Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt




Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Schmidt, Arno



»»»VERFLUCHTE ZEITN!< - )«. Der atomare Dritte Weltkrieg ist bereits abgelaufen, wenn die Richter-Figur Kolderup in der Schule der Atheisten auf zwei Worte bringt, was die literarische Laufbahn seines realen Autors S. treffender kaum überschreiben könnte. Der Mythos vom »unmenschlichen, unbezwing-Hchen Zentralmassiv« seiner Literatur, der zumal seit Erscheinen des großen Typoskript-Romans Zettel s Traum die Rezeption behinderte, wo nicht ersetzte — dieser Mythos verdeckt das eigentlich Unmenschliche, gegen das der Autor lebenslang schreibend rebellierte. Es ist dies die als »leviatha-nisch« begriffene Verkettung permanent zerstörerischer Kräfte. Nicht nur in der Außenwelt: »Um das Wesen des besagten Dämons zu beurteilen, müssen wir uns außer uns und in uns umsehen. Wir selbst sind ja ein Teil von ihm.«



Am Vorabend des Ersten Weltkriegs als Sohn eines Polizisten und einer Gerberstochter in das amusische Klima Hamburger Mietskasernen-Kleinbürgerlichkeit hineingeboren, hat S. von Anfang an Teil an der stumpfen Rohheit einer engen Alltagswelt. Das drückende Herkunftsmilieu bietet dem früh in sich selbst zurückgezogenen Hochbegabten auch späterhin kaum adäquate Entwicklungschancen. Für überragende Leistungen — S. macht 1933 Abitur in Görlitz, der Lausitzer Heimat der Eltern — steht ihm als Preis nur Arbeitslosigkeit und zermürbende Stellungsuche bevor; anstatt einer systematischen wissenschaftlichen und künstlerischen Ausbildung ergibt sich ab 1934 lediglich der Posten in der Lagerbuchhaltung einer schlesischen Textilfabrik. Im Mai 1937 folgt bereits die erste Kasermerung - kurz darauf die Verehelichung des 23jähri-gen mit der Arbeitskollegin Alice Murawski . Diesem Versuch des Aufbaus einer eigenen Privat-Gegenweit folgt jedoch sogleich weitere Kasernierung, 1939 die Einberufung zum Krieg , bis Ende 1945 schließlich britische Gefangenschaft. Die aufs Äußerste reduzierten Lebensbedingungen in wechselnden Notunterkünften lassen auch nach Kriegsende kaum Spielraum für die dennoch ständig weiterentwickelte literarische Produktion: »Wie unnatürlich das ist, macht der Leser sich gemeinhin nicht klar... Wir hatten ja nicht einmal SchreiPapier in jenen Jahren, dicht nach 45; mein >Levia-than< ist auf Telegram-Formulare notiert, von denen mir ein englischer Captain einen halben Block geschenkt hatte.« Wenn S., ab 1946 bereits, trotzdem auf der Hunger-Existenz als »freier Schriftsteller« besteht, sind damit zugleich alle Konzessionen an soziale, politische und ästhetische Normen des wiederaufkommenden Kulturbetriebs ausgeschlossen. Die strikte Selbstbestimmtheit seiner Laufbahn ebenso wie sein literarisches Programm, »die Nessel Wirklichkeit fest anfassen; und uns alles zeigen: die schwarze, schmierige Wurzel; den giftgrünen Natternstengel; die prahlende Blumen-«, sie werden dann auch schnell als Provokation registriert. Wegen »Gotteslä-sterung« und »Pornographie« läßt man S. 1955 gerichtlich verfolgen, und er weicht ins hessische Darmstadt aus; intern zensiert man seine Texte . Bis ein breiteres Lesepublikum Zugang zu seinem Werk findet, vergehen zwei Jahrzehnte, in denen S. bereits den Großteil seiner Kurzprosen , seiner Romane und seiner literarhistorischen Studien fertiggestellt hat.
      Das Augenöffnende seiner Prosakunst nehmen zuallererst Schriftsteller mit ähnlichem Erfahrungshintergrund wahr: S. »experimentiert: rasierklingenscharf bis an die Grenze des Möglichen... er verhält genau, wo die Sprache ihr Maximum an Deutlichkeit hat, auf der anderen Seite würde das Chaos sein, Sprachtrümmer, Worthack, die lädierte Grammatik«; so Peter Rühmkorf 1956. »An den Grenzen der Sprache« operiert S. von der Injektionstechnik »schärfster Wortkonzentrate« der frühen Prosa über die Mehrspaltentechnik von KAFF und Zettel s Traum, über die späten Novellen-Comödien bis hin zum Jw/ia-Fragment 1979. Die Barrieren der konventionalen Schriftsprache noch über die »fonetische Schreibunk« des genau abgehörten Alltagssprechens hinaus überschreitend stößt S. forschend bis an das mehrsinnige Wurzelwerk der Wörter und damit in Tiefenschichten des Sprechens vor, die das Bewußtsein gewöhnlich absperrt. Sein Diktum: »Der Schriftsteller soll alleine gehen«, ihm oft genug als elitär-reaktionär angelastet, hat nicht zuletzt in dieser Pionierhaltung seine Basis. Von James Joyce, mit dem S. hier vielfach verglichen wurde, unterscheidet ihn freilich die elementare Bindung an die Naturwelt, deren Gestalten sein Werk von Anbeginn mitbevölkern; in noch kaum kenntlichen Metamorphosen zuletzt in Abend mit Goldrand . »In Gesellschaft von Bäumen« und unter den — ihm stets mitlebenden - Texten »vergessener Kollegen« bleiben dem Autor zwanzig »zu späte« Jahre in der ihm gemäßen menschenarmen Landschaft am Rande des Heidedorfs Bargfeld in Niedersachsen. Das Werk des »verhinderten Volksschriftstellers« steht immer noch zur Entdeckung an.
     


