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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Rinser, Luise



Die Antithese zu jenem »Wandelmut«, den R. mit Recht für sich in Anspruch nimmt, sieht sie in den konsumistischen Verfestigungen des Denkens, in den Kategorien von »Ordnung und Sicherheit«, in dem »Bedürfnis des Spießers nach geistiger Beharrung«, das sich gegen neue Erfahrungen abschottet. Ihre eigene Bereitschaft, »sich offenzuhalten und... in Frage stellen zu lassen«, verdeutlicht beispielhaft die Radikalität, mit der die Autorin, gegen die Erwartungshaltung ihres damaligen Publikums, sich dem reformerischen gesellschaftlichen Aufbruch der späten 60er Jahre stellt. Das »Wohnen.. . auf den Baustellen« wird zur programmatischen Metapher dafür: »Ich habe zu viele Erdbeben miterlebt, um weiterhin Sicherheit in einem festen Haus zu suchen... Es ist beschwerlich, von Widerspruch zu Widerspruch gejagt zu werden und keine der alten, der >absoluten< Ordnungen wiederzufinden.« Entschlossen verabschiedet sie nun ihre »falsche Imago« einer »bürgerlich«-bejahenden, »der braven katholischen Schriftstellerin, der erbaulichen«, auf die man sie - was allerdings ihrer Fähigkeit zur sensiblen Gestaltung existentieller Verstörtheit nicht gerecht wird — während ihrer zweiten Schaffensphase zu fixieren pflegte.



      Die schriftstellerischen Anfänge R.s, die nach dem Abitur in München eine Ausbildung als Volksschullehrerin absolviert und 1939 aus dem Schuldienst ausscheidet, da sie nicht in die Partei eintreten will, fallen in die Zeit des Nationalsozialismus, deren Mentalität ihr Roman Der schwarze Esel später am Beispiel einer bayerischen Kleinstadt kritisch durchleuchtet. Ihre erste Buchveröffentlichung, Die gläsernen Ringe , die Entwicklungsgeschichte einer Heranwachsenden, wird als ein Beispiel jener dem »Geist« verpflichteten Literatur gelesen, die sich den ästhetischen Vorstellungen der Machthaber verweigert. R. erhält Publikationsverbot; ihr erster Mann, der Kapellmeister Horst Günther Schnell, fällt in einer Strafkompanie an der russischen Front. Ein halbes Jahr vor Kriegsende wird sie infolge einer Denunziation wegen »Wehrkraftzersetzung und staatsfeindlicher Gesinnung« inhaftiert. Nach 1945 profiliert sie sich zunächst mit einigen realistischen Kurzgeschichten, der »anti-antisemitischen« Erzählung Ja« Lobel aus Warschau , die einen wichtigen Aspekt ihres politischen Engagements aus dieser Zeit spiegelt, vor allem aber mit dem Welterfolg des Romans Mitte des Lebens , einer frühen Thematisierung des Anspruchs der Frau auf Selbstverwirklichung, bevor sie dann jene auslaufende Tradition fortzusetzen beginnt, die dem Stichwort der »christlichen Literatur« zugeordnet wurde .
      Ihre zeitkritische Wandlung, die ihr gerade bei einem jungen Publikum zu neuer großer Resonanz verhilft, setzt daher auch im innerkirchlichen Bereich ein. Seit 1959, nach dem Scheitern ihrer zweiten Ehe mit dem Komponisten Carl Orff, in der Nähe von Rom ansässig, beobachtet sie das Zweite Vatikanische Konzil als akkreditierte Journalistin und greift in der Folge einige der von ihm angestoßenen Reformimpulsein theologischen Essays auf. Die Reihe ihrer Tagebücher seit 1970 verbindet eine religiös-»ganzheitliche« Reflexion in der Tradition großer spekulativer Denkrichtungen des Westens und des Ostens mit temperamentvollem Engagement gegen die Destruktivität eines zweckrational-»selbstmörderischen »Fortschritts


Luise rinser

Eine starke Erzählerin ist Luise Rinser. Daß ihre Bücher nicht immer gleichmäßig geraten, liegt an der ungleich» mäßigen Distanz der Dichterin zum Stoff. Ihre besten Er» Zählungen — so die Novelle 'Die gläsernen Ringe" und 'Jan Lobel aus Warschau" — vermitteln uns das Gefühl, daß sie genau an je .....
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Rinser, luise

Die mehrfach preisgekrönte Autorin Luise Rinser hat in ihrem umfangreichen Werk psychologisch differenzierte Romane und Erzählungen geschrieben, die eine breite Leserschaft gefunden haben. Darüber hinaus veröffentlichte sie Kinder- und Jugendbücher, Hörspiele, Tagebücher und Essays. Ihr erzählerisc .....
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Luise rinser die rote katze

Das 'Ich" in dieser Erzählung ist sehr stark mit dem Erlebten innerlich verquickt. Wir erfahren den Vorgang der Geschichte aus der subjektiven Sicht dieses 'Ichs". Der Handlungsablauf ist nur aus der Zeit und aus der Umgebung heraus ganz verständlich, in der er erlebt wurde. Für unsere Schüler ist e .....
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Luise rinser (geb. i9ii)

steht nicht minder fest wie Elisabeth Langgässer und Marie-Luise Kaschnitz auf dem Boden eines positiven Christentums. In ihrem 'Gefängnistagebuch" gibt sie einen erschütternden Bericht über ihre Haft in der Zeit des Nationalsozialismus. Ihre Erzählung 'Jan Lobel aus Warschau" zeigt das Schicksal .....
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Kaschnitz, marie luise

