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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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» Wickram, Georg

Wickram, Georg



Er habe »ein groß unnd schwer leger gehapt / in welchem ich ein semlich groß hauptwe erlitten / so groß / das ich vor schmertzen mein selbs gar nit befunden«, klagt W. 1555 im Vorwort zu seinem Irr Reittend Bilger, und beim Dichten sei er »noch sehr bloed gewesen«. Nach solch matten Worten verstummt einer der produktivsten und vielseitigsten Autoren des 16. Jahrhunderts, dem vor allem sein zu der Zeit »einmaliger Antrieb zu selbständiger Romanerfindung« die in der Literaturwissenschaft gängige Titulierung als »Begründer des deutschen Prosaromans« eingetragen hat.



      Nicht nur an der Veränderung seines Sujets, auch in der immer prägnanter herausgearbeiteten frühbürgerlichen Mentalität läßt sich eine konsequente Entwicklung W.s zum konzeptiven Ideologen des frühen Bürgertums ablesen. Geht es im Galmy noch um eine höfisch-ritterliche Geschichte von Liebe und Heirat, in Gahriotto und Reinhart um die gedoppelte Liebe edler Jünglinge zu hochadligen Damen mit allseits tragisch-tödlichem Ausgang, so stellt der Goldfaden dagegen einen armen Hirtenjungen in den Mittelpunkt, der durch Glücksfälle, aber auch durch enormen Fleiß und aufopferungsvolle Treue nicht nur zum Gatten einer gräflichen Tochter, sondern selbst zum Grafen aufsteigt.
      Vollends zum »Karriereroman« gerät der Knabenspiegel . Der sittsame Bauernsohn Friedbert, ein wahrer »Tugendbold«, avanciert bei Hofe zum Kanzler, während der junge Adlige Wilbaldus aufgrund seines lotterlichen Lebenswandels folgerichtig und in schöner Gegenbildlichkeit zum Schweinehirten absteigt, nach reumütiger Einkehr allerdings wieder zu Hause aufgenommen wird . Neben der Demonstration belohnter Tugend enthält der Knabenspiegel zugleich ein Erziehungsprogramm für die Jugend, in dem Fleiß und Demut, Sparsamkeit und Arbeit als positive Werte ausgestellt werden — eine Mischung aus protestantischem Arbeitsethos und puritanischer Moral.

