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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Lenz, Hermann



Ein Foto von einer Straße aus der Zeit vor den Weltkriegen — und sei eine noch so finstere oder belanglose Gegend abgebildet — löst ein »realistisches Märchengefühl« aus: Trauer, Heimeligkeit, zugleich das konkrete Wissen, das die Zirkel der »oral history« und der Alltagsgeschichtsschreibung füllt. So nämlich hat es wirklich einmal ausgesehen. Dieses Märchen war einmal. Dieses Gefühl, dieses Wissen sind das wichtigste Thema L.s, das Zentrum seines Werks. L. wurde ein Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, vor dem Beginn des ersten der großen Modernisierungsschübe geboren, in denen das 19. Jahrhundert, die traditionelle bürgerliche Welt, unterging. L. ist ein Chronist all dessen, was diesen Modernisierungsschüben, zu denen der Technikkult, der Amerikanismus der 20er und 30er Jahre, der Faschismus ebenso gehören wie das »Wirtschaftswunder« oder die kulturrevolutionäre Reformära am Ausgang der 60er Jahre, zum Opfer fiel. Das von der Geschichte Verworfene scheint klein, unwichtig, die Beschäftigung damit müßig — L. Figuren, seine Geschichten, die nicht nur in den späten, offen autobiographischen Romanen immer tagebuchartig-persönlich wirken, markieren einen Gegenpol zu jeder Art gesellschaftlichen Eingreifens, zu jeder Art von Heroismus. »Erich erzählte von seinem Leben in der Buchhandlung und sagte, wenn er dort nichts tue als sitzen, ab und an einen Büchertitel auf eine Karteikarte kritzele oder Rechnungen schreibe, habe er das Gefühl, als würde sein Kopf weit und nähme auch Vergangenes herein und kläre es. Weit abseits zu sein, daslasse er sich gern gefallen« — in dieser Haltung überlebt eine Figur in Der Kutscher und der Wappenmaler die Nazizeit, und in dieser Haltung, kann man sich vorstellen, hat auch der Autor selbst sein Leben bestanden. Studium in Heidelberg und München während des Nationalsozialismus, 1940 Soldat im Krieg gegen die Sowjetunion, Kriegsgefangener in den USA, 1946 Rückkehr in das unzerstörte Stuttgarter Elternhaus - diese Zeit und der Beschluß, »abseits zu bleiben und etwas fertigzubringen nur mit Papier und einem alten Federhalter, in dem wie vor zwanzig Jahren eine Stahlfeder steckte«, wird beschrieben in der autobiographischen Romantetralogie Verlassene Zimmer , Andere Tage , Neue Zeit , Tagebuch vom Ãœberleben und Leben . Als einen »poetischen Geschichtsunterricht... voller Anmut, voller Würde« bezeichnete Peter Handke, der den Autor in den 70er Jahren »entdeckte«, dieses autobiographische Romanprojekt. L. schreibt viel, wird wenig beachtet, verdient sein Geld als Kulturfunktionär. Seit 1951 ist er Sekretär des Verbandes deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg. L. hatte schon in seiner Studentenzeit Gedichte und kleinere Erzählungen veröffentlicht. Jetzt entstehen surreal-phantastische Erzählungen: Das doppelte Gesicht , Spiegelhütte und Romane, die in einer österreichischen und süddeutschen Vergangenheit etwas auffinden wollen, was vom Furor des Wiederaufbaus, der ja auch eine Zerstörung war und vom Wachstumsfetischismus der 50er und 60er Jahre noch unangetastet blieb: Die Augen eines Dieners , Der Kutscher und der Wappenmaler , Dame und Scharfrichter . L. Hauptwerk bilden die drei Romane, die er 1980 unter dem Titel Der innere Bezirk zusammenfaßte und abschloß. Die Geschichte Margots von Sy und ihres Vaters kontrastiert die Umwälzungen in den 30er Jahren mit der Geschichte eines »Bezirks«, in dem allein die Gesetze der individuellen Erfihrung und des persönlichen Wachstums gelten. Die stoische Maxime »Sieh nach innen« des römischen Kaisers und Philosophen Mark Aurel umreißt in diesen Büchern einen Widerstandsraum, in dem die Emotionen und Sehnsüchte Zuflucht finden, die von einem »Fortschritt«, der in Wirklichkeit eine Katastrophe ist, ausgetrieben werden sollen. Diesen Bezirk, diesen Garten des Anachronistisch-Menschlichen, dieses Museum des Gefühls hat L. gepflegt — es scheint, daß hier das Zentrum seines unspektakulären Lebens liegt. Solche Priorität ist — wohl notwendig — erkauft mit einer Gleichgültigkeit gegen alle »Geltung«, gegen den »Erfolg«, der bei L. spät kam, Mitte der 70er Jahre: 1978 bekam er den Büchner-Preis, in dieser Zeit erst wechselte er zum Suhrkamp-Verlag. Kutscher und Leibdiener: solche Berufe haben seine Helden, in diesen sozialen Milieus entfalten sie ihre seismographische, zum Äußersten verfeinerte Sinnlichkeit. Und ist nicht L. selber, der Journalist, Verbandssekretär, kaum beachtete Schriftsteller lange Zeit ganz ähnlich in einer Art Subalternität verborgen gewesen? War er nicht, abgesehen vielleicht von Arno Schmidt, von allen bedeutenden bundesdeutschen Nachkriegsschriftstellern der am wenigsten Geehrte, »Erfolgreiche«? 197$ ist L. von Stuttgart nach München gezogen. Unterdessen verlagerte sich das wirtschaftliche Schwergewicht der Republik in den Mittleren Neckarraum, holte das »Wachstum« das Gewachsene auch in einer Gegend ein, die lange noch »Provinz« hatte bleiben dürfen. Die Stuttgarter Altstadt erstrahlt inzwischen im Neonglanz der Yuppie-Cafes und spiegelt sich in der Marmorverklei-dung bombastischer »Schwaben-Centers«. Margot von Sy könnte hier keine Dachkammer mehr mieten, die nicht schon längst zum »Loft« ausgebaut wäre. »Sie lächelte und das Vergangene glitt wieder her.«





