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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Johst, Hanns



Er verbrachte seine Jugend in Leipzig, war als Pfleger in den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel tätig und studierte in München, Wien und Berlin Kunstgeschichte und Philosophie. 1914 meldete er sich freiwillig zu den Heerscharen des Kaisers — er fühlte sich zu Höherem berufen und schrieb nebenbei wie selbstverständlich Dramen und Gedichte. Das Drama Die Stunde der Sterbenden erschien im ersten Kriegsjahr, die Bauernkomödie Stroh 1916, als man in Frankreich und Flandern längst zum Stellungskrieg übergegangen war, im selben Jahr schob er einen Gedichtband Wegwärts nach, von dem eine Luxusausgabe gezogen wurde. Ebenfalls 1916 erschien Her junge Mensch. Ein ekstatisches Szenarium. Auch in diesem Fall war eine Luxusausgabe in dreißig numerierten und signierten Exemplaren erhältlich - auf Bütten gedruckt und in Pergament gebunden. Dem Tod auf dem Schlachtfeld, der jetzt täghch tausendfach gestorben wurde, entgegnete er mit dem Motto: »Den Manen meiner ersten Freunde! Es ist eine rasende Wollust: jung sein und um die Verzückung des Todes wissen.«



Am 30. April 1918 saß der junge Bertolt Brecht unter den Zuschauern, als in den Münchner Kammerspielen J.s Drama Der Einsame. Ein Menschenuntergang uraufgeführt wurde. Dessen Held, der Dichter Christian Dietrich Grabbe, verkörpert die melancholische Einsamkeit des zu Höhcrem geborenen Genies, das sich seine Ideale nicht korrumpieren läßt, weder durch den zurückhaltenden Verleger noch durch die zechenden Ratsherren, sondern — seiner Zeit weit voraus — dem Suff erliegt. Mit diesem in einer pathetischen und herben Sprache geschriebenen Stück gehörte J. zu den erfolgreichen Vertretern des expressionistischen Dramas, das auf eine Erneuerung des Menschen aus war. Bei dem jungen Brecht löste Der Einsame keine Zustimmung aus. Er wendet das Ideendrama J.s antibürgerlich, materialistisch und beginnt, an seinem Baal zu arbeiten, den er als sinnlichen Gegenentwurf konzipiert: »Baal frißt! Baal tanzt! Baal verklärt sich!« Der Spätexpressionismus ist dabei, sich in zwei Lager zu spalten. Der Weg J.s führt nach rechts.
      Als aus den Revolutionswirren von 1918/1919 nicht der ersehnte »neue Mensch«, sondern »nur« die neue demokratische Ordnung der Weimarer Republik und der Versailler Vertrag hervorgingen, war J. enttäuscht. Auf der Suche nach einer passenden ideologischen Heimat geriet er, wie z.B. Arnolt Bronnen und Gottfried Benn, in ein Lager, in dem die geistigen und politischen Vorbereitungen für den Aufbruch ins Dritte Reich getroffen wurden. Seit 1918 als freier Schriftsteller in der Nähe Münchens lebend, veröffentlichte er während der 20er Jahre recht erfolgreiche Dramen, Romane und Gedichtbände, die einer modischen Gesellschaftskritik das Wort redeten, im Namen des Natürlichen, Ursprünglichen und Volkhaften. So widmete er einen 1924 in der »Sammlung Schollenbücher« erschienenen Aufsatzband Wissen und Gewissen »den letzten Goten, den Kreuzfahrern, den Schwarmgeistern und Flagellanten, den Freikorps und Sturmtrupps der deutschen Sehnsucht«, verbreitete sich über das »Ethosder Begrenzung«, über das »Wahre, Gute und Schöne« und huldigte dem »Glauben«. Mit seinen beiden Dramen Thomas Paine und Schlageter , »Adolf Hitler in liebender Verehrung und unwandelbarer Treue« gewidmet, bekannte er sich schließlich offen und begeistert zum Nationalsozialismus. Im Schlageter, das die 1923 erfolgte Hinrichtung des Freikorpsmanns Albert Leo Schlageter durch die Franzosen als märtyrerhaftes Fanal der nationalsozialistischen Revolution verherrlicht, findet sich der bemerkenswerte Satz: »Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Revolver.« Seine Dienstbarkeit sollte belohnt werden. Zunächst machte er Karriere als Dramaturg in der Reichshauptstadt Berlin. Von 1935 bis 1945 amtierte er als Präsident der Reichsschrifttumskammer und der Preußischen Akademie der Künste und sorgte im Auftrag des Führers für die literarischen Vorbereitungen der »Umschaltung der Massen nach gewonnenem Siege auf die Innerlichkeit«. Er hielt es 1940 für angebracht, die deutsche Literatur der Blitzkriegstrategie Adolf Hitlers zuzuordnen: »Mit seinen Soldaten schafft der Führer das Reich ... Mit seinen Baumeistern meistert er den gewonnenen Raum — und mit euch, durch eure Wortgewalt, ist er gewillt in die Geschichte einzugehen! Diese Stunde, deutsche Dichter, ist das höchste Aufgebot, das die deutsche Nation je ergehen Keß! Stellt euch ihm! Schafft geistigen Raum und bevölkert ihn mit euren edelsten Werken, daß es eine Lust ist zu leben, daß die tausendjährigen Klagen über das Jammertal endlich verstummen und das Reich zum Himmelreich werde!« . Er veröffentlichte während des Dritten Reichs weihevolle Gedichtbände , Aufsätze und ein Requiem oder ließ veröffentlichen: Erkenntnis und Bekenntnis. Kernsätze aus den Werken und Reden und Hanns Johst spricht zu Dir. Eine Lebenslehre aus seinen Reden und Werken . 1945 wurde J. von den Alliierten interniert und erhielt bis 1955 Publikationsverbot. Unmittelbar nach dessen Aufhebung erschien der Roman Gesegnete Vergänglichkeit, der von der Literaturgeschichte nicht mehr zur Kenntnis genommen wurde. J. starb vergessen in hohem Alter.
     


Cibulka, hanns

Lagebericht IV Jegensdorf, Lothar und Geierhos, Wolfgang. In: Deutsche Studien 23, 1985, S. 148 - 151. Wilhelm Heinse Braune-Steininger, Wolfgang. In: Portraitge-dicht, 1988, S. 276-278. .....
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Hannsmann, margarete

Pfad in Eftalu Hinderer, Walter. In: Frankfurter Anthologie 11, 1988, S. 203 - 206. Zugauskunft Kaiser, Gerhard. In: Heine bis Gegenwart, 1991, S. 502 - 505. .....
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'misuk statt musik - die zusammenarbeit mit kurt weill, hanns eisler und paul dessau

In der vom wagnerischen Weihestil geprägten großen Oper sah Brecht den Inbegriff eines historisch überholten spätbürgerlichen Musiktheaters. Das Opernpublikum verspottete er als bürgerliche Kunstkonsumenten, die sich daran gewöhnt hätten, an der Theaterkasse ihre 'Räusche" und 'Benebelungen" einzuka .....
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Johst,  Hanns    





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