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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Toller, Ernst



»Wer keine Kraft zum Traum hat, hat keine Kraft zum Leben«, läßt T. die Titelfigur seiner Skandal- und Erfolgstragödie Hinkemann sagen, bevor sie resigniert einen Strick knüpft, um sich zu erhängen. Als literarisches Motiv ist der Freitod in seinem ganzen Werk von zentraler Bedeutung. Der Autor selbst nahm sich im Alter von 45 Jahren in einem New Yorker Hotel das Leben — wie viele dieser expressionistischen Generation zermürbt von langen Jahren der Gefangenschaft, Verfolgung, 1 )iffamierung und des Exils. Die ohnehin stets von Zweifeln angefochtene Kraft zum Traum von einer friedlichen, freiheitlichen und brüderlichen Menschengemeinschaft, für dessen Verwirklichung T. seine ganze Existenz einsetzte und der während der Münchener Räterepublik wenige Wochen lang Realität zu werden schien, hatte sich mit den Möglichkeiten zum wirksamen Widerstand gegen das Hitler-Regime erschöpft.



      In den Ersten Weltkrieg war er — wie so viele seiner Altersgenossen — mit vaterländischer Begeisterung als Freiwilliger gezogen, aber den Deutschnationalen galt er bald als einer jener »Literaturjuden«, von deren »Einfluß man die deutsche Literatur befreien müsse« . Im Theater leben der Weimarer Republik avancierte er dennoch zum erfolgreichsten Dramatiker deutscher Sprache. Und auch als Lyriker fand er, vor allem mit dem Schwalbenbuch von 1923, die Sympathien eines breiten Publikums. Zur legendären Gestalt, zum Held und Märtyrer der gescheiterten Revolution von 1918/19, an der der Jurastudent sich als Mitglied der USPD in München führend beteiligt hatte, machte ihn die Aufführung seines dramatischen Erstlings Die Wandlung in Berlin, nachdem er wenige Monate vorher, im Juli 1919, zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt worden war. Das messianisch hochgestimmte Pathos dieses expressionistischen Stationendramas aus dem sozialistischen Geiste Gustav Landauers ruft zur Geburt eines neuen, aus dem gegenwärtigen Zustand der Selbstentfremdung befreiten Menschen auf. Die Revolutionierung des Herzens, darauf zielt der argumentative Aufbau des Stücks, hat aller revolutionären Praxis vorauszugehen, soll diese nicht zu blindem, gewalttätigem Aktionismus verkommen. Die Botschaft des zweiten, im November 1920 uraufgeführten Dramas Masse-Mensch, einer »Tragödie«, der die Enttäuschung über den unglücklichen Verlauf der Revolution deutlich eingeschrieben ist, lautet ähnlich. Die revolutionäre Heldin will sich nicht mit Hilfe von Gewalt aus dem Gefängnis befreien lassen. Sie stirbt, damit das Prinzip der Gewaltlosigkeit weiterlebt. In dem Drama Die Maschinenstürmer erschlägt das aufgehetzte Volk am Ende seinen friedliebenden Führer.
      T.s Gefängnisjahre waren eine Zeit literarisch produktiver Trauerarbeit um die verlorenen Revolutionshoffnungen. Das Scheitern utopischer Entwürfe an der Wirklichkeit, schockhaft plötzliche Erkenntnisgewinne und Wandlungserlebnisse, die tragischen Verstrickungen des politisch Handelnden in Schuld, die menschliche Unzulänglichkeit der Revolutionäre, das Fortleben deutscher Untertanen-Mentalität und Wil-helminischer Machtstrukturen in der Republik, die Gefangenschaft als Anlaß zur Justizkritik und zugleich als existentielle Metapher, das sind charakteristische Motive in T.s Werk, auch noch nach der Haftentlassung im Juli 1924. Das 1927 von Erwin Piscator zum kurzlebigen Theatererfolg geführte Zeitstück Hoppla, wir leben markiert den Stilwechsel von einer expressiven Sprache der Gefühle zu dokumentarischer Sachlichkeit. Mit dem ehemaligen Revolutionär Karl Thomas, der sich nach sieben Jahren Nervenheilanstalt in der veränderten Welt der »Roaring Twenties« nicht mehr zurechtfindet und an der Normalität ihrer verlogenen Fröhlichkeiten zweifelt, spiegelte der Autor auch etwas von der eigenen Situation in Berlin.
      Man hat T. treffend einen »deutschen Danton« genannt. Er war ein genialer, mitreißender Redner, ein linker, von Frauen umschwärmter Star der Weimarer Republik, ein Genießer, dessen Lebenswandel allen puritanischen Kommunisten ein Ärgernis sein mußte, und zugleich ein von Resignation gequälter Melancholiker. Von 1924 bis zum Ende seines Lebens unternahm er zahlreiche Vortragsreisen: als Ankläger deutscher Justiz, als pazifistischer Prediger fern aller parteipolitischen Bindungen, als Warner vor dem Faschismus. 1933 erschien sein wohl bedeutendstes Werk, die Autobiographie Eine Jugend in Deutschland. In den Jahren des Exils häuften sich indes die politischen, literarischen und privaten Mißerfolge. Der vormals berühmte Autor war in den Vereinigten Staaten ein unbekannter Mann. Sein letztes Drama, Pastor Hall , die Geschichte eines Einzelgängers, der sich gegen die Diktatur Hitlers auflehnt, ein Dokument auch quälender Selbstzweifel, wurde von keinem Theater mehr angenommen.
     