Lenz, hermann

In der schlechten Zeit Lenz, Hermann. In: Pausen zwischen den Wor ten, 1986, S. 67 - 70. Regen Hieber. Jochen. In: Frankfurter Anthologie 12 1989, S. 215-218. .....
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Vers und strophen als konstituenten von Äquivalenz

«Vers» kommt von lateinisch vertere, vom Wenden des Pflugs beim Pflügen. Parallel wie die Furchen im Acker liegen die Verse im Gedicht. Anders als die oben zitierten Gedichte von Plath und Gernhardt, die den Vers mit der syntaktischen Struktur zur Deckung bringen, indem sie den Satz am Versschluss .....
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Hermann stehr (i864-i940) - die heimatdichtung

Ein anderer Literaturzweig, der zum mindesten seiner geistigen Herkunft nach im Naturalismus wurzelt, ist die Heimatdichtung. Zwar haben auch Dichter früherer Epochen ihre Heimat besungen ; die bewußte Gestaltung der heimatlichen Umwelt aber als schicksalhaftes Milieu ihrer Menschen setzte erst mit .....
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Der westpreuße hermann löns (i866-i9i4)

entfaltet seine meisterhafte Erzählkunst an allem, 'was da kreucht und fleugt" vor der prächtigen Landschaftskulisse seiner heimatlichen Heidewelt. Insbesondere in seinen Tiergeschichten hat sich der Dichter als schöpferischer Sprachgestalter erwiesen. Tiefe Liebe zur Natur und die immer wache Beob .....
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Index » VOM NATURALISMUS ÜBER DIE JAHRHUNDERTWENDE » Der Impressionismus

Hermann hesse (i877-i962).