Schmidt, arno

Geb. 18.1.1914 in Hamburg; gest. 3.6.1979 in Celle »»VERFLUCHTE ZEITN!< - )«. Der atomare Dritte Weltkrieg ist bereits abgelaufen, wenn die Richter-Figur Kol-derup in der Schule der Atheisten auf zwei Worte bringt, was die literarische Laufbahn seines realen Autors Seh. treffender kaum überschreib .....
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Arno schmidt: »aus dem leben eines fauns« (i953) - der sprachartist

Deserteur im Geiste Der Titel des Kurzromans kann falsche Erwartungen begünstigen. Weder erzählt Arno Schmidt hier eine mythologische Geschichte vom altitalischen Gott Faunus oder von bocksartigen, wein- und weibgierigen Satyrn griechischer Herkunft, noch die Biographie eines faunartigen, lüstern .....
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Index » Roman Chronik

Schmidt, arno

Erst in jüngster Zeit wird der Einfluss des umstrittenen Schriftstellers Arno Schmidt auf die deutsche Literatur nach dem Krieg deutlich. Der Sohn eines Polizisten war schon im Elternhaus ein ungeliebter Außenseiter. Durch passionierte Lektüre bildete er sich neben dem Tagesberuf als Lagerbuchhalte .....
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Theorie: arno schmidt und sigmund freud

Arno Schmidt hat in seinen Berechnungen die These aufgestellt, Dichtungen seien Gedankenspiele, und gelangt zu der Formel LG = E I + E IL Das heißt, in Worten ausgedrückt: Das Längere Gedankenspiel ist jeweils die Summe von objektiver Realität und subjektiver Realität . Schmidt wörtlich: Das Ge .....
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Arno holz (i863-i929): brücke zum zoo - revolution der lyrik?

Brücke zum Zoo Im Tiergarten, auf einer Bank, behaglich, ein Knie über das andere, bequem-nachlässig zurückgelehnt, sitze ich und rauche und freue mich über die schöne Vormittagssonne! Vor mir, glitzernd, der Kanal: den Himmel spiegelnd, beide Ufer leise schaukelnd. Ãœber die Brücke, lan .....
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Nikolaus schmidt - das lied der unterdrÃœckten

Ich bin ein Sohn des Staubes, Ich bin ein Sohn des Lichts, Ich bin das Sturmgeläute Des großen Weltgerichts. Kein weiser Lehrer war es, Der mir zum Singen riet, Mir gab ein Gott die Leier, Mir gab ein Gott das Lied. Es wandelt meine Seele Tief in der Unterwelt, Und lächelnd überschaut sie Das helle .....
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Wolfdietrich schnurre ein fall für herrn schmidt

Die literarische Form der Detektivgeschichte erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Längst hat sich die Literaturwissenschaft ihrer angenommen. Der Philosoph Ernst Bloch hat sie für würdig befunden, zu den philosophischen Strömungen der Zeit in Beziehung gesetzt zu werden1. Er findet Verwandt .....
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Breuer, w. arnold

Biografie: *17.8.1 in Heidenheim/ Brenz. W. Arnold Breuer war von 1974 bis 1980 Regierungsinspektoranwärter bzw. Regierungsinspektor z.A. bei der Oberfinanzdirektion Stuttgart. Er schied auf eigenen Wunsch aus der Beamtenlaufbahn aus, arbeitete als Filmstatist in Berlin und war und ist nebenberuflic .....
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Meyer zu küingdorf, arno

Biografie: *1 in Bad Oeynhausen. A. Meyer zu Küingdorf studierte Philosophie und Kunstgeschichte in Hamburg und lebt seit einigen Jahren in Berlin. Kriminalromane: 1996 Der Kreis des Schweigens, Ullstein; 1999 Die Generalprobe, Ullstein; 1999 Der Selbstmörder-Klub, Re-clam; 2000 Stürmische Tage, Ul .....
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Osso, eis —» eis, egon und eis, otto ott, arnold e.