     
W.s letzter Roman, Von Gütenn vndBcesen Nachbaum , entwirft schließlich ein umfassendes Panorama frühbürgerlicher Alltagsideologie. Ãœber drei Generationen finden Handelskapitalisten und Gewerbetreibende zu einem freundschaftlich-ökonomischen Bündnis, das zudem mit mehreren Eheschließungen gefestigt wird: Wirtschaftliche Prosperität und private Idylle bedingen und ergänzen sich. Durch treue Hilfsbereitschaft und frommen Fleiß entsteht so in der Fiktion eine gute Nachbarschaft, die Schutz vor den Fährnissen des Handelslebens bietet, die ökonomische Konkurrenz in eine Kooperation transformiert und die nicht zuletzt einen Hort der gegenseitigen geistlichen Erbauung abgibt. Zentriert ist diese harmonische Gemeinschaft der Guten um rührige Arbeit, die dem Einzelnen nicht nur ein ansehnliches Einkommen garantiert und sozialen Aufstieg ermöglicht, sondern darüberhinaus im reformiert-calvinistischen Sinne als geistliche Bestimmung des Menschen gedacht wird: »Wie dann das gantz menschlich geschlecht / zu unrü geboren und erschaffen ist / ein yeder müs nach Gottes Ordnung sein arbeit und lauff volbringen.«
In diesem fiktionalen Entwurf artikuliert sich die Ideologie des Bürgertums im 16. Jahrhundert, aber es scheint darin auch die soziale und biographische Situation seines Autors auf. Wahrscheinlich 1505 als Sohn des Colmarer Patriziers und Ratsvorsitzenden Conrad W. geboren, hat W. zunächst mit dem Makel einer unehelichen Geburt zu kämpfen, so daß er erst 1546 nach der Erbschaft eines Hauses das Bürgerrecht in seiner Vaterstadt erwerben kann. Ohne schulische oder wissenschaftliche Bildung eignet er sich autodidaktisch Literatur unterschiedlicher Provenienz an und nennt sich dann stolz »Tichter und Buerger«. Neben seiner Tätigkeit als Ratsdiener leitet er schon zu Beginn der 30er Jahre die bürgerlichen Schauspiele der Stadt. 1546 gründet und leitet er nach dem Ankauf der Colmarer Liederhandschrift eine Meistersingerschule. Und dann gelingt ihm ein weiterer sozialer Aufstieg: Ab Anfang 1555 zeichnet er die Vorworte seiner Schriften mit »Jörg Wickram Stattschreiber zu Burckhaim«. Vor allem aber dichtet er unermüdlich, darin vergleichbar mit Hans Sachs, der ihn zwar an Quantität übertrifft, der sich aber nie an Romanen versucht hat. W. verfaßt biblische Dramen und Fastnachtspiele, satirische und didaktische Schriften, Meisterlicder und eine Bearbeitung der Metamorphosen des Ovid, erfindet Lieder-»Töne« und illustriert seine Schriften zum Teil selbst. Nicht zuletzt im Rollwagenbuchlin , einer Sammlung von Schwänken, zeigt sich noch einmal die W. eigene Intention, Unterhaltung und Moral, Narratio und Didaxe zu verbinden: Zur Ermunterung der »schweren Melancolischen Gemuter« habe er »kurtz-wcilige schwencke und bossen« zusammengebracht, die gleichwohl angetan seien, ein »züchtig und erbar« Gespräch zu fördern.
      So spricht in allen Werken W.s der strebsame und fromme Bürger des 16. Jahrhunderts, der die für diesen Stand zentralen Momente des Denkens zeigt: Aufstieg, Leistung, Arbeit, Warentausch, Konkurrenz, Risiko, Einsamkeit; der gegen diese alltäglichen Kümmernisse gleichwohl Utopien von Freundschaft, Liebe und Vertrauen setzt, die immer in ungebrochener Gläubigkeit und protestantischer Moral aufgehoben bleiben: »Darumb hab ich... gedieht / das wir armen madensack und misthauffen / ein wenig uns darinn ersehen und bedechten / was wir gewesen / was wir sind / und was wir werden müssen«.
     


Trakl, georg

Abend in Lans Lachmann, Eduard. In: Kreuz und Abend, 1954, S. 53 - 54. Krolow, Karl. In: Frankfurter Anthologie 10, 1986, S. 181 - 184. Abendländisches Lied Lachmann, Eduard. In: Kreuz und Abend, 1954. S. 109- 110. Finck, Adrien. In: Recherches Germaniques 4. 1974, S. 107- 119. Steinkamp, .....
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Komm in den totgesagten park - stefan george

Komm in den totgesagten park und schau: Der Schimmer ferner lächelnder gestade • Der reinen wölken unverhofftes blau Erhellt die weiher und die bunten pfade. Dort nimm das tiefe gelb • das weiche grau 5 Von birken und von buchs • der wind ist lau • Die späten rosen welkten noch nicht .....
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April - georg heym

Das erste Grün der Saat, von Regen feucht, Zieht weit sich hin an niedrer Hügel Flucht. Zwei große Krähen flattern aufgescheucht Zu braunem Dorngebüsch in grüner Schlucht. Wie auf der stillen See ein Wölkchen steht, 5 So ruhn die Berge hinten in dem Blau, Auf die ein feiner Regen niedergeht .....
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Columbus - georg heym

12. Oktober 1492 Nicht mehr die Salzluft, nicht die öden Meere, Drauf Winde stürmen hin mit schwarzem Schall. Nicht mehr der großen Horizonte Leere, Draus langsam kroch des runden Mondes Ball. Schon fliegen große Vögel auf den Wassern 5 Mit wunderbarem Fittich blau beschwingt. Und weiße R .....
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Der winter - georg heym

