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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Jung, Franz



»Was suchst du Ruhe, da du zur Unruhe geboren bist?« - alsJ. Ende 1915 mit diesem Motto des Thomas von Kempen die erste Nummer seiner Zeitschrift Die freie Straße aufmachte, formulierte der soeben desertierte kriegsfreiwillige 27jährige Uhrmachersohn, der einige Semester Jura und Kameralia gehört, aber schon 1912 mit dem Prosaband Das Trottelbuch als expressionistischer Literat debütiert hatte, die Losung für seinen persönlichen Sprung aus der Welt , den unwiderruflichen Absprung aus den spießigen Sekuritäts-Normen des juste milieu, des kleinbürgerlich-katholischen Elternhauses, der beruflichen Karriere, der bürgerlichen Ehe — da bekannte er sich nicht ohne Verachtung und Trotz zu der exemplarisch »unruhigen« Existenzform des schriftstellernden Boheme-Anarchisten.



      Als J. 45 Jahre später dasselbe Motto seiner Autobiographie Der Weg nach unten voranstellte, hatte sich für ihn das janusköpfige Mystiker-Wort in einem anderen Sinne erfüllt: als das Eingeständnis eines von vornherein vergeblichen Versuchs, dem eigenen Leben über allen proklamierten Nonkonformismus hinaus auch ein Moment von sehr wohl ersehnter, neuer »Ruhe« zu geben. Im Gleichnis mit dem fiktiven »Torpedokäfer« verdichtete J. die schonungslose Bilanz seines Lebens: eines Käfers, der sich in absurder Unbeirrbarkeit zu immer neuem Fluge erhebt, obgleich er immer wieder gegen eine unsichtbare und undurchdringliche Wand prallt und zerschmettert zu Boden fällt. »Ich habe«, so J., »den Flug unzählige Male in mir selbst erlebt, bei Tag und bei Nacht: das Ende ist immer das gleiche gewesen: Anprall, Sturz, Kriechen am Boden, sich zurückbewegen zum Ausgangspunkt, zum Startplatz.« Dabei hatte J. zunächst gerade dadurch reüssiert, daß. er seiner persönlichen Unruhe literarischen Ausdruck verlieh. Mit seiner von Gustav Landauers Anarchismus und Otto Gross Psychoanalyse inspirierten autobiographischen Prosa und seinen eigenwilligen Essays über persönliche und gemeinschaftliche Befreiung galt J. innerhalb der radikalisiertcn Intelligenz zwischen Franz Pfemferts Aktion und dem Malik-Verlag, zwischen Dada und Spartakus als ein schillernder »Mephisto« . Und auch in den mit der Novemberrevolution beginnenden »roten Jahren« fand J. als Aktivist an allen Fronten des Klassenkampfes Aufgabe und Bestätigung: am 9. November 1918 bei den Straßenkämpfen in Berlin, im Mai 1920 als Delegierter der rätedemokratischen und antizentralistischen KAPD im Disput mit Lenin in Moskau, im März 1921 bei den Arbeiteraufständen in Sachsen und Thüringen. Buchstäblich als eine andere Art des revolutionären Handelns schrieb er zwischendurch, von der Weimarer Klassenjustiz wiederholt ins Gefängnis geworfen, in einem einzigen Durchgang jene ersten proletarisch-revolutionären Erzählungen, Romane und Dramen , die in ihrer erfahrungsoffenen, spontanen Parteilichkeit und formalen Suggestivität bis heute lebendig und lesbar geblieben sind, weil sie sich noch nicht, wie die spätere KP-orientierte Literatur, als Bebilderung parteioffizieller Gewißheiten verstand. 1922/23 engagierte sich J. dann auch in der Sowjetunion in Willi Münzenbergs Hungerhilfe und beim Aufbau enteigneter und zerstörter Fabriken — und schrieb auch hierüber aufklärende und mahnende Berichte an die deutschen Genossen .
      Dann aber, als in Deutschland nicht die sozialistische Revolution, sondern die bürgerliche Republik und in Rußland nicht die Räte, sondern die Partei gesiegt hatte, verlor J. den Handlungsraum seines impulsiven und unbedingten politischen Aktivismus - und damit zugleich den Stoff zum Schreiben und den Kontakt zum Leser. Da er weder zum Opportunisten noch zum Sektierer taugte, blieb er auf sich selbst verwiesen — und zwar, wie sich zeigen sollte, endgültig. Während seine Romane und Dramen keine Verleger mehr fanden und seine Mitarbeit an Erwin Piscators Studiobühne Episode blieb, verließ sich J. seit Mitte der zwanziger Jahre immer mehr auf seine ökonomischen Kenntnisse und journalistischen Fähigkeiten. Als ebenso unprofessio-neller wie umtriebiger Wirtschafts- und Börsenkorrespondent lebte er eine wiederum ganz unbürgerliche Existenz, die es ihm auch nach 1933 ermöglichte, als Einzelkämpfer im Dschungel von illegalem Widerstand und Gegenspionage zunächst in Berlin , dann 111 Budapest und Wien zu überleben und dem tödlichen Zugriff der Faschisten zu entkommen.
      1945, von den Amerikanern aus dem KZ Bozen befreit, versuchte er zunächst von Italien aus, seit 1948 in den USA, Anschluß zu gewinnen an die prominenten Kreise des literarischen Exils — vergeblich. Ohne eine typische Exil-Karriere weder im Westen noch im Osten Deutschlands heimisch, kam er i in die Bundesrepublik, um seine Autobiographie abzuliefern, die fesselnde Selbstabrechnung eines »wühlenden Beobachters« mit »großer Verachtung für physischen Komfort«, und ein Stück großer Literatur. Zwei Jahre nach ihrer Veröffentlichung starb er an Herzversagen.
     


