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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Wellershoff, Dieter



»Ich hätte vieles andere werden können: Arzt, Psychotherapeut, Tanzlehrer, Philosophieprofessor, Architekt, Verbrecher, Kriminalbeamter, Geisteskranker, und vielleicht bin ich das auf mittelbare Weise alles geworden, indem ich Schriftsteller geworden bin. Das, was man schließlich wird, begrenzt und formt unbestimmte offene Möglichkeiten, und wenn man nicht ganz in seiner Identität versteinern will, dann müssen sie verändert darin aufgehoben sein.« Schreiben und Lesen sind für W. motiviert durch einen »Wunsch nach mehr Leben, nach einer Ausweitung der Existenz, der unbefriedigt bliebe durch Harmonisierungen, in denen die Bewegung zur Ruhekommen soll«. Gelegentlich führe der anarchische Antrieb den Schriftsteller dazu, eigene »kriminelle Instinkte auszuleben« . Biographische Erfahrungen gehen in diese Argumentation ein. W. erlebt das Scheitern des kollektiven »Allmachtstraumes« des Faschismus. Diese Erfahrung begründet bei ihm — wie bei einem Großteil seiner Generation - eine »Ohne-mich-Haltung«, die er nach eigenem Eingeständnis bis heute nur schwer überwinden kann. »Das Kollektiv war der offenbar gewordene Wahnsinn, die Selbstcntfremdung. Was galt, war das eigene Leben.«



W. wird als Sohn eines Kreisbaumeisters geboren. 1943 meldet sich der Gymnasiast freiwillig zum Militär. Nach einem »Zustand halben Gestorbenseins« im Krieg ergreift er die Chance, »frei gehen zu können«. Zielstrebig studiert er 1947-1952 Germanistik, Psychologie und Kunstgeschichte in Bonn. Seine Promotionsarbeit gilt Gottfried Benn, dem als »Phänotyp dieser Stunde« er 1958 eine erfolgreiche zweite Publikation widmet. Benns Witwe überträgt W. die Werkedition ihres verstorbenen Ehegatten . Eine krisenhafte Phase des noch »Unbewiesenen« wird beendet durch Familiengründung und die Annahme des Wissenschafts-, später auch Literaturlektorats bei Kiepenheuer & Witsch . W. baut eine Reader-Reihe, die erfolgreiche Neue wissenschaftliche Bibliothek auf. i liest er bei der Gruppe 47. 1965 stellt er junge Autoren unter dem mißverständlichen, aber damals provokanten Etikett des »neuen Realismus« vor. Nach Hörspielen veröffentlicht W. 1966 seinen ersten Roman Ein schöner Tag. Dieser erzählt zwei Wochen aus dem Alltag einer Kölner Familie. Ihre Mitglieder legen sich selbst einen Zwang zur Scheinidylle auf, verheimlichen eigene Wünsche und Aggressionen. Ausbruchsversuche scheitern und befestigen dadurch die lähmende gegenseitige Bindung. W. erzählt diese Geschichte im Präsens mit der Detailgenauigkeit eines »soziologischen Realismus« . 1970 gibt W. seine berufliche Bindung an den Verlag teilweise, schließlich ganz auf. Als nunmehr freier Schriftsteller nutzt er die Möglichkeiten von Funk und Fernsehen . Ferner publiziert er Essays, Gespräche, Romane, Erzählungen, ein Drama, ein Opernskript, wenige Gedichte.
      Gegenüber dem »Aktionismus« der Protestbewegung Ende der 60er Jahre, welcher der Literatur »nichts anderes mehr erlauben wollte als die direkte Vorbereitung politischer Praxis«, beharrt W. entsprechend seiner Lebenserfahrung auf dem Thematisieren des »Privaten«: »Das Individuelle ist Abdruck des Allgemeinen, aber zugleich dessen Kritik. Denn indem kenntlich wird, daß eine Verhaltensstilisierung die menschlichen Möglichkeiten einschränkt, verdirbt und verzerrt, zeugt sie gegen die menschliche Praxis, die auf Kosten des unterdrückten Lebens funktioniert«. Entsprechend sieht W. »in der Subjektivität des Autors die konstituierende Kraft. Aus seiner inneren Aufmerksamkeitsrichtung, seinem besonderen Blick müssen die Formen als Suchmuster für neue Erfahrungen entstehen, in denen auch andere Menschen jenseits ihrer Gewohnheiten sich erkennen können.«
Nach Ein schöner Tag thematisiert W. die Neurosen und Schizophrenien von gesellschaftlichen Außenseitern: zum Beispiel in Die Schattengrenze . 1972 schildert er einen gehetzten Kriminellen in Einladung an alle, 1977 einen psychisch und sozial sich deklassierenden Intellektuellen in Die Schönheit des Schimpansen. Seit einigen Jahrengeht es W. um die Verirrungen »normaler« Menschen, zum Beispiel in Die Sirene , eines unter Selbstdisziplinierung und Verdrängungen leidenden Hochschullehrers, der schließlich statt des Wagnisses doch wieder die Routine wählt; in Der Sieger nimmt alles eines Unternehmers, der Allmachtsphantasien zunächst eher produktiv, später immer destruktiver auslebt. Der »besondere Blick« des Autors führt W. zunächst zu einer sehr experimentellen Schreibweise, die stark vom »nouveau roman« beeinflußt ist. Sie ist am kunstvollsten in Die Schattengrenze entwickelt. Später weicht sie einfacheren und klareren Bauformen.
     


Dieter wellershoff: »der liebeswunsch« (2000) - der liebesroman an der jahrhundertwende

Im Konflikt mit der gesetzestreuen Ehemoral Mythologie und Geschichte haben die Stoffe der großen Liebesgeschichten überliefert, die Literatur hat die archetypischen Liebespaare unsterblich gemacht: Dido und Äneas, Hero und Leander, Tristan und Isolde, Abälard und Heloise, Romeo und Julia. Und i .....
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Dieter schiller - unser traditionsverhältnis und das klassische erbe

Doch zeigen schon die Debatten der dreißiger Jahre, daß [...] ein sozialistisches Verhältnis zu den Traditionen des progressiven bürgerlichen Humanismus, zum Erbe der bürgerlichen Emanzipationsbewegung nicht bei einer bloßen Identifikation stehenbleiben kann. Seine schöpferische Aneignung verlangt d .....
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Schwarze, hans dieter

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Hombach, dieter

Biograhe: 28.2.1953 in Köln. D. Hom- bach studierte Philosophie und Germanistik in Düsseldorf und promovierte dort zum Dr. phil. über Jean-Paul Sartre. Zehn Jahre war er Angestellter in einem mittelständischen Unternehmen in Berlin, zuletzt mit Prokura, danach einige Jahre freischaffend. Seit Septe .....
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Bromund, dieter

Biografie: *9.4.1 in Bromberg/ Westpreußen. D. Bromund wuchs in der Nähe von Stade an der Niederelbe auf. Er studierte Germanistik und Anglistik und ist seit 1964 in der Werbebranche tätig. Schon als Schüler und Student schrieb er Reportagen und Sto-ries. Die erste Reise war angenehm ist sein Krimi- .....
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Bauer, dieter

Biografie: *14.9.1 in Köln. D. Bauer studierte Zeitungswissenschaft, Germanistik, Philosophie, Psychologie, Ab-schluss mit der Promotion. Er arbeitete als Journalist und Redakteur bei Tageszeitungen und Zeitschriften und war Referent und Auslandsmitarbeiter der Friedrich-Ebert-Stiftung, wo er derzei .....
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Rolf dieter brinkmann (i940—i975): einen jener klassischen ...

Aufatmen für einen Moment Rolf Dieter Brinkmann war um 1970 in Deutschland der Prophet der amerikanischen Underground-Literatur, mit der Anthologie Acid. Neue amerikanische Szene , aber auch mit den eigenen Gedichtbänden Die Piloten und Westwärts 1 & 2 . Von Frank O Hara übernahm er die Technik .....
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Rolf dieter brinkmann (i940-i975)

Before I sink into the big sleep / want to hear the scream of the butterfly Durch den frühen Tod Rolf Dieter Brinkmanns auf einem Londoner Boulevard im April 1975 erlitt die jüngere deutsche Literatur einen tragischen Verlust. Müßig zu spekulieren, welche Rolle er, schon zu Lebzeiten im Ruf des En .....
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Einen jener klassischen - rolf dieter brinkmann

schwarzen Tangos in Köln, Ende des Monats August, da der Sommer schon ganz verstaubt ist, kurz nach Laden Schluß aus der offenen Tür einer dunklen Wirtschaft, die einem 5 Griechen gehört, hören, ist beinahe ein Wunder: für einen Moment eine Ãœberraschung, für einen Moment Aufatmen, f .....
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Leisegang, dieter

Einsam und allein Härtung, Harald. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 245 - 248. Hoffmann am Fenster Braune-Steininger, Wolfgang. In: Portraitge-dicht, 1988, S. 168- 184. .....
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Krusche, dieter

Wiedersehen Krusche, Dieter. In: Pausen zwischen den Worten, 1986, S. 59 - 63. .....
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Brinkmann, rolf dieter

Bild Zeller, Michael, In: Gedichte haben Zeit, 1982, S. 205 - 209. Die Dunkelheit als ein Dunst für meine Frau Zeller, Michael. In: Gedichte haben Zeit, 1982, S. 216-218. Die Orangensaftmaschine Hügel, Hans-Otto. In: Deutsche Gegenwartslyrik, 1982. S. 44 - 68. Einen jener klassischen .....
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Bellmann, dieter

Ik do, as wenn nix wüür Schutt, Jochen. In: Reuter, 1975, S. 192 - 196. .....
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Kühn, dieter

Dieter Kühn ist als Verfasser von halbdokumentarischen Biografien, Romanen, Essays, Hörspielen, Kinderbüchern, literaturwissenschaftlichen Arbeiten, Theaterautor, Herausgeber und Ãœbersetzer einer der produktivsten und formenreichsten deutschen Gegenwarlsautoren. In seinem umfangreichen Werk verbind .....
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Manfred hahn/dieter schlenstedt/ frank wagner - thesen zum deutschen roman im 20. jahrhundert

Die proletarische Epik entwickelte sich zunächst in zwei Schüben, an deren jeweiliger stofflicher Orientierung sich allgemeinere Veränderungen ablesen lassen : 1927-1930 sind Krieg und revolutionäre Nachkriegskrise wichtig. Unter dem Aspekt der Klassenkämpfe am Ende der relativen Stabilisierung und .....
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