Toller, ernst

Den Müttern Neis, Edgar. In: Krieg im Gedicht, 1980, S. 68 -69. Gemeinsame Haft Rietzschel, Thomas. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 157 - 160. .....
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Topitsch, ernst

In seinem Buch Stalins Krieg. Die sowjetische Langzeitstrategie gegen den Westen als rationale Machtpolitik spannt T. einen weiten lebensgeschichtlichen Bogen. Wie er in der Einleitung mitteilt, nahm er im Sommer 1941 als Soldat der deutschen Wehrmacht am Ãœberfall auf die Sowjetunion teil. »Die Di .....
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Schleiermacher, friedrich daniel ernst

»Alle Menschen sind Künstler.« Mancher mag vielleicht heute diesen Satz spontan mit einem Diktum Joseph Beuys identifizieren, dessen Auffassung: »Kunst kommt nicht von Können, sondern von Künden«, von der Ãœberzeugung lebt, daß in jedem einzelnen - wenn auch zumeist verschüttet — die Fähigkeit un .....
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Mach, ernst

Das Ich ist unrettbar.« Dies ist eine der Folgerungen, die M. in seinem populär gehaltenen Buch Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen aus seiner dort vor allem erkenntnistheoretisch fundierten »Elementen-Lehre« zieht. Dieses Werk, das die in der natürlichen .....
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Haeckel, ernst

Aus naturwissenschaftlicher Sicht kann das 19. Jahrhundert vor allem durch die Entdeckung der Evolution gekennzeichnet werden. Dabei ist es besonders H. zu verdanken, daß die Lehre von der Abstammung der Arten in Deutschland rasch verbreitet und in ihrer Bedeutung erkannt wurde. Sein Einfall war es .....
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Weber, wilhelm ernst

Hölderlin und Heinse Hock. Erich. In: Euphorion 76, 1982, S. 174 - 179. .....
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Waldinger, ernst

Die Sprachlosigkeit Kamla, Thomas A. In: Exilerlebnis, 1982, S. 444 - 446. .....
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Hall, ernst

Pseud. für: Ernst Hassler Biograhe: *20.9.1 in Komotau/ Sudetenland. E. Hall wurde mit 18 Soldat und war als Kriegsgefangener in Russland Wolgaflößer, Holzfäller, Eisenbahnarbeiter und Kolchosenarbeiter. Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft absolvierte er ein Volontariat und wurde Journalist. Unter .....
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Bleisch, ernst günther

Breslau Neis, Edgar. In: Städte und Landschaften, 1978, S. 29-31. Maritime Feststellung Bleisch, Ernst Günther. In: Pausen zwischen den Worten, 1986, S. 19 - 23. .....
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Steffen, ernst s.

Elsa Krechel, Ursula. In: Lesarten / Gedichte, 1982, S. 191 - 193. .....
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Stadler, ernst

Abendrot Martens, Wolfgang. In: ZDP 77, 1958, S. 423 - 425. Abendschluß Hubert, Gerda. In: Abend und Nacht in Gedichten, 1963, S. 143 - 154. Der Spruch Schürer, Ernst. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 1 - 17. Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht Viering, Jürge .....
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Fischer, ernst

Als 20jähriger ließ er eine seiner ersten Veröffentlichungen in das emphatische Bekenntnis münden, daß »wir eines vor allem hassen: Erstarrung - eines vor allem lieben: Bewegung«. Ein halbesjahrhundert später sollte er noch immer das Lob der Bewegung vor der Erstarrung, der Utopie gegen die Entfremd .....
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Cassirer, ernst

C. ist als Denker mit eigenem systematischen Anspruch in dem Land, aus dem er 1933 vertrieben wurde, kaum noch in Erinnerung. Dies ist um so erstaunlicher, als er zu jenen gehört, die - so Karl Otto Apel - die Transzendentalphilosophie •transformiert« haben. C. vertrat eine Philosophie, welche die .....
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Meister, ernst