Er begann mit Heimat- und Entwicklungsromanen, die Jugenderinnerungen enthielten: Mit 'Peter Camenzind" , dem Lebenslauf eines verträumten Vagabunden, und 'Unterm Rad" , der naturalistisch gehaltenen Geschichte eines gepeinigten Schülers, der in den Tod geht. Aus ihnen spricht, wie aus den meisten a .....
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Hermann broch (i886-i95i)

gestaltet den Zusammensturz der alten Werte insbesondere in seiner Romanfolge 'Die Schlafwandler". Gestalten der Jahrhundertwende treten auf, die in schlafwandlerischer Selbstzufriedenheit in eine Weltkatastrophe hineintaumeln. Brochs Hauptwerk entstand während der Zeit seiner Emigration in Amerika: .....
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Hermann kasack (i896—i965)

Er knüpft deutlich an Franz Kafka an. In seinem Roman 'Die Stadt hinter dem Strom zeichnet der Dichter einen Totentanz unserer Kultur, unseres Glaubens, unserer Hoffnungen, unserer Liebe. Auch der Roman 'Das große Netz" spielt in einer Scheinwirklichkeit. Er ist, im Kern genommen, eine bittere Sat .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Nach 1945

Siegfried lenz (geb. i926).

Er stammt aus Lyck, war als junger Matrose 'Augenzeuge der großen Flucht und des Untergangs vieler Schiffe" und lebt seit 1945 in Hamburg. Als Postulat seines Schaffens nennt er '. . . ein gewisses Mitleid, Gerechtigkeit und einen nötigen Protest". Einige seiner Werke verarbeiten Kriegs- und Nachkri .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Nach 1945

Hermann hesse: »narziß und goldmund« (i930) ein bildungsroman im historischen gewand

Künstlertum - Berufung, nicht Beruf Im April 1927, in dem Jahr, da »Der Steppenwolf« erscheint und die Arbeit an »Narziß und Goldmund« beginnt, ergeht in Basel ein merkwürdiges Gerichtsurteil. Die zweite, verhältnismäßig kurze Ehe Hermann Hesses mit der Sängerin Ruth Wenger wird geschieden. Hesse .....
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Index » Roman Chronik

Hermann sudermann (i857-i928).

Er verfügte zwar über ein prachtvolles technisches Können, doch fehlte seinen Stücken der dichterische Zug, den er in einigen seiner erzählenden Werke erreicht, in denen die reinen Quellen der Verbundenheit mit der ostpreußischen Heimat fließen. Zu Sudermanns erfolgreichsten dramatischen Werken zähl .....
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Index » VOM NATURALISMUS ÜBER DIE JAHRHUNDERTWENDE » Der Naturalismus

Sprachliche aspekte der ambivalenz

Die karnevalislische Koinzidenz, die jäh alle Werlordnungen und Hierarchien umstürzt, ist für nahezu alle modernen Romane kennzeichnend. Sie hat u.a. zur Folge, daß die herrschenden Werte, die zumeist die Werte der Herrschenden sind, mit Unwerten verknüpft und diskreditiert werden. Wo das Erhabene u .....
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Index » Moderne / Postmoderne Literatur » Von der modernen zur postmodernen Literatur: Ambivalenz, Indifferenz und Ideologie

Moderne literatur und ambivalenz: zwischen nietzsche und freud

Möglicherweise ließe sich zeigen, daß die Ambivalenz als dialektische Einheit der Gegensätze ohne Synthese, als Zusammenführung unvereinbarer Werte {ambo-vulor) und als Zusammenwirken einander entgegengesetzter Regungen im psychoanalytischen Sinne das strukturierende Prinzip von Nietzsches Philosop .....
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Index » Moderne / Postmoderne Literatur » Von der modernen zur postmodernen Literatur: Ambivalenz, Indifferenz und Ideologie

Die problematiken des modernismus und der postmoderne: ambiguität, ambivalenz und indifferenz

Die literarische und literalurwissenschaftliche Diskussion hat hier auch deshalb einen »paradigmatischen« Stellenwert, weil eine der gegenwärtigen Bedeutungen des Wortes »Postmoderne« in den Jahren 1959-60 entstanden ist, als die amerikanischen Lileraturwissenschaftler Irving Howe und Harry Levin4 .....
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Index » Moderne / Postmoderne Literatur » Modernismus und Postmoderne: Die literatur wissenschaftliche Debatte

Stufen - hermann hesse

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. 5 Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern In andre, neu .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Im nebel - hermann hesse

Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den andern, Jeder ist allein. 5 Voll von Freunden war mir die Welt, Als noch mein Leben licht war; Nun, da der Nebel fällt, Ist keiner mehr sichtbar. Wahrlich, keiner ist weise, 10 Der nicht das Dunkel kennt, Das unent .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Weiße, christian hermann

In seiner alphabetischen Bibliographie der Hegeischen Schule von 1860/61 rechnet Karl Rosenkranz zwar die frühen Schriften W.s zur Philosophie des Hegelianismus, macht dabei allerdings die Einschränkung, daß mit dem System der Philosophie 11832) W. schließlich »Abschied von der Hegeischen Philosophi .....
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Reimarus, hermann samuel

Er ist ein wahrer gesetzter Deutscher, in seiner Schreibart und in seinen Gesinnungen. Er sagt seine Meinung gerade zu, und verschmähet alle kleinen Hülfsmittel, den Beifall seiner Leser zu erschmeicheln.« Mit diesen Worten charakterisierte Lessrng den Autor einer religionskritischen Schrift, die er .....
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Helmholtz, hermann von

Auf dem Innsbrucker Treffen der deutschen Naturforscher von 1869 verkündet H. das Programm eines kompromißlosen Phvsikalismus: »Endziel der Naturwissenschatten ist, die allen anderen Veränderungen zugrundeliegenden Bewegungen und deren Triebkräfte zu finden, also sie in Mechanik aufzulösen.« H. rich .....
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Schein, johann hermann

Mit Frewden Weber, Albrecht. In: Deutsche Barockgedichte, 1967, S. 40 - 42. .....
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Hermann broch: »die schlafwandler« (i932) - häutungen der romanform

Lebenshaltungen des Wilhelminischen Zeitalters Mit einem Ãœberraschungscoup endet der erste Roman in Brochs Trilogie »Die Schlafwandler«. Nur vier Sätze umfaßt der vierte und letzte Abschnitt, Sätze, die den Leser zugleich brüskieren und herausfordern. An den ausführlichen und genauen Bericht übe .....
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Siegfried lenz: »heimatmuseum« (i978) - >imaginäre geschichtsschreibung

Episches Protokoll eines Verlustes »Aus dem Ploetz [...] können wir erfahren, wann und wie die Rückführung deutscher Kriegsgefangener vor sich ging, eine Erzählung von Böll oder Borchert aber führt uns vor Augen, was es heißt, aus Krieg und Gefangenschaft zurückzukehren.« So schreibt Siegfried Le .....
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Index » Roman Chronik

Siegfried lenz der beweis

Grundlagen der Erzählkunst von Siegfried Lenz 'Schreiben ist eine gute Möglichkeit, um Personen, Handlungen und Konflikte verstehen zu lernen", sagt Lenz in einer 'Autobiographischen Skizze"1. Sein Bestreben ist es, 'einen wirkungsvollen Pakt mit dem Leser herzustellen, um die bestehenden Ãœbel zu .....
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Siegfried lenz das wrack

Analyse In dieser Geschichte erzählt Lenz vom Unglück des armen Fischers Baraby, dessen Fleiß und Wagemut ihn nicht vor dem Schicksal des Glücklosen bewahren. Baraby gehört zu einer Gruppe von Flußfischern, die im breiten Mündungsgebiet der Elbe fischen. Gelegentlich schlachten sie ein Wrack aus, a .....
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Hermann kasack mechanischer doppelgänger

1. Einleitende Bemerkungen zur Einordnung der Erzählung Das Motiv des Doppelgängers hat eine literarische Tradition. Den Schülern wird es aus Detektiv-, Grusel- und Abenteuergeschichten bekannt sein. Roboter oder künstliche Menschen sind in der Literatur ebenfalls in unterschiedlichen Ausprä .....
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Index » Erzählungen der Gegenwart

Siegfried lenz die große konferenz

Die Erzählung 'Die große Konferenz" von Siegfried Lenz ist der bekannten Sammlung masurischer Geschichten entnommen, die 1955 unter dem Titel 'So zärtlich war Suleyken" herausgegeben wurde. Hier werden Jugenderinnerungen in einer besonderen Form dargeboten. Weder die Personen noch geographische Einz .....
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