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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Ringelnatz, Joachim



Von Behörden ließ Hans Bötticher, Sohn des Musterzeichners und Schriftstellers Georg Bötticher, sich mit der Berufsbezeichnung »Artist« registrieren. Gearbeitet hat er in etwa vierzig Berufen, war Kommis in Leipzig und Tabakladenbesitzer in München, Bibliothekar beim Grafen Yorck von Wartenburg und bei Börries Freiherr von Münchhausen, Fremdenführer und Schaufensterdekorateur usw. usw. und war schließlich auch Seemann: von 1901 bis 1903 als Schiffsjunge, Leichtmatrose und Matrose auf Fahrten nach Beiice, Venedig, Konstantinopel, Odessa, New York, 1904 als Einjährig-Freiwilliger und von 1914 bis 1918 als Marinesoldat der Kaiserlichen Kriegsmarine, ab 1917 Kommandant eines Minensuchbootes. Seinem Seemannsleben sind nicht allein die Erinnerungen Was ein Schiffsjungen-Tagebuch erzählt , Als Mariner im Krieg , Matrosen zu verdanken, auch eine Reihe von Erzählungen und der Dreiakter Die Flasche , sondern vor allem die Figuren des trinkfesten herzlich-derben Kuttel Daddeldu und des Artisten R. selbst, in obligater Matrosenkluft, mit obligatem Weinglas in der Hand. Sein Künstlername, der ihm einfach eingefallen sei und unter dem er 1919 zum ersten Mal schrieb, klingt an »Ringelnaß«, das Seepferdchen, an. 1909 debütierte R. in Kathi Kobus »Künstlerkneipe«, wo Ludwig Scharf sein Proleta sunt, Erich Mühsam War einmal ein Revoluzzer rezitierte und Frank Wedekind zur Laute sang: im Münchner »Simplicissimus«, dessen »Hausdichter« er bis 1911 blieb. Dem »Marineleutnant a.D.«gelang dort 1919 auch ein Neuanfang, und als er im Jahr darauf in Ernst von Wolzo-gens Berliner »Schall und Rauch« reüssieren konnte, bereiste er fortan die Kabarett-und Kleinkunstbühnen Deutschlands . Seine letzte Tournee führte ihn 1933 — von den Nationalsozialisten mit Auftrittsverbot belegt — in die Schweiz; zu dieser Zeit war er bereits durch die beginnende Tuberkulose geschwächt. Bei seiner Beerdigung spielte man La Paloma, sein Lieblingslied.



      Das Ringelnatz-Bild war schon zu Lebzeiten einseitig durch Kuttel bestimmt. Bekannt als »Krakeeler«, als spöttischer »Vorturner« der Turngedichte überwucherten die Geschichten vom Vagabunden, Trinker und Bürgerschreck den sensiblen Lyriker , experimentierenden Romancier und Kinderbuchautor . Er selbst stellte fest: »Ich bin nicht der olle ehrliche Seemann.« Er habe 1905 »dicke Tränen« geweint, als er nach Einspruch des Vaters seine Immatrikulation an der Universität Hamburg zurückziehen mußte, versuchte in den ersten »Simpl«-Jahren, seine fehlenden Kenntnisse »in Latein, Geschichte, Literaturgeschichte und anderem« aufzuholen, und war betroffen, als ihn 1913 die »Hermetische Gesellschaft«, eine jener gebildet-geistreichen Künstlergesellschaften, wegen unzureichend beantworteter Prüfungsfragen nur als »Appendix« aufnahm. »Ohne Geld, ohne Wohnung und ohne Verstand« hatte R. 1920 seinen »Lebensadju-danten Muschelkalk« geheiratet, eine Wohnung dann in München und 1930 in Berlin gefunden, der Geldmangel aber blieb notorisch.
      Der Artist, der in den Inflationsjahrcn immer neue Finanzpläne entwarf, arbeitete exzessiv: Im Engagement meistens zweimal abends auf der Bühne, schrieb er in Garderoben, tagsüber in Cafes oder Wartesälen, nicht selten mit Brotaufträgen von Vereinen oder Gesellschaften beschäftigt, und führte seine Notizbücher ebenso gewissenhaft wie seine Korrespondenz, in der er unermüdlich seine Arbeiten zum Druck anbot. Bei alledem malte und zeichnete er und »nicht aus Spielerei, sondern mit viel Liebe, wenn auch mit viel Kampfund Unsicherheit«. 1923 fand in Berlin seine erste Ausstellung statt, 1925 nahm die Berliner Akademie seinen Winter an, nach 1933 wurde Nachts am Wasser als »entartete Kunst« aus der Berliner Nationalgalerie entfernt. R. war »etwas schief ins Leben gebaut... eine alte Kommode/Oft mit Tinte oder Rotwein begossen/Manchmal mit Fußtritten geschlossen/Der wird kichern, der nach meinem Tode/Mein Geheimfach entdeckt.«


Joachim ringelnatz (i883-i934)

Ringelnatz, Joachim - genau so sieht er aus: Visage fürs Visier geschaffen, kneiffaltig-knochiges Sturmhaubengesicht, ein geiernder Raubritterschädel als Maximum an Romantik auf einem sehnigen Minimum an Körper, nervenstrangulierter Kondorhals, mager wie eine ramponierte Sprungfeder der Phantasie, d .....
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Schenken - joachim ringelnatz

