Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt




Philosophen biographisch

Index
» Autoren
» Philosophen biographisch
» Bataille, Georges

Bataille, Georges



»Man weiß es heute: B. ist einer der wichtigsten Schriftsteller seines Jahrhunderts.« So leitet Michel Foucault lapidar die zehnbändige Ausgabe von B.s CEurres completes ein. B.s Denken ist ebensowenig dem Strukturalismus wie dem Existentialismus zuzuordnen. Von 1922 an arbeitete er als Bibliothekskonservator, gab nacheinander die Zeitschriften Doctt-ments. Aeephale und Cntique heraus. Sem Verhältnis zur surrealistischen Gruppe um Andre Breton war abwechselnd von Weggenossenschaft und Gegnerschaft geprägt. Er hatte bereits eine Reihe von Untersuchungen und Essays und. teils später oder posthum. teils unter Pseudonym erschienenen, blasphemisch-eronschen Erzählungen und Texten geschrieben, als er 1943 sein erstes philosophisches Werk. L experience interieure veröffentlichte. In diesem Werk verbindet er in Form einer atheologischen Mvstik. deren aphoristischer Stil sich der Logik der instrumcntellen Kommunikation ebenso wie der Sprache der Universitätsphilosophie entzieht, seine intimste Erfahrung mit einer allgemeinen Le-bensphilosophie. Hauptmotiv des Batailleschen Denkens ist der das ganze Leben ausmachende unüberwindliche Dualismus der Sphäre der zweckrationalen Produktion oder Homogenität und der zweckleugnenden Verschwendung oder Heterogeni-tät.