Pseud. für: Wilfried Otterstedt Biografie:*. A. E. Ott arbeitete nahezu ausschließlich als Hörfunkautor und veröffentlichte seit Beginn der 60er-Jahre eine Vielzahl von Kriminalhörspielen, überwiegend in der Produktion Radio Bremen. Seine Stücke sind konventionelle Spannungs- und Detektivgeschichten .....
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Schmidt, peter

auch unter dem Pseud.: Peter Cahn Biografie: *11.8.1 in Gescher. P. Schmidt war bis 1977 in verschiedenen Berufen tätig. Dann studierte er Literaturwissenschaft und Philosophie, nachdem er mit einer literaturtheoretischen Arbeit über den Wahrheitsund Realitätsbegriff der Literatur durch das Votum d .....
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Arno holz - die kunst. ihr wesen und ihre gesetze.

'Die Kunst hat die Tendenz, wieder die Natur zu sein. Sie wird sie nach Maßgabe ihrer Reproduktionsbedingungen und deren Handhabung." Ja! Das war es! Das hatte mir vorgeschwebt, wenn auch nur dunkel, schon an jenem ersten Winterabend! Und ich sagte mir: Ist dieser Satz wahr, d. h. ist das Gesetz, .....
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Toynbee, arnold joseph

T. ist mit seinem Hauptwerk A Study of History , entstanden in zwölf Bänden von 1934 bis 1961. als der Universalhistoriker par excellence des 20. Jahrhunderts ins Bewußtsein der Öffentlichkeit eingegangen. Die herausragende Leistung T.s besteht darin, daß er die Historiographie zur Kulturtheorie un .....
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Stirner, max (d.i. johann caspar schmidt)

Die Sammlung von St.s kleineren Schriften, die Bernd Laska 1986 unter dem Titel Parerga, Kritiken, Repliken herausgege- ben hat. trägt auf der Rückseite die folgenden Zitate über St.: »der hohlste und dürftigste Schädel unter .....
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Rüge, arnold

Ãœber sein Verhältnis zur Hegeischen Philosophie äußert sich R. an einer Stelle seiner autobiographischen Aufzeichnungen Aus früherer Zeit: »Wir hatten ihn nie so verstanden, wie die Anwälte der religiösen und staatlichen Knechtschaft, die genug in ihm fanden, was für sie, aber auch gegen sein eigen .....
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Harnoncourt, nikolaus

Die Gründung des Ensembles »Concentus Mu-sicus« im Jahr 195 i machte Nikolaus Harnoncourt zum Wegbereiter authentischer Interpretation vor allem alter Musik. In seinen Büchern Musik als Klangrede und Der musikalische Dialog hat er die in der Musizierpraxis gewonnenen Erfahrungen theoretisch fundier .....
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Zweig, arnold

Arnold Zweig war einer der bedeutenden linksliberalen Autoren der späten Weimarer Republik. Der Pazifist wurde berühmt mit dem Anti-kriegs- und Justizroman Der Streit um den Sergeanten Grischa; in ihm zeichnet er das Gesamtbild einer unbarmherzigen Kriegsmaschinerie, in der Macht eindeutig vor Recht .....
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Arnold, gottfried

Ein Christ, ein Wunder Kranz, Gisbert. In: Siebenundzwanzig Gedichte, 1972, S. 70-73. .....
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Holz, arno

Abziehendes Gewitter Seidler, Manfred. In: Lyrik / Deutschunterricht, 1976, S. 8 - 10. Er klagt / dass der Frühling so kortz blüht Schulz, Gerhard. In: Frankfurter Anthologie 2, 1977, S. 81 - 84. Im Thiergarten Grimm, Reinhold. In: Frankfurter Anthologie 5, 1980, S. 129 - 132. Esselbor .....
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Reinfrank, arno

Bäume in Westberlin Dullien, Thomas K. D. In: Reinfrank, 1984, S. 78 - 82. Die Parabol-Antenne Karst, Theodor. In: Und immer ist es die Sprache, 1993, S. 133- 140. Neuer Mainzer Psalter Dullien, Thomas K. D. In: Reinfrank, 1984, S. 83 - 85. Photosynthetischer Versuch Dullien, Thoma .....
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Schmidt, kathrin

Handwerk Radczun, Evelyn. In: WB 25, 1979, S. 115 - 117. .....
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Schmidt, nikolaus

Das Lied der Unterdrückten Götz, Dori. In: Deutsche und rumäniendt. Lyrik, 1981, S. 271 -274. .....
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Schmidt, uve

Deutschlandlied Hippe, Robert. In: Dt. politische Gedichte, 1974, S. 57 - 58. .....
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Scholl, albert arnold

Retrospektiv Ried, Georg. In: Interpretationen moderner Lyrik, 1981, S. 103- 111. .....
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Gehlen, arnold

Der Philosoph. Anthropologe und Soziologe G. war einer der umstrittensten deutschen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts, der auch diejenigen faszinierte, die seinem Werk eher ablehnend gegenüberstanden. Philosophisch war er der Mann der Institutionen, des »objektiven Geistes«, und doch in jeder Zei .....
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