Schenke groß oder klein, Aber immer gediegen. Wenn die Bedachten Die Gaben wiegen, Sei dein Gewissen rein. Schenke herzlich und frei. Schenke dabei Was in dir wohnt An Meinung, Geschmack und Humor, So daß die eigene Freude zuvor Dich reichlich belohnt. .....
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Ringelnatz, joachim

An der Alten Elster Kleßmann, Eckart. In: Frankfurter Anthologie 7, 1983, S. 151 - 154. An meinen längst verstorbenen Vater Kleßmann, Eckart. In: Frankfurter Anthologie 6, 1982. S. 145 - 148. Ansprache eines Fremden an eine Geschminkte vor dem Wilberforcemonument Graefe, Heinz. .....
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Ringelnatz, joachim

Joachim Ringelnatz gilt als der größte lyrische Humorist seiner Zeit. Seine parodistischen, in antibürgerlichem Gestus gehaltenen und amoralisch wirkenden Gedichte zeichnen sich sowohl durch beißenden Spott und erotische Derbheit als auch durch melancholisch-introvertierte Züge aus. Ringelnatz wuch .....
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Winckelmann, johann joachim

Johann Joachim Winckelmann bereitete der klassischen Archäologie als einer modernen Wissenschaft den Weg und begründete die neuere Kunstwissenschaft. Winckelmann studierte 1738-40 Theologie in Halle . Nach einer einjährigen Tätigkeit als Hauslehrer nahm er 1741 ein Medizinstudium in Jena auf. Ab 17 .....
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Sapper, hans-joachim

Biografie: *27.5.1 in Berlin. H.-J. Sapper wuchs bis zur Flucht der Eltern 1956 in Falkensee auf. Er ist heute als Dezernent im Bereich Innere Kommunikation der BfA tätig. H.-J. Sapper schrieb zahlreiche Kurzgeschichten von Schulzeiten an. Nach einem Unfall 1997 für nahezu zwei Jahre ans Haus gefe .....
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Joachim wittstock - tÃœrkenhÃœgel

Tafelberg, den Vögeln entgegengebogen daß sie ihn nachtlang beschweren ein Hügel — allein ohne gefallene Türken doch aller, die je gegen sie gekämpft So sind auch Heldengräber nicht Gräber für Helden doch jener, die südwärts ritten erst wenn der Halbmond sich lodernd über sie goß wurden sie .....
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Fest, joachim

Joachim Eest zählt nicht nur zu den angesehensten zeitgeschichtlichen deutschen Autoren, sondern er setzte auch in aktuellen politischen Debatten als konservativer Intellektueller und politischer Feuilletonist immer wieder Akzente. Mit zahlreichen Veröffentlichungen und als Herausgeber der Frankfurt .....
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Joachim da fiore

Der trühe Lebensgang J.s ist nur legendarisch faßbar: Er soll in Celico Kalabnen geboren und am Hofe Rogers IL erzogen worden sein. Auf einer Reise nach Konstantinopel und ins Heilige Land bekehrte er sich zum religiösen Leben, kehrte nach Kalabnen zurück und trat in den Zisterzienserorden ein. 1177 .....
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Wittstock, joachim

Türkenhügel Anger, Horst. In: Deutsche und rumäniendt. Lyrik, 1981, S. 320-324. .....
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Uhlmann, joachim

Melancolia von Dürer Kelletat, Alfred. In: Drei Deutungen, 1971, S. 10 - 15. Säule Kelletat, Alfred. In: Festschrift Merentitis, 1972, S. 194- 198. .....
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Rochow, joachim

Abends Günther, Joachim. In: Doppelinterpretationen, 1986, S. 164- 166. Rochow, Joachim. In: Doppelinterpretationen, 1986, S. 160- 163. .....
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Neander, joachim

Der Lobende Weber, Albrecht. In: Deutsche Barockgedichte, 1967, S. 114- 117. .....
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Leidel, hans joachim

Die drei Wespen des Sir James Jeans Johannimloh, Norbert. In: DU 14, 1962, H. 3, S. 84 - 87. .....
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Haecker, hans joachim

Der Abend der Medici-Gräber Pieczonka, Annette. In: Sprachkunst / Bildende Kunst, 1988, S. 224 - 229. Der Morgen der Medici-Gräber Pieczonka, Annette. In: Sprachkunst / Bildende Kunst, 1988, S. 200-210. Der Tag der Medici-Gräber Pieczonka, Annette. In: Sprachkunst / Bildende Kunst, 198 .....
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Fuhrmann, joachim

Wo isser denn? Roesch, Claudia H. In: Bild des Kindes, 1989, S. 23 - 24. .....
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Joachim g. boeckh, gÜnter albrecht, kurt bÖttcher, klaus gysi, paul gÜnter krohn, hermann strobach

Geschichte der deutschen Literatur. Bd. 5: 1600-1700 [...] Die innerhalb der Literaturentwicklung des 16. und 17. Jahrhunderts - die sich insgesamt als Ãœbergangsepoche vom Feudalismus zum Kapitalismus darbietet - kurz vor 1600 gesetzte Zäsur bezeichnet den Anfang einer neuen gesellschaftlichen un .....
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Ringelnatz,  Joachim    





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