Geb. 31.1.1901 in Karlsruhe; gest. 10.10.1974 in Rom »Als eine ewige Autobiographin, eine im eigenen Umkreis befangene Schreiberin werde ich, wenn überhaupt, in die Literaturgeschichte eingehen, und mit Recht. Denn meine Erfindungsgabe ist gering. Ich sehe und höre, reiße die Augen auf und spitze d .....
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Marie luise kaschnitz popp und mingel

'Popp und Mingel" wendet sich von der Erzählerhaltung her als ein in der Ich-Form geschriebenes Bekenntnis eines Jungen an einen gedachten Hörer oder Leser. Doch man kann von einem Hinweis, den die Erzählung selbst gibt, den gedachten Hörer oder Leser genauer nennen und kennzeichnen. Das erzählende .....
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Marie luise kaschnitz christine

Analyse Thema 'Auch das Schöne muß sterben!" sagt der klassische Dichter. Schorsch könnte seine Trauer mit den beiden anderen Versen aus Schillers 'Nänie" ausdrücken: 'Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle, Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt." Das Thema dieser .....
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Marie luise kaschnitz (i90i-i974): gleichzeitig - lebensbühne

Zur Zeit des Expressionismus entwickelte sich in der Großstadtlyrik ein Gedichttypus, der die Vielfalt gleichzeitiger Eindrücke in den modernen Metropolen wiederzugeben versuchte: das >Simultangedicht .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Erneuerungs- und Warngedicht

Marie-luise kaschnitz (geb. i90i),

erinnert in ihren Anfängen manchmal an Hofmannsthals Symbolismus. Wie Elisabeth Langgässer, so sieht auch sie des Menschen letzten und einzigen Halt im Dasein Gottes: Es muß doch nodi irgendwo sein Eine Kammer voll Orgelwind, Etwas, das trägt und hält. Ein si .....
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Vorstadt - marie luise kaschnitz

Nur noch zwei Bäume Sind übrig vom Hain der Egeria Nur noch zwei Lämmer Von der großen Herde Ein schwarzes Ein weißes Niemand Sieht mehr am Abend Die Zinnen der Mauer Rötlich. Vielstöckige Häuser Kommen gelaufen Stadther Weiße mit blitzenden Fenstern Verschütten Knaben auf Knattern .....
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Index » Gedichte aus unserer Zeit - Interpretationen

Hiroshima - marie luise kaschnitz

Der den Tod auf Hiroshima warf, Ging ins Kloster, läutet dort die Glocken. Der den Tod auf Hiroshima warf Sprang vom Stuhl in die Schlinge, erwürgte sich. 5 Der den Tod auf Hiroshima warf Fiel in Wahnsinn, wehrt Gespenster ab Hunderttausend, die ihn angehen nächtlich Auferstandene aus Staub für ih .....
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Ostia antica - marie luise kaschnitz

Durch die Tore: niemand Treppen: fort ins Blau Auf dem Estrich: Thymian Auf den Tischen: Tau. 5 Zwiegespräch aus Stille Tod aus Käferzug Abendrot im Teller Asche im Krug. Asphodeloswiese 10 Fledermäusekreis Diesseits oder drüben Wer das weiß - Dieses berühmte moderne >Rom-Gedicht< entstamm .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Juni - marie luise kaschnitz

Schön wie niemals sah ich jüngst die Erde. Einer Insel gleich trieb sie im Winde. Prangend trug sie durch den reinen Himmel Ihrer Jugend wunderbaren Glanz. 5 Funkelnd lagen ihre blauen Seen, Ihre Ströme zwischen Wiesenufern. Rauschen ging durch ihre lichten Wälder, Große Vögel folgten ihrem Flug. .....
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Kaschnitz, marie luise

Agrigent Neis, Edgar. In: Städte und Landschaften, 1978, S. 151 - 153. Am Strande Bondy, Barbara. In: Gedichte für Schule, 1993, S. 149- 151. Auferstehung Kaschnitz, Marie Luise. In: Doppelinterpretationen, 1986, S. 94 - 95. Kuhn, Hugo. In: Doppelinterpretationen, 1986, S. 96 - 97. Bes .....
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Kaschnitz, marie luise

Marie Luise Kaschnitz gut als eine der profiliertesten deutschsprachigen Autorinnen der Nachkriegszeit. Geschätzt wird sie vor allem als Lyrikerin, die zeitkritische Themen in strenger, formvollendeterWeise gestaltete . In knapper, eindringlicher Sprache schuf sie auch Romane, Erzählungen, Essays un .....
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Kunz, eva luise

Biografie: *5.7.1 in Baden-Baden. E. L. Kunz studierte in Paris und Heidelberg und ist Diplomübersetzerin für Italienisch und Französisch. Vierzehn-Tage-Reisen langweilen sie; sie zieht lieber gleich für mehrere Jahre in die Ferne: Saö Paulo als Kind, Paris als Jugendliche, Sizilien als Studentin un .....
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