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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Schickele, Rene



Sjährig gründete S., Sohn eines elsässer Weinbauern und einer Französin, in dessen Elternhaus man nur französisch sprach, seine erste literarische Zeitschrift, Der Stürmer, »für künstlerische Renaissance im Elsaß«. Er hatte gerade das Gymnasium in Straßburg ohne Abitur verlassen und dennoch die Immatrikulation an der Universität erreicht, und als die Zeitschrift nach wenigen Nummern einging, gründete er sogleich eine zweite, Der Merker, die allerdings schon mit der dritten Nummer wegen Majestätsbeleidigung - ein Artikel nannte den Kaiser einen »Scharlatan« — beschlagnahmt wurde. In dieser Zeit, das hatten S. und seine Freunde Otto Flake und Ernst Stadler erkannt, waren Straßburg und das Elsaß in eine neue Phase ihrer Entwicklung getreten: Die erst nach der gewaltsamen Annexion von 1871 unter den veränderten Verhältnissen Herangewachsenen konnten sich jetzt nach dreißig Jahren unbefangen auf die besondere Stellung ihrer Heimat zwischen Frankreich und Deutschland besinnen, in dem Bewußtsein, daß Eines »das Elsaß über alle Provinzen von Deutschland erhebt, die Blüte zweier Traditionen«. Für die daraus abgeleitete und propagierte Mittlerfunktion wurde der Begriff des »geistigen Elsässertums« gefunden: »Bruderherzen, eines Tages werden... wir eine Nation sein, diesseits-jenseits des Rheins..., >Elsässer< wird ein... Begriff für die Wesensart aller geistigen Kinder werden, die gallisches und deutsches Blut nährt«.



      Als Journalist, Herausgeber und Ãœbersetzer schlägt sich S. durch; die Universitäten
— in Straßburg, München, Paris, Berlin — sahen ihn freilich nur »flüchtig in ihren Räumen auftauchen«. Der Freund Stadler hält S.s Zeit in Paris als Korrespondent von 1909 bis 1911 für einen Wendepunkt: »Was innerlich lange vorbereitet war..., vollendet diese Stadt. Ein neues Ideal wird in seiner Seele wirksam: der politische Kampf. Die Ästhetenträume zerflattern«. Als er wieder nach Straßburg zurückgekehrt ist, nun als Redakteur einer Zeitung, verhindert nur die Tatsache, daß er noch nicht das Mindestalter von dreißig Jahren hat, eine Kandidatur für den Reichstag, in dem das Elsaß seit der Annexion erstmals vertreten sein wird. Realist und seismographischer Beobachter
- Schreie auf dem Boulevard heißt ein Buch mit Reportagen, die er von Paris mitbrachte — spürt er auch den Krieg kommen. Der Roman Benkai der Frauentröster nimmt Krieg und Revolution utopisch-visionär vorweg. Der Kriegsausbruch macht alle Bestrebungen vorerst zunichte und tötet die Freunde, dort Charles Peguy, hier Stadler. Noch 1914 stellt S., der »zweisprachige Grenzvogel« , in dem Drama Hans im Schnakenloch das Erlebnis der Grenze wieder vor in der Gestalt eines Elsässers mit »zwei Seelen« in der Brust, der zwischen den Nationen und Frauen schwankt, die sie verkörpern, dessen Schwanken indessen nicht Ausdruck platter Haltlosigkeit, sondern der Vielschichtigkeit seines recht eigentlich »elsässischen« Wesens ist. 1915 übernimmt S. - inzwischen in Berlin und zum Wehrdienst nicht tauglich - die Leitung der jungen, aber seit Erscheinen als Sammelpunkt des Expressionismus wirksamen Zeitschrift Die weißen Blätter, führt sie
— zuletzt von der Schweiz aus —jahrelang in seinem pazifistisch-internationalistischen Sinn trotz ständiger Zusammenstöße mit der Zensur und macht sie zur renommiertesten Zeitschrift der modernen Literatur; Johannes R. Becher, Gottfried Benn, Kasimir Edschmid, Franz Kafka und Heinrich Mann gehören zu ihren Mitarbeitern.
      Als das Elsaß nach dem verlorenen Krieg wieder Frankreich zugeschlagen wird, verlegt S. seinen Wohnsitz nach Badenweiler. Die 20er und frühen 30er Jahre sehen ihn dann auf der Höhe seiner Fähigkeiten: Mehrere Romane, darunter das drei Romane umfassende Werk Das Erbe am Rhein , in dem er sein großes Grundthema erneut variiert, begründen Ruhm und Erfolg. Seine internationalistische Haltung hieß ihn jedoch, nachdem er sicher war, daß eine politische »Sonnenfinsternis« komme, schon 1932 nach Südfrankreich emigrieren. Von hier aus, bald von zahlreichen Exilan-ten umgeben, beobachtet er Deutschland, »betrunken von Trauer«, und schreibt sein ganz aus gallischem Geist gespeistes Meisterwerk, den Roman Die Witwe Bosca
— von Thomas Mann gerühmt als »Creme, Blüte, Spitze, das Äußerste an heiterer und gesunder Verfeinerung« und gleichwohl, nach S.s Selbstbekenntnis, eine »Auseinandersetzung mit dem in Mord und Tod verstrickten Europa«. Und hier im Exil entstand auch S.s einziges französisch geschriebenes Buch , Erinnerungen eines Schriftstellers, der die Sprache seiner Mutter verlassen hat, weil der Zauber der deutschen Poesie, der Sprache Johann Wolfgang von Goethes, ihn ganz besitzt.
     


Schickele, rene

Die Roten Hosen Staiber, Maryse. In: Recherches Germaniques 20, 1990, S. 195 - 202. .....
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