Der Sturm heult immer laut in den Kaminen Und jede Nacht ist blutig-rot und dunkel. Die Häuser recken sich mit leeren Mienen. Nun wohnen wir in rings umbauter Enge, Im kargen Licht und Dunkel unserer Gruben, 5 Wie Seiler zerrend grauer Stunden Länge. Die Tage zwängen sich in niedre Stuben, Wo .....
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Im winter - georg trakl

Der Acker leuchtet weiß und kalt. Der Himmel ist einsam und ungeheuer. Dohlen kreisen über dem Weiher Und Jäger steigen nieder vom Wald. Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt. 5 Ein Feuerschein huscht aus den Hütten. Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten Und langsam steigt der graue Mond. E .....
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Die schöne stadt - georg trakl

Alte Plätze sonnig schweigen. Tief in Blau und Gold versponnen Traumhaft hasten sanfte Nonnen Unter schwüler Buchen Schweigen. Aus den braun erhellten Kirchen 5 Schaun des Todes reine Bilder, Großer Fürsten schöne Schilder. Kronen schimmern in den Kirchen. Rösser tauchen aus dem Brunne .....
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Drachen - georg britting

Die Drachen steigen wieder Und schwanken mit den Schwänzen Und brummen stumme Lieder Zu ihren Geistertänzen. 5 Von wo der knallende Wind herweht? Von Bauerngärten schwer! Jeder Garten prallfäustig voll Blumen steht, Die Felder sind lustig leer. Der hohe Himmel ist ausgeräumt, 10 Wasserblau, ohne R .....
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Raubritter - georg britting

Zwischen Kraut und grünen Stangen Jungen Schilfes steht der Hecht, Mit Unholdsaugen im Kopf, dem langen, Der Herr der Fische und Wasserschlangen, 5 Mit Kiefern, gewaltig wie Eisenzangen, Gestachelt die Flossen: Raubtiergeschlecht. Unbeweglich, uralt, aus Metall, Grünspanig von tausend Jahren. Ein .....
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Fröhlicher regen - georg britting

Wie der Regen tropft, Regen tropft, An die Scheiben klopft! Jeder Strauch ist naß bezopft. Wie der Regen springt! In den Blättern singt 5 Eine Silberuhr. Durch das Gras hin läuft, Wie eine Schneckenspur, Ein Streifen weiß beträuft. Das stürmis .....
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Georg herwegh (i8i7-i875)

mit seinen 'Gedichten eines Lebendigen" , die vor allem durch starke Affekte auffielen . Herwegh begründete mit seiner 'Arbeiter-Marseillaise" die deutsche Arbeiterdichtung: Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, Wenn dein starker Arm es will. Brich das Doppe .....
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Vogelschau - stefan george

Weisse schwalben sah ich fliegen Schwalben schnee- und silberweiss • Sah sie sich im winde wiegen • In dem winde hell und heiss. 5 Bunte häher sah ich hüpfen • Papagei und kolibri Durch die wunder-bäume schlüpfen In dem wald der tusferi. Grosse raben sah ich flattern • 10 Dohlen schwarz un .....
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Simmel, georg

S. besaß eine Sammlung kostbaren Porzellans. Schüler berichten von einer Berliner Vorlesung vor einer großen, in die Hunderte gehenden Hörerschaft, in welcher er über eine chinesische Porzellanschale mit einer feinen Tuschzeichnung dozierte. Er verwies dabei auf die augenblickliche Lebensbewegung de .....
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Vring, georg von der

Aufgehender Mond Neis, Edgar. In: Mond in der Lyrik, 1971, S. 21 - 22. Aus einer Nacht Bondy, Barbara. In: Zehn Minuten, 1991, S. 75 - 80. Cap de Bonne-Esperance Piontek, Heinz. In: Frankfurter Anthologie 1, 1976, S. 127 - 130. Der Bogenpfeil Eich, Günter. In: Mein Gedicht. 1961, S .....
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Weckherlin, georg rodolf