      In systematischerer Form legt er diese Gedanken zum erstenmal 1949 in La part maudite dar. Dieses Werk präsentiert sich im Untertitel als Essai a" economic generale , wobei der Begriff »Ã–konomie« die umfassende Bedeutung der gesamten Erzeugung und Verschwendung von Energie hat. Jedes Einzelwesen - und jeder produktive Zusammenschluß von Einzelwesen -verfugt über mehr Energie, als zu seiner Selbsterhaltung nötig ist. Sind die Grenzen seines Wachstums und seiner Reproduktionsfähigkeit erreicht, muß es die überschüssige Energie nutzlos verschwenden. Die Natur kennt drei Arten der Verschwendung, des Luxus: das Verzehren lebender Organismen, den Tod und die geschlechtliche Fortpflanzung. Wird beim Aufessen lebender Organismen deren Energiereservoir zerstört, bevor die Wachstumsgrenzen erreicht sind, so bedeuten Tod und sexuelle Fortpflanzung den Abbruch der Selbsterhaltung zugunsten von Neugeborenem. Dieses allgemeine Naturgesetz beherrscht auch die Ökonomie, zu der B. die aztekischen Menschenopfer ebenso wie den Bau mittelalterlicher Kathedralen zählt: Sind auch hiet die Grenzen des Wachstums erreicht, steht die Nutzung und Erzeugung von Energie im Dienst ihrer Verschwendung. Wird die Verschwendung bewußt veranstaltet - in Festen. Opfern. Wettkämpfen —. gewinnt der Mensch Souveränität, indem er den allgemeinen Verschwendungsprozeß des Lebens, dessen passives Objekt er zunächst ist, durch freiwillige ekstatische Selbstverschwendung übertrumpft. Bleibt er jedoch, in verhängnisvoller Verkennung des Lebensgesetzes, dessen passives Objekt, dann kommt die Verschwendung in katastrophischer Form über ihn - in Krisen. Pogromen, Kriegen. Das gilt insbesondere für die kapitalistische Gesellschaft, die ihren Wert und Fortschritt an der Energieerzeugung pro Kopf der Bevölkerung mißt, während für sie zwangsläufige oder freiwillige Verschwendung der bloß geduldete oder unterdrückte »verfemte Teil« ist. Entscheidend für die Beurteilung einer Gesellschaft ist für B. daher, aut welche Weise es ihr gelingt, den notwendigen Wechsel von serviler Erzeugung und souveräner Verschwendung von Energie zu organisieren. Er untersucht das am Beispiel der Menschenopfergesellschaft der Azteken, der Potlatschgesellschaft der Indianer, der Kriegsgesellschaft des Islam, der lamaistischen Mönchsgesellschaft des Tibet, der calvinistischen Trennung von Profanem und Sakralem , der nicht profitorientierten stalinistischen Industrialisierung und der unentgeltlichen Wirtschaftshilfe.
      Dem Dualismus von Produktion und Verschwendung entspricht in B.s zweitem systematischen Werk. L erotisme (Der heilige Erosi von 1957. der Dualismus von Tabu und Ãœbertretung oder Diskontinuität und Kontinuität: Die Verbote der Tabus richten sich gegen unsere Sehnsucht, der Mühsal der Aufrechterhaltung der Diskontinuität unseres individuellen Daseins durch Flucht in die Kontinuität des gesamten Lebenszusammenhangs zu entkommen. Sie richten sich also gegen alles, was unsere Diskontinuität zu sprengen droht: die Animahtät. die sexuelle Fortpflanzung und den Tod. Da es sich bei einer Sprengung der Diskontinuität immer um den Ausbruch von Gewalt handelt, schlägt das Tabu solche Manifestationen von Gewalt. Der Tod läßt uns amradikalen Wüten der Gewalt gegen die Diskontinuität teilhaben, stellt aber auch die stärkste Versuchung eines Zurücksinkens in die Kontinuität dar. Daher sind der Tod und Tote heilig. Das zweite Tabu trifft das Tier, weil dieses, semer Diskontinuität unbewußt, ungesühnt vernichtet und tötet. So sind ursprünglich die Tiere heilig, und erst später treten anthropomorphe Götter an ihre Stelle. Das dritte Tabu richtet sich gegen die Sexualität, die sowohl in den Konvulsionen der sexuellen Vereinigung als auch mit der Fortpflanzung die Diskontinuität sprengt. Aber gerade durch den Schrecken und die Anziehung der Kontinuität gewinnt das Individuum Bewußtsein von seiner Diskontinuität, die es jedoch, um leben zu können, ständig verletzen muß. Soll die Diskontinuität nicht einfach von der Kontinuität absorbiert werden, was jedes Leben unmöglich machen würde, müssen die notwendigen Tabuübertretungen räumlich und zeitlich und in ihrer Intensität eingeschränkt werden. Daher unterliegen sie strengen Regeln. Der geregelte Wechsel von Tabu und Ãœbertretung macht die Welt des Sakralen aus. während die Welt des Profanen die der Arbeit ist. Das Tabu der Sexualität wird durch die Ehe verletzt, ist aber durch Inzestverbote. Ehebruchverbote und andere Regeln eingeschränkt. Die außereheliche Tabuübertretung der Sexualität, die nicht der Fortpflanzung dient, wird durch die Regeln der Tempelprostitution, der sakralen Orgie usw. in Schranken gehalten. Wird das Tabu der Tiergöttcr durch ihre Tötung verletzt, so wird diese durch Bußzeremonien und Tieropter eingegrenzt, die dem Menschenopfer historisch vorausgehen. Die Tabuübertretung des Todes und Tötens von Menschen schließlich wird durch Vorschriften des Zweikampfes, des Krieges, der Menschenopfer und des Totcnkults geregelt. So wie in La part maudite der Wechsel von Produktion und Verschwendung zum Kriterium einer Gesellschaft wird, ist es hier der Wechsel von Tabu und Ãœbertretung. Der homogenen Industnegesell-schaft entspricht in L erotisme der jüdisch-christlich-islamische Monotheismus: So wie jene die Verschwendung verfemt, so verfemt dieser die Ãœbertretung, indem er sie als die Welt der Sünde, des Bösen, des Teufels aus dem Bereich des Sakralen löst und in den des Profanen verbannt. So schafft der jüdisch-christlich-islamische Monotheismus die profane Welt der unheiligen Gewalt, der Pornographie und der niederen Prostitution. Denn so wie er keine heilige Ãœbertretung, sondern nur Sünde kennt, kennt die unheilige Gewalt, die Pornographie und die niedere Prostitution kein heiliges Tabu mehr. Nur die Kunst kann ihren religiösen Ursprung nicht verleugnen, weil auch sie die Diskontinuität nach bestimmten Regeln sprengt, indem sie Töne. Farben. Materialien, Bewegungen und Sprachen der zweckrationalen Produktion. Konsumption und Kommunikation entzieht. So wird sie zugleich zum Ausdruck des Bewußtseins vom Verlust der sakralen Welt von Tabu und Ãœbertretung.
      |ean-Paul Sartre warf in seiner Kritik von L expericnce inteneure. deren stilistische Modernität er lobte, B. ein Schwanken zwischen den von Kierkegaard, Nietzsche. Heidegger und Jaspers inspirierten Aussagen intimer Selbsterfahrung und einem äußerlichen Szientismus vor. der von keiner inneren Erfahrung nachvollzogen werden könne. Die strukturalistische Generation dagegen beruft sich aut B.s ekstatische Sprengung des Subjektgefängnisses und seine Aufspürung und Aufwertung aller Formen der Heterogemtät. die sich der allgegenwärtigen Repression durch die Homogenität zu entziehen sucht. Und durch die Diskussion über die Grenzen des Wachstums gewinnen die Batailleschen Theorien von La part maudite neue Aktualität.
     


Bernanos, georges

Georges Bernanos hat sich in seinen Romanen, zu deren berühmtesten Die Sonne Satans^ 926) und Tagebuch eines Landpfarrerszähien, in der Nachfolge von Charles Peguy und ähnlich wie Paul Claudel vor allem mit der Rolle der menschlichen Natur in der christlichen Gemeinschaft auseinander gesetzt. Bern .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Simenon, georges

Georges Simenon ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein Name ist so untrennbar mit der von ihm geschaffenen Figur des Kommissars Maigret verbunden, dass der Autor zuweilen hinter seiner Schöpfung verschwand, obwohl die »Non-Maigrets« den Großteil seines Werkes ausmach .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Georges perec, stendhal und die zukunft der literatur

1978, vier Jahre vor seinem Tod, hat Georges Perec erklärt, [e]n fait, [...] mon ambition d ecrivain serait de parcourir toute la litterature de mon temps sans jamais avoir le sentiment de revenir sur mes pas ou de remarcher dans mes propres traces, et d ecrire tout ce qui est possible ä un homme d .....
[ mehr ]
Index » Die Avantgarde der 60er und 70er Jahre

 Tags:
Bataille,  Georges    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com