. Doch zwei Punkte unterscheiden sie von ihm - sie sind in Bewegung und teilbar und können sich folglich mischen . Alle Bewegung und Veränderung ist allein Neuanordnung der unvergänglichen Materie. Diese Theorie wird zur Basis der aristotelischen Physik. »Zu einer Zeit wuchsen , eins allein zu sein aus vielen, zu einer anderen wuchsen sie auseinander, um viele aus einem zu sein. Sie hören niemals auf. für immer zu wechseln, einmal durch Liebe alle zusammenkommend in Eins, einmal wieder jedes auseinandergetragen durch Streits Haß.« In einem unablässigen Kreislauf entsteht aus einer Pluralität das Eine und aus dem Einen eine Pluralität. Die Kosmogonie des E. beschreibt einen antagonistischen Prozeß. In seiner Regelmäßigkeit summiert sich dieser beständige Wechsel zu einem globalen Ausgleich - ein Gedanke, der auf Anaximander zurückgeht. Nicht aus eigenem Antrieb bewegen sich die vier Elemente in diesem Kreislauf, es wirken externe Kräfte auf sie ein — »neikos« und »philotes« , die Mächte der Abstoßung und Anziehung. Dank ihrer physikalischen Durchdringung der Welt wirken sie mit regelmäßig wechselnder Macht ihren Einfluß aus. Sie sind jedoch unsichtbar und unvorstellbar fein, ihre Wirkung ist mehr psychologisch denn physikalisch. Mit dieser Vorstellung ihres geistigen Charakters unternimmt E. einen essentiellen Schritt hin zur Trennung der Begriffe von Materie und Geist. Der kosmische Zyklus beginnt mit einem Bild des Vollkommenen. Die Liebe verschmilzt die vier Elemente zur quasi-homogenen Einheit, der Sphäre , die als höchste Form aller Existenz für E. ein Gott ist. Der Streit bricht die Sphäre auf und zerstreut die Elemente im Sturm, die Liebe aber erstarkt wieder und verwandelt den Sturm zum Wirbel, der die Elemente zusammenträgt. Der noch mächtige Streit hält sie geschieden in vier konzentrisch angeordneten Weltmasscn, Luft, Feuer, Erde, Wasser. Doch nun gewinnt die Liebe die Oberhand: sie durchdringt das Ganze und vermischt die getrennten Elemente. Der eigentliche Kosmos entsteht, mit Gestirnen, der Erde und vor allem dem Leben. Zuletzt ist die Einheit des Anfangs, die Sphäre, wieder erreicht.
      Offenbar theologisch begründet E. die beiden polaren Kräfte. Liebe ist keine abstrakte physikalische Kraft - sie ist die kosmogo-nische und ethische Urmacht. die in der Welt wie zwischen den Menschen wirkt. Da mit der Liebe allein die Welt nicht zu erklären ist, tritt ihr als Antipode der Streit entgegen. Er. der Zerstörer, macht die Elemente uneins; doch Aphrodite eint sie. »Liebe ist die Ursache des Guten, und von daher das Gute selbst, und Streit die des Bösen« . Auch den Wechsel zwischen Liebe und Streit begründet E. theologisch: »Die Zeit war erfüllt, die ihnen im Wechsel gesetzt ist von einem mächtigen Schwur« - dasselbe ewige Gesetz bestimmt gleichermaßen das Schicksal der »daimones« und das wechselnde Wachsen und Schwinden von Liebe und Streit regiert Mikrokosmos und Makrokosmos.
      In seinem zweiten Werk, den Katharmoi , vertieft E. seine Theologie. In einem verlorenen Goldenen Zeitalter, dem Zeitalter der Aphrodite, leben die Menschen in vollkommener Harmonie miteinander. Doch der Streit bringt das Böse in die Welt, und sie brechen das höchste, von E. mit der Seelenwanderung begründete Gesetz, das jedes Töten verbietet. Das »Orakel der Anänke «, das göttliche Gesetz, welches auch den Wechsel der Weltzeiten bestimmt, verbannt sie zur Strafe in den Kreislauf der Wiedergeburt.
      Doch noch immer steht der Mensch, der »gefallene Gott«, in Beziehung zum Göttlichen. Zwischen Gott, »einzig Geist « - auch hier kommt E. der Unterscheidung zwischen Materie und Geist näher -. der den Kosmos umgibt und mit seiner Liebe durchdringt und der m diesem Prozeß ein gewisses Maß an Kontaminierung, an Auflösung erleidet, und dem Menschen besteht eine Affinität - in der ihnen gemeinsamen Fähigkeit zum Denken. Sie ist das Zeichen der Vollkommenheit: Gott ist ganz Geist, und das Blut, dank dessen wir denken, ist ein nahezu perfektes Abbild der Sphäre. Möglicherweise sieht E. den »daimon« in uns. unser wahres Ich. als Fragment der Sphäre oder jenes göttlichen Geistes. Dem Streit unterworfen, können ihn allein die »katharmoi«. mehr aber ein wahres Verständnis der Natur Gottes der Wiedergeburt entreißen und in seine Göttlichkeit zurückführen — vereint mit allden anderen Fragmenten Gottes und allen Elementen - zu dem einen vollkommenen Geist.
     


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