Apres Apreslude Egyptien, Jürgen. In: Ernst Meister, 1987, S. 21 - 30. Bis der Marmorbruch blutet Soboth, Christian. In: Todes-Beschwörung, 1989, S. 3- 11. Der Grund kann nicht reden Soboth, Christian. In: Todes-Beschwörung, 1989, S. 114- 117. Der Knabe Soboth, Christ .....
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Sage vom ganzen - ernst meister

SAGE VOM GANZEN den Satz, den Bruch, das geteilte Geschrei, den trägen Ton, der Tage Licht. s Mühsam im gestimmten Raum die Zeit in den Körpern, leidiges Geheimnis, langsam. Tod immer. 10 Sage .....
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Lichtung - ernst jandl

manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum! Wenn Komiker einen deutsch sprechenden Chinesen nachahmen wollen, so greifen sie zu einem einfachen Trick: Immer dort, wo ein »R« hingehört, sprechen sie ein »L«. Nach diesem Muster funktioniert weitgehend auch das Gedich .....
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Ernst theodor amadeus hoffmann (i776-i822)

Der Ostpreuße E. T. A. Hoffmann war eine typisch romantische Doppelnatur: von Haus aus war er Jurist und verteidigte als Kammergerichtsrat in Berlin die Unabhängigkeit des Richterstandes gegen reaktionäre Ãœbergriffe, wobei er sich vor allem der freiheitlichen Studenten und des Turnvaters Jahn annah .....
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Daseinsernst und komik: familienbilder in der kinder-und jugendliteratur der 80er und 90er jahre

Veränderte Familienerfahrungen heute aufwachsender Kinder - Literatur als zeitdiagnostisches Medium Aktuelle Forschungsergebnisse der Gesellschaftswissenschaften - vor allem der Jugend- und Familiensoziologie - zeigen eine Reihe von Strukturveränderungen innerhalb der für Kinder zentralen Lebensw .....
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Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » HANNELORE DAUBERT

Auf der suche nach einer neuen intensität stimmenspiele und ernst der stimme in den texten von annie zade

Die Texte der 1948 geborenen Autorin, bisher drei seit 1979 veröffentliche "Stücke", sind Gratwanderungen, Grenzgänge zwischen Prosa, Lyrik und Theater. Es sind Sondierungen von Stimmen, die unsicheres Terrain betreten, Figuren, die ineinander aufgehen oder sich spalten. Einiges erinnert an eine Wie .....
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Ernst schnabel hundert stunden vor bangkok

Methodische Vorüberlegungen 1. Wegen der Länge der Erzählung ist ihre Behandlung im 8. bis 10. Schuljahr nur nach gründlicher häuslicher Lektüre anzuraten. 2. In der Erzählung finden sich eine Reihe von Wörtern, die der vorherigen Erklärung an Hand eines Lexikons bedürfen: Bangkok = Hauptstad .....
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Ernst schnabel im dunklen tal der bären

Analyse Der Stoff Die Erzählung 'Im dunklen Tal der Bären" ist ein charakteristisches Beispiel für Schnabels Kurzgeschichten, in denen er ungewöhnliche Vorfälle im Lebensstrom darstellen will. Acht Jungen zelten in einem Gebirgstal bei Javorina. Vom Lager aus steigen drei der Jungen, der Größere .....
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Michael albert - bauernstube

Draußen rieselt der Regen; Dem Dorf entgegen Schlägt aus dem Walde der Wind. November ist es, der Abend beginnt Zu dunkeln nach kurzer Tageszeit. Da werden die Dächer weiß â€” es schneit. Vom Lutherofen um Bank und Schrein Strahlt gaukelnd der Flamme rötlicher Schein. Die Katze, die glatt sich .....
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Ernst jandl - hÖrprobe

höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höhere hören und daumen höhere daumen und hören höhere hören und höhere daumen meine höheren daumen meine höheren hören kennen sie mich herren kennen sie mich herren kennen si .....
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Ernst jandl (i925-2000): das fanatische orchester

Entfesselung des Chaos Viele der Texte Ernst Jandls erreichen erst in der akustischen Darbietung, am besten in seiner eigenen Lesung, ihre volle Wirkung. Zu Hör-Erlebnissen wurden unter seinen Sprechgedichten vor allem die Klang- und Rasselarien, mit denen er als Solist, als »Laut-Mime«, große Au .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Der Lyriker als Laut-Mime und Sprach-Virtuose

Ernst stadler (i883-i9i4): form ist wollust - formvollendeter abschied von der form

»Nun ist der Mensch wieder großer, unmittelbarer Gefühle mächtig.« »Sein Herz atmet, seine Lunge braust, er gibt sich hin der Schöpfung«, stellt triumphierend Kasimir Edschmid in seinem zusammenfassenden Bericht Ãœber den dichterischen Expressionismus von 1917 fest . Von solcher elementaren Regung u .....
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Toller,  Ernst    





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