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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Kirsch, Sarah



»Ich habe einfach so, aus freiem Impetus, zu schreiben angefangen, ich hatte bis dahin sehr wenig Gedichte gelesen, ...meine Naivität war eigentlich mein Glück, denn ich meinte, das muß ja ganz leicht sein, das könnte ich viel besser!« Aus völlig »heiterm Himmel« kommt K.s Schreibimpuls aber doch nicht. Sic hat zu dieser Zeit — sie ist Mitte zwanzig — schon Kontakt zur »Arbeitsgemeinschaft junger Autoren« in Halle. Auch Rainer Kirsch, ihr Ehemann, und andere, später bekannte Lyriker der DDR gehören zu dieser Gruppe. Hier beginnt K.s lyrische Sozialisation.



      In ihrer Kindheit und Jugend interessiert sich Ingrid Bernstein — so der Mädchenname — für etwas ganz anderes: für die Natur. Sie wächst im Harz auf, ihr Vater hat anthroposophische Neigungen, mit der Mutter unternimmt sie lange Streifzüge durch die Wälder: »Meine Mutter kannte ungeheuer viele Pflanzen, sie konnte jedes Blümchen benennen«. Hinzu kommt eine prägende Lektüre: Adalbert Stifter. Nach der Schule beginnt K. eine Forstarbeiterlehre, studiert dann aber Biologie. »Daß ich in der Natur eigentlich immer nur die Literatur gesucht habe, das ist mir erst später eingefallen« — in der »Arbeitsgemeinschaft junger Autoren« und während des Studiums am Literaturinstitut in Leipzig von 1963 bis 1965 vermutlich.
      1965 veröffentlicht K. Gespräch mit den Sauriern zusammen mit Rainer Kirsch; Landaufenthalt ist der erste eigene Gedichtband. Die Natur als Hintergrund, als Spiegel menschlicher Beziehungen und gesellschaftlicher Zustände, manchmal auch als ungebrochene Idylle - das ist schon damals der eine große Themenkomplex ihrer Gedichte. Die Liebe, das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ist der zweite. Inihrem dritten Gedichtband Zaubersprüche, in den Erzählungen Die ungeheuren bergehohen Wellen auf See und in den Protokollen Die Pantherfrau. Fünf unfrisierte Erzählungen aus dem Kassetten-Recorder rückt K. diesen zweiten Themenkomplex in den Vordergrund. Ein Dichterkollege prägt in dieser Zeit das Schlagwort vom »Sarah-Sound«; gemeint ist damit die Art des lyrischen Sprechens, das alle Gedichtbände der Autorin bis heute unverkennbar macht: die mehrdeutigen Satzstrukturen, die Atem-losigkeit, der die Satzzeichen zum Opfer fallen, Märchenbilder und mythische Rückgriffe, die manchmal als »Hang zu dunklem Raunen und Romantisieren« kritisiert werden.
      K. kann sich in der DDR — und nicht nur dort — durchsetzen, trotz mancher Kritik an ihren angeblich privaten und pessimistischen Gedichten. Sie bekommt Preise und Stipendien, ihre Bücher haben hohe Auflagen und eine große Lesergemeinde. Bis sie 1976 — der vierte Gedichtband Rückenwind ist gerade erschienen — den Brief unterschreibt, in dem DDR-Künstler die Parteiführung bitten, die Ausweisung Wolf Biermanns zu überdenken. K. fällt in Ungnade, als sie die Unterschrift nicht zurückzieht; ihre Parteimitgliedschaft in der SED wird gestrichen, der Schriftstellerverband schließt sie aus. Das Leben in Berlin , wo sie seit 1968 wohnt, wird ihr unerträglich, sie kann nicht mehr arbeiten: »Ich war wie gelähmt«, meint sie rückblickend. 1977 wird ihr Ausreiseantrag genehmigt, sie »zieht um«, nach Westberlin. Den Versuchen, aus diesem »Umzug« politisches Kapital zu schlagen, entzieht sie sich. 1978 lebt sie ein halbes Jahr in Rom , sie reist nach Frankreich, in die USA. »Jetzt besitze ich einen fröhlicheren Paß, ein rechtes Sesam-Öffne-Dich-Blätt-chen ohne die Angst das seh ich nicht wieder«. Drachensteigen enthält die letzten Gedichte, die in der DDR geschrieben sind und die ersten aus Westberlin, La Pagerie , poetische Prosa von einer Reise nach Südfrankreich; Erdreich , der fünfte Gedichtband, Eindrücke aus den USA und aus Norddeutschland, der neuen Wahlheimat. »Meine Bücher bestehen eigentlich immer aus zwei Teilen: einem, der noch zum letzten, und einem Teil, der schon zum nächsten Buch gehört«. Was dürfen wir dann nach Katzenleben , dem bisher letzten Gedichtband, erwarten? K.s Ton ist bitterer, die Stimmung ist düsterer geworden, die Landschaften werden zusehends menschenleer, und auch das lyrische Du verschwindet immer mehr.
     


Sarah kirsch (-i935)

Sarah Kirsch ist in der ungewöhnlichen Situation, eine Klassikerin zu Lebzeiten geworden zu sein, und sie ist zweifelsohne eine der bedeutendsten Stimmen zeitgenössischer deutscher Lyrik. Die bemerkenswert kohärente Entwicklung von den frühesten Gedichten aus der DDR bis zu den Sämtlichen Gedichten .....
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Kirsch, sarah

Am Walfjord Juritz, Hanne F. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 221 - 225. Bei den Stiefmütterchen Hahn, Ulla. In: Frankfurter Anthologie 10, 1986, S. 243 - 245. Besinnung Mabee, Barbara. In: Kirsch-Poetik, 1989, S. 144 -146. Breughel-Bild Mabee, Barbara. In: Kirsch-Poetik, 1989, .....
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Die luft riecht schon nach schnee - sarah kirsch

Die Luft riecht schon nach Schnee, mein Geliebter Trägt langes Haar, ach der Winter, der Winter der uns Eng zusammenwirft steht vor der Tür, kommt Mit dem Windhundgespann. Eisblumen Streut er ans Fenster, die Kohlen glühen im Herd, und 5 Du Schönster Schneeweißer legst mir deinen Kopf in .....
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Sarah kirsch (geb. i935): die luft riecht schon nach schnee - schneeweisser geliebter

In der Zeit, da Sarah Kirsch noch als ein Juwel der Lyrik in der DDR galt , beschrieb Peter Hacks halb kritisch, halb bewundernd den »Sarah-Sound«: »Ihre Tricks sind gekonnt und leise. Es geht widersprüchlich her, ohne daß es immerzu knirscht. Ihre Erlebnisse sind echt, ihre Wunder glaublich; die S .....
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Kirsch, rainer

Die Dialektik Härtung, Harald. In: Frankfurter Anthologie 14, 1991, S. 251 -254. Sonett Maiwald, Peter. In: Frankfurter Anthologie 15, 1992, S. 255 - 258. Sterbelager preussisch Mickel, Karl. In: Frankfurter Anthologie 14, 1991, S. 255 - 258. .....
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Barthold hinrich brockes (i680-i747): kirschblüte bei der nacht - irdisches vergnügen in gott

Kirschblüte bei der Nacht Ich sähe mit bettachtendem Gemüte Jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte, In kühler Nacht beim Mondenschein; Ich glaubt, es könne nichts von größrer Weiße sein. Es schien, als war ein Schnee gefallen. Ein jeder, auch der kleinste Ast Trug gleichsam eine schwere Last .....
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Kirsch,  Sarah    





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