Das junge deutschland oder die jungdeutschen

Der Literaturwissenschaftler Ludolf Wienbarg , der aus der Burschenschaftsbewegung kam, hielt 1834 an der Universität Kiel Vorlesungen über die zeitgenössische deutsche Literatur. Die Buchfassung dieser Vorlesungen Ästhetische Feldzüge , die bei dem mutigen Verleger Julius Campe in Hamburg erschien .....
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'Ein Lebensbild" hat Mehring seine Schillerbroschüre genannt, und das ist sie im wahren Sinne des Wortes. Nicht eine Biographie, eine landläufige chronologische Sammlung von Daten aus einem Leben, sondern ein wirkliches Bild, ein plastisches, harmonisches Gemälde, das durch die klare Zeichnung und e .....
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Der kreis um den jungen goethe

Zu dem Kreis um den jungen Goethe in Straßburg und Frankfurt gehörten die Dramatiker Friedrich Maximilian Klinger , Heinrich Leopold Wagner und Jakob Michael Reinhold Lenz . Klingers Stücke sind Ausbrüche von Leidenschaften, Haß und Gefühls- .....
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Einflüsse der französischen symbolisten

Tatsache ist, daß sich unter dem Einfluß der französischen Symbolisten Charles Baudelaire , Stephane Mallarme , Paul Verlaine und Arthur Rimbaud in Deutschland Anfang der 90er Jahre ein entschiedener Antinaturalismus bemerkbar machte. Er bedeutete eine Absage an die Vergleichbarkeit von Dichtung .....
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Kanonenjungfrauen

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Über bücher, die junge kriegen, und über unsterbliche serienhelden

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Der junge goethe

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Franz kafka: »der verschollene« (i927) - kein roman für gralshüter

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Jung, carl gustav

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Overbeck, franz

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Lob des ungehorsams - franz fühmann

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Franz grillparzer (i79i-i872)

Grillparzer wurde 1791 zu Wien als Sohn eines Advokaten geboren. Von Hause aus war er belastet mit dem Erbe eines verschlossenen und pedantischen Vaters, der zudem früh starb und die Familie in drückenden Verhältnissen zurückließ, und einer überspannten, schwermütigen und lebensuntüchtigen Mutter, d .....
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Das junge deutschland

