Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt




Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Index
» Autoren
» Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart
» Heym, Georg

Heym, Georg



»Ich Hebe alle«, notiert H. 1909 in seinem Tagebuch, »die in sich ein zerrissenes Herz haben. Ich hebe Kleist, Grabbe, Hölderlin, Büchner, ich hebe Büchner und Marlowe. Ich liebe alle, die nicht von der großen Menge angebetet werden. Ich hebe alle, die oft so an sich verzweifeln, wie ich fast täglich an mir verzweifle«. Er hätte sich von der Französischen Revolution begeistern lassen, wäre nach Frankreich geeilt und nicht zuhause »sitzen gebheben« wie »das Schwein Goethe, der überhaupt nichts gemacht hat« . Im 1912 neu zu wählenden Reichstag werde auch bloß »fünf Jahre lang viel geredet« und nicht gehandelt werden, auch nicht, wenn eine sozialdemokratische Mehrheit kommen sollte, denn in Wahlversammlungen sei er schon »vor tödlicher Langeweile unter dem Phrasen-Schwall dieser Miniatur-Robcspierrc-chen gestorben«. Diese grundsätzlich negierende Haltung faßt der Satz zusammen: »Ich wäre einer der größten deutschen Dichter geworden, wenn ich nicht einen solchen schweinernen Vater gehabt hätte« . Johann Wolfgang von Goethe, Sozialdemokratie und Vater, ein konservativer Staatsanwalt, sind dabei offensichtlich Stellvertreter von Traditionen und Konventionen, für die er keinerlei Verständnis aufbringen kann, weil sie ihn auf die verschiedenste Weise seiner Freiheit berauben. Und natürlich befriedigen ihn auch Studium und Brotberuf nicht , denn seine Berufung besteht darin. Dichter zu sein.



      Auch über arrivierte dichtende Zeitgenossen, wie etwa Stefan George, findet er die bösesten Worte und macht sich gleichwohl die Errungenschaften der Spracherneuerung zu eigen, die von ihnen ausgeht: denn er kann z.B. Charles Baudelaire nicht anders als in einer Ãœbertragung Georges aufnehmen und Arthur Rimbaud in einer durch George angeregten Ãœbersetzung. Und eben diese Repräsentanten der französischen Moderne sind es, die ihm zwingendes Vorbild werden. Als einen »deutschen Baudelaire« hat ihn deshalb sein erster Verleger Kurt Wolff empfunden. Die neuartigen Metaphern und die ungewohnten Themen, die bisher tabuierte Bereiche aufbrechen, widersprachen den Vorstellungen des Bildungsbürgertums , das durch Romantik und Biedermeier und eine biedermeierhch und deutschnational umgedeutete Klassik bestimmt war. So wurde H. in Berlin, dem Zentrum der fortschrittlichen Dichtung, Mitstreiter einer Gruppe jüngster Literaten und nach seinem Tod - er ertrank vierundzwanzigjährig beim Schlittschuhlaufen auf der Havel beim Versuch, den befreundeten Lyriker Ernst Balcke, der in das Eis eingebrochen war, zuretten - als früher Vollender des jungen Expressionismus gefeiert, obwohl er noch durchweg und unübersehbar mit dem literarischen Jugendstil verbunden ist; Johannes R. Becher, Gottfried Benn, Jakob van Hoddis. Ernst M.R. Stadler. Georg Trakl und viele andere danken ihm wesentliche Impulse. Die als befremdend und aktuell zugleich erfahrene neue Thematik machen schon einige Gedichttitel deutlich: Die Selbstmörder , Die Morgue . Die Tote im Wasser . Die Dämonen der Städte . Die rhythmisch einprägsame Fülle meist negativer Metaphern, in denen sich die Visionen einer von Katastrophen heimgesuchten Welt äußern, hat dazu geführt, in H. einen Propheten des Ersten Weltkriegs und seines Grauens zu sehen. Seine wenigen Erzählungen scheinen die Auffassung zu bestätigen, es handle sich hier um durchgängig »revolutionäre« Dichtung, obwohl sie eher mit linker Hand geschrieben sind und die neue Thematik und Ausdruckswelt bevorzugen. Es wirdjedoch übersehen, daß der Dichter auch viele Verse hinterlassen hat. die sich in alte Traditionen einfügen: vor allem Liebes- und Naturgedichte, von denen man einige zu den »schönsten« in deutscher Sprache zählt. So wird in H.s Werk die »Zerrissenheit« einer großen, noch nicht fertigen dichterischen Persönlichkeit vielfältig greifbar, von Emmy Ball-Hennings mit »halb Rowdy, halb Engel« umschrieben.
      Loewenson. Erwin: Georg Heym oder Vom Geist