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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Le Fort, Gertrud von



»In Hildesheim kam ich... mit 14 Jahren endlich in eine rich-tige Schule.« Bis zu diesem Zeitpunkt war die einer alten Familie protestantischer Emigranten aus Norditalien und Sa-voyen entstammende preußische Offizierstochter, auch aufgrund einiger Ortswechsel, »privatim unterrichtet« worden. Ihre »Entwicklung« verläuft in jeder Hinsicht »sehr langsam« und ungewöhnlich. Zwischen dem 32. und 41. Lebensjahr hospitiert sie mit Unterbrechungen an den Universitäten Heidelberg, Marburg und Berlin hauptsächlich an den theologischen, philosophischen und historischen Fakultäten, wobei sie gelegentlich »die einzige weibliche Hörerin« ist.



      Eine offizielle Immatrikulation ist nicht möglich, da sie kein Abitur besitzt. Ihre Heidelberger Studienzeit bezeichnet Le F. rückblickend als »die wichtigste und entscheidendste Etappe meines Lebens«, insofern ihr hier eine weit zurückreichende Bezogenheit auf die »Vereinigung der getrennten Bekenntnisse« bewußt wird. Mit ihrer Konversion in Rom, dem Ziel mehrerer Reisen, zieht sie 1926 die Konsequenz aus dieser Einsicht, die sie eben nicht als Zeichen der konfessionellen Konfrontation, sondern als deren möglicher Ãœberwindung in der »Einheit des Glaubens« verstanden wissen will.
      Zwei Jahre zuvor war mit den Hymnen an die Kirche ihr über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus aufsehenerregendes Debüt von literarischem Rang erfolgt. Ihren zahlreichen »jugendlich unreifen« Versuchen in Vers und Prosa mißt sie selbst keinen großen Wert bei. Die spätexpressionistisch-ekstatische Stillage wird mit der Verlagerung ihres Schaffens auf die Epik von einem historischen Realismus abgelöst — wichtige Ausnahme sind die beiden Teile des Gegenwartsromans Das Schweißtuch der Veronika —, der seinen Höhepunkt in der Novelle Die Letzte am Schafott findet, einer frühen Gestaltung existentieller Weltangst, die zugleich auf die Modernität dieser um die Transparenz »ewiger Ordnungen« bemühten Kunst verweist. So begreift Le F. auch »das Historische nie als eine Flucht aus der eigenen Zeit, sondern als den Abstand, von dem aus man die eigene Zeit schärfer erkennt«.
      Mit ihren Romanen und Erzählungen, deren letzte in ihrem 92. Lebensjahr erscheint, profiliert sich Le F., die von 1922 bis 1939 in Baierbrunn bei München lebt, bevor sie sich zwei Jahre später definitiv in Oberstdorf, ihrem Kurort, zu bleiben entschließt, als eine führende Repräsentantin der sogenannten »christlichen Literatur«, die, bei allen grundsätzlichen Vorbehalten gegenüber dieser »doch etwas gequälten Unterscheidung«, für sie »eine volle rückhaltlose Abwendung von allem Moralismus und Pharisäertum« sowie die »unwiderstehliche Neigung« beinhaltet, sich entgegen allen bürgerlichen Sicherungsbedürfnissen »der Fragwürdigen, der Angefochtenen, ja der tragisch Gescheiterten anzunehmen« . Obschon dieser Prämissen wegen Spannungen mit ihrem Publikum nicht ausbleiben, ist gerade Le F.s Beitrag zur literarischen Einübung des seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im kultu-rellen Ghetto verharrenden deutschen Katholizismus sozialgeschichtlich von hohem Belang.
      Seine Religiosität macht ihr Werk den nationalsozialistischen Literaturgeschichten suspekt, die Le F. seit 1938, dem Erscheinungsjahr des nicht nur als ökumenischer, sondern auch als Appell gegen die Gewalt lesbaren Romans Die Magdeburgische Hochzeit, übergehen. Zumal ihre Hymnen an Deutschland hatten sie vorher freilich als Verfechterin eines dem mittelalterlichen Vorbild verpflichteten, vordemokratischen Reichsdenkens ausgewiesen.
      Nach dem Zweiten Weltkrieg registriert die hochdekorierte Dichterin mit Sorge den »tiefen Umbruch auf allen Gebieten« . Ihre Kritik richtet sich insbesondere gegen die gesellschaftlich vertestigte Macht einer aggressiven, »einseitigen und übersteigerten Männlichkeit«, der sie in ihren Frauengestalten modellhaft die Utopie humaner Veränderung durch die Fähigkeit zu Liebe und Verzeihen sowie zu einer »rebellischen... Gewaltlosigkeit« entgegensetzt. Ihr Bild der »mütterlich« opferbereiten Ewigen Frau ist gewiß nicht identisch mit dem modernen Emanzipationspostulat, weist aber gleichwohl bedeutsam in die Zukunft. Die Frau unterscheidet sich bei ihr vom Mann gerade durch ihren Verzicht auf jedes Herrschaftsgebaren; sie ist die »Beschützerin des Lebens«, nicht nur der durch den »modernen Krieg« bedrohten Menschheit — ihre Erzählung Am Tor des Himmels reflektiert dessen naturwissenschaftliche Genese —, sondern auch von »Tier und Pflanze«, die ebenso gefährdet sind. Da der Mensch für Le F. nicht »das Recht« hat, selbst der vorgeblichen Verteidigung von »Glaube« oder »Freiheit« wegen, »das zwangsweise Massensterben« zu verordnen und »die Schöpfung Gottes zu vernichten«, engagiert sie sich noch im hohen Alter zugunsten des »Komitees gegen Atomrüstung« der späten 50er Jahre.
     