Huldigten die Dichter des Biedermeier einer unpolitischen Persönlichkeitskultur, so wandte sich 'Das Junge Deutschland" mit Feuereifer den politischen Ereignissen zwischen der französischen Julirevolution und dem Frankfurter Parlament zu. Der in den Befreiungskriegen erwachte Sinn für die nationa .....
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Franz werfel (i890-i945)

war von allen expressionistischen Dichtern wohl die breiteste Wirkung beschieden. Mit allen Fasern seines Herzens war Werfel dem leidenschaftlichen Verlangen nach Verbrüderung, Menschlichkeit, Liebe und Weltfrieden hingegeben. Komm heiliger Geist du, schöpferisch! Den Marmor unsrer Form zerbrich, .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Drama

Franz kafka (i883-i924).

Mehr noch als bei Heinrich Mann wird bei ihm der Boden der Wirklichkeit verlassen, um den überwirklichen Symbolen Raum zu schaffen. Kafka sucht hinter den Dingen und Erscheinungen dieser Welt eine zweite, symbolische Wirklichkeit, aus der heraus die Wechselhaftigkeit des Daseins gedeutet werden kann .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Roman und Novelle

Ernst junger (geb. i895)

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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Zwischen den beiden Weltkriegen

Das jungenbuch

Die Affinität der männlichen Reifejahre zum Abenteuer ist über lange Zeit eine so verbreitete Denkfigur gewesen, dass das Abenteuerbuch gleichsam als originäres Jungenbuch galt, stellt es doch in der spannungsgeladenen Schilderung des gesuchten oder erduldeten Erlebens von Außergewöhnlichem, Fremdar .....
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Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » OTTO BRUNKEN

Abenteuerliteratur für junge leser

Eine Abgrenzung der Jugendliteratur von der Literatur für Erwachsene - ohnedies nicht unproblematisch - ist im Bereich des Abenteuerbuchs besonders schwer zu vollziehen. Das zeigen Prospekte von Jugendbuchverlagen mit einschlägiger Produktion: Defoes 'Bob Singleton", Melvilles 'Taipi" oder Londons ' .....
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Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » ALFRED CLEMENS BAUMGÄRTNER / CHRISTOPH LAUNER

Junge, reinhard

Biografie: *22.10.1 in Dortmund. R. Junge lebt in Bochum und arbeitet dort als Lehrer. In der so genannten Ekel-Th-logie mit den Romanen Das Ekel von Datteln, Das Ekel schlägt zurück und Die Waffen des Ekels entfachten Junge und sein Co-Autor Leo P. Ard in Datteln und Umgebung mehrere Provinzskandal .....
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Werner krauss - studien zur deutschen und französischen aufklärung

[...] In der [...] Literaturepoche des achtzehnten Jahrhunderts wird der Begriff und die Bedeutung der Literatur in einer bis dahin unvorstellbaren Weise erweitert: Die Literatur hat nunmehr den Nenner für alle Bestrebungen des geistigen Lebens zu bilden. Die Aufklärung hat damit die Großmachtstell .....
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Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Themes et mythes: französische forschungen und begriffe

eben der deutschen und der korrespondierenden anglo-amerikani-schen Motiv- und Themenforschung hat sich in der französischsprachigen Literaturwissenschaft ein eigener Zweig der Erforschung von «themes » und « mythes » herausgebildet. Pierre Albouy versteht unter Mythen die jeweils mit neuem Sinngeha .....
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Index » Grundbegriffe der Texterschließung

Franz mehring - der heutige naturalismus

In unserer Betrachtung über den Begriff des künstlerischen und literarischen Naturalismus waren wir zu dem Ergebnis gekommen, daß sich dieser Begriff gar nicht unter eine allgemeine Formel bringen lasse, daß man in jedem einzelnen Falle untersuchen müsse, welche Stellung die naturalistische Richtung .....
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