An das Teutschland Weber, Albrecht. In: Deutsche Barockgedichte, 1967, S. 42 - 43. Meid, Volker. In: Gedichte und Interpretationen 1, 1982, S. 148 - 158. Die Lieb ist Leben und Tod Hippe, Robert. In: Liebe im Gedicht, 1971, S. 20 -21. Ãœber den frühen Tod etc Beck, Adolf. In: Deutsche Lyr .....
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Hamann, johann georg

In der Italienischen Reise schreibt Goethe, als er über seine Lektüre Giambattista Vicos berichtet, es sei »gar schön, wenn ein Volk solch einen Ältervater besitzt: den Deutschen wird einst Hamann ein ähnlicher Kodex werden«. Ein solcher »Ã„ltervater« ist H.. den Friedrich Karl von Moser den »Magus .....
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Weerth, georg

Arbeite! Neis, Edgar. In: Welt der Arbeit, 1975, S. 16 - 20. Das Hungerlied Bräutigam, Kurt. In: Zugänge, 1977, S. 43 - 46. Der Kanonengießer Hermand, Jost. In: Geschichte im Gedicht, 1979, S. 128- 135. Die hundert Männer von Haswell Hermand, Jost. In: Geschichte im Gedicht, 1979, S .....
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Hegel, georg wilhelm friedrich

Das Portrait des versunkenen Professors auf dem Katheder über den Köpfen der andächtig mitschreibenden jungen Herren im Frack zeigt H. im Jahre 182S. auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, in Berlin. Dieser H. ist es. der in die Nachwelt einging, dessen Denken z.B. dem jungen Marx noch ganz selbstverstä .....
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Winter, georg

Das Faultier oder die Geschichte zur hakenförmigen Kralle Wiese, Benno von. In: Frankfurter Anthologie 11, 1988, S. 249 - 253. .....
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Lukäcs, georg

Geb. 1 ?. 4. J^.s in Budapest: gest. 4. 6. 1971 in Budapest 'Die Beziehung zu Marx ist der wirkliche Prüfstein für jeden Intellektuellen, der die Klärung seiner eigenen Weltanschauung, die gesellschaftliche Entwicklung.... seine eigene Stellung in ihr. . . ernst nimmt.« So schrieb Georg L., beina .....
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Mead, george herbert

In ihren Grundzügen ist die Philosophie M.s dem Pragmatismus von William James und lohn Dewey verpflichtet. Möglicherweise ist 111 dieser Verbindung begründet, daß er lange Zeit in deren Schatten stand und in seiner eigenständigen Position nicht gesehen wurde. Ein anderer Grund dafür ist, daß M. zu .....
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Moore, george edward

Bezeichnend für M.s Persönlichkeit wie für sein gesamtes Schaffen ist eine Episode aus seinen ersten Studienjahren in Cambridge. Von Bertrand Russell war er zu einer Unterhaltung mit dem bekannten Philosophen John M.E. McTaggart eingeladen worden. Im Laute des Gesprächs trug dieser seine These von d .....
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Plechanow, georgi walentinowitsch

Materialismus militans - dieser 1908 von P. veröffentlichte Titel ist zugleich das Leitmotiv der intellektuellen Biographie P.s. des bedeutenden Phüosophiehistorikers, materialistischen Dialektikers, Theoretikers von Kunst und Literatur und politischen Revolutionärs der II. Internationale. Aus niede .....
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Christian dietrich grabbe (i80i-i836) und georg büchner(i8i3-i837)

Grabbe, Sohn eines Detmolder Zuchthausverwalters, war eine unglückliche Natur. Er scheiterte sowohl als Schauspieler wie auch als Rechtsbeamter, verkam schließlich in Trunksucht und ging an Tuberkulose zugrunde. Er war ein genialer Nachfahre des Sturm und Drang und ein entschiedener Gegner der Roman .....
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Stefan george (i868-i933)

ist wohl der entschiedenste Gegner der naturalistischen Dichtung. Er bemüht sich in fein empfundener Lyrik, dem Sprachkunstwerk von der Form her im Sinne Klopstocks und Hölderlins erneut Geltung und Gewicht zu verschaffen. Stefan George stammte aus einem Weinbauerngeschlecht und wurde 1868 in Büdes .....
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Wickram,  Georg    





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