Gertrud von le fort (geb. i876).

Einer ihrer tiefsten Romane ist die 'Magdeburgische Hochzeit", in der das Schicksal der von Tilly eroberten Reichsstadt in symbolischem Zusammenhang steht mit der auseinandergerissenen und erst im Elend wieder vereinigten Liebe eines jungen Paares. Ihr Hauptwerk, 'Das Schweißtuch der Veronika", sch .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Zwischen den beiden Weltkriegen

Gertrud von le fort

Das Schaffen der Dichterin Gertrud von Le Fort wurzelt in der gleichen dichterischen Tradition wie das Werner Bergengruens. Unter den zahlreichen Novellen, die die Dichterin geschaffen hat, — aus der Reihe der Erzählungswerke sei an dieser Stelle nur ,Die Abberufung der Jungfrau von Barby und die .....
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Index » Novellenschaffen in christlicher Tradition

Le fort, gertrud von

Gertrud von Le Forts Gedichte, Erzählungen und Romane behandeln die Suche des Menschen nach religiöser Wahrheit und Bestätigung des christlichen Weltbildes in Zeiten der moralischen und seelischen Entfremdung von Gott. Ihre Werke, die sich besonders dem Schicksal der Frau widmen, sind der katholisch .....
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Hellmut holthaus wahrhaftige geschichte von der spazierfahrt oder mit dem auto sieht man etwas von der welt

1. Erster Arbeitsschritt: Motivationsphase Methode: Vor Lektüre der Erzählung können die Schüler von Autospazierfahrten, z. B. an Sonntagen, berichten. 1.1. Wie sehen unsere Sonntagsausflüge aus? 1.2. Warum unternimmt man Spazierfahrten mit dem Auto? 2. Zweiter Arbeit .....
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Index » Erzählungen der Gegenwart

Im abstände folgt mörike von den lyrikern dieser zeit der unglückliche - deutsch-ungar- nikolaus lenau (niembsch von strehlenau), i802-i850.

Auch Lenau fand den Ausgleich zwischen romantischem Wesen und der wirklichen Welt nur in seiner Dichtung. Er hat den Sprung aus der romantischen Befangenheit seines Wesens in die Realität der Welt um 1840 wohl gewagt und ist nach Amerika gegangen, um Farmer zu werden; aber vor der Wirklichkeit .....
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Index » VON DER ROMANTIK ZUM REALISMUS

Faust (teil i: i808, teil 2: i832) tragödie von johann wolfgang von goethe

Zahlreiche Verfilmungen und ständig neue Theateraufführungen seheinen die dauerhafte Aktualität des >Faust< zu beweisen. Als Sage hat das Leben des Doktor Faustus schon vor Goethes Zeit immer wieder Menschen in ihren [Sann gezogen. Goethe hat die Puppenspielversion wahrscheinlich bereits in seiner K .....
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Index » Literatur & Sprache » Meisterwerke

Der simplicissimus (i668) - roman von hans jakob christoffel von grimmeishausen

Hans Jakob Christoffcl von Grimmelshausen wird als Begründer des deutschen Prosaromans angesehen, das Werk geht auf Grim-mclshauscns Erfahrungen im Dreißigjährigen Krieg zurück. Im hessischen Gelnhausen wuchs er im einfachen, protestantischen Bürgermilieu auf und geriet mit 15 jähren unter die Söld .....
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Le fort, gertrud

Die Heimatlosen Neis, Edgar. In: Krieg im Gedicht, 1980, S. 97 - u. 101 - 102. Ich habe noch Blumen Schneider, Wilhelm. In: Liebe zum Gedicht, 1963, S. 323 - 329. .....
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Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Gertrud kolmar (gertrud chodziesner, i894-i943): ludwig xvi., i775

Begegnung mit dem künftigen Henker Das Gedicht konfrontiert zwei historische Gestalten miteinander, den auf einem Höhepunkt seines Lebens stehenden letzten französischen König vor der Großen Revolution, und einen noch unbekannten »Schüler aus Arras«, Ludwigs späteren großen Widersacher Robespierr .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Lyrik in Henkerszeit

Novelle von heinrich von kleist

Novelle Kleist ist in keinem seiner Stücke Ideendramatiker, sondern immer Wirklichkeitsdichter. Dies trifft genauso für seine Prosawerke zu. 'Es gibt im deutschen Schrifttum keine Novellen, deren Form und Vortrag so konzentriert, so kristallisch sind wie diejenigen Kleists." . Zu einer Zeit, da man .....
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Index » ZWISCHEN KLASSIK UND ROMANTIK

Ludwig achim von arnim - von volksliedern â–  an kapellmeister reichardt

[...] Ein schönes Lied in schlechter Melodie behält sich nicht, und ein schlechtes Lied in schöner Melodie verhält sich und verfängt sich, bis es herausgelacht; wie ein Labyrinth ist es: einmal hinein, müssen wir wohl weiter; aber aus Furcht vor dem Lindwurm, der drin eingesperrt, suchen wir gleich .....
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Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Autobiographie im zeitalter des mißtrauens: le miroir qui revient von alain robbe-grillet und livret defamille von patrick modiano

1. Die autobiographischen Texte des Nouveau Roman als Abkehr vom experimentellen Roman? Als traditionelle Gattung wurde die Autobiographie lange von denjenigen Autoren gemieden, die sich zur literarischen Avantgarde zählten. Als 1984 ein "nouveau romancier" wie Alain Robbe-Grillet nahezu gleichz .....
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Index » Autobiographie

Börries freiherr von münchhausen (i874-i945).

Als Beispiel diene 'Bauernaufstand": Dem Ritter fuhr ein Schlag ins Gesicht Und ein Spaten zwischen die Rippen----- Er brachte das Schwert aus der Scheide nicht, Und nicht den Fluch von den Lippen. Aufrauschte die Flamme mit aller Kraft, Brach Balken, Bogen und Bande,---- Ja, gnade dir Gott, d .....
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Index » VOM NATURALISMUS ÜBER DIE JAHRHUNDERTWENDE » Der Impressionismus

Erster teil: literatur in der weimarer republik von der republik in die diktatur

In der kurzen Zeitspanne zwischen dem 3. und 9. November 1918 war die Monarchie verschwunden und Deutschland eine Republik geworden, zumindest dem Namen nach. Am 3. November weigerten sich in Kiel über 40 000 Matrosen, auf Befehl der Heeresleitung - ohne Zustimmung der Reichsregierung - gegen Engla .....
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Index » Von der Weimarer Republik bis zum Ende des Dritten Reiches

Fritz von unruh (geb. i885)

brachte nach früheren erfolgreichen Bühnenwerken erst der Krieg die tiefste Erschütterung, aus der heraus er ein neues Menschenbild gewann. In der ergreifenden Erzählung 'Opfergang" klingt die Hoffnung auf eine neue Menschheit an. In den Dramen 'Ein Geschlecht" , 'Platz" und 'Dietrich" rechnet de .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Drama

Annette von droste-hülshoff (i797-i848)

Spät wuchs der Ruhm der größten Dichterin Deutschlands, aber er wuchs ständig, und während die glänzenden Sterne am Dichterhimmel ihrer Zeit wie Heine, Geibel und Freiligrath verblaßten, stieg leuchtend ihr Gestirn empor. In ihrem äußeren Leben noch ganz der biedermeierliche Mensch - von sorgfältig .....
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Index » VON DER ROMANTIK ZUM REALISMUS

Der widerstreit von ich und gesellschaft

Der Österreicher Robert Musil hatte zwar mit seiner Schülergeschichte Die Verwirrungen des Zöglings Törless beim Publikum und bei der Kritik einen frühen Erfolg, aber dieser Erfolg wiederholte sich nicht für die späteren Werke. Die Diskussion um die Bedeutung des Musilschen Romanwerks insgesamt s .....
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Index » Gegenströmungen zum Naturalismus (ca. 1890-1918)

Heinrich von kleist

Heinrich von Kleists literarische Bedeutung wurde erst Jahre nach seinem Tode erkannt und begriffen. Er war, wie Thomas Mann ihn charakterisiert, 'völlig einmalig, aus aller Hergebrachtheit und Ordnung fallend, radikal in der Hingabe an seine exzentrischen Stoffe bis zur Tollheit, bis zur Hysterie, .....
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Index » ZWISCHEN KLASSIK UND ROMANTIK

Alfred döblin: »hamlet oder die lange nacht nimmt ein ende« (i956) - ein füllhorn von geschichten

Die bohrende Frage nach der Schuld »Es lebe der Döblinismus!« So schreiben im Jahre 1913 auf der Rückreise nach Paris Guillaume Apollinaire und Robert Delaunay, die Wortführer der avantgardistischen Literatur und Malerei in Frankreich, an Döblin. In den Hauptstädten der europäischen Kultur hatte .....
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Index » Roman Chronik

Heimito von doderer: »die strudlhofstiege oder melzer und die tiefe der jahre« (i95i) - eine wien-legende

Bühne des Lebens Anderen Rang und andere Färbung als in der Literatur Deutschlands und der Schweiz haben Vergangenheit und Geschichte in der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Ãœbernimmt in der Schweiz das Jahrhundert eine gefestigte demokratische Staatsform und reicht sie an das nä .....
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Index » Roman Chronik

Robert walser: »jakob von gunten. ein tagebuch« (i909) - bericht eines künftigen dieners

Von Vorschriften umstellt Den literarischen Rang des 1878 im schweizerischen Biel geborenen Robert Walser haben Autoren wie Robert Musil, Hermann Hesse, Walter Benjamin und vor allem Franz Kafka früh erkannt. Doch läßt sich Walser, bei seinem ständigen Rollenwechsel, in seinem Werk und im Wandel .....
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Index » Roman Chronik

Aug. heinrich hoffmann von fallersleben (i798-i874)

ließ 'Unpolitische Lieder" erscheinen, die ihn den Lehrstuhl für Germanistik kosteten, den er an der Universität Breslau innegehabt hatte. Als Verfasser der deutschen Nationalhymne 'Deutschland, Deutschland über alles", deren Text er am 26. 8. 1841 auf Helgoland schrieb und die er zuerst als Flugbl .....
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Index » VON DER ROMANTIK ZUM REALISMUS

Marie von ebner-eschenbach (i830-i9i6).

Schon in den 'Neuen Erzählungen" mit der Geschichte von drei adeligen Originalen 'Die Freiherrn von Gemperlein" erreichte Marie von Ebner-Eschenbach künstlerische Vollendung. 1881 folgte die meisterhafte Geschichte vom Schicksal eines alternden Mädchens, das seinen liebsten Besitz, eine Uhrensammlu .....
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Heimito von doderer (i896—i966)

dar. Er steht deutlich unter dem Einfluß von Robert Musil. Die Gestalten seiner Romane sind Repräsentanten einer untergehenden Gesellschaft, der ehemaligen k. u. k. Monarchie Österreich. Vor diesem historischen Hintergrund spielt sich in seinem wohl bedeutendsten Roman 'Die Strudlhofstiege" das Sc .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Nach 1945

Detlev von liliencron (i844-i909)

zu echtem Leben. Er ist seit langem wieder der erste echte deutsche Lyriker, dem die Welt zum lyrischen Erlebnis geworden ist. Ursprünglich preußischer Offizier, mußte er wegen Schulden den Dienst quittieren und lebte bald in München, bald in Berlin oder Altona, abseits der literarischen Kreise, äuß .....
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Index » VOM NATURALISMUS ÜBER DIE JAHRHUNDERTWENDE » Der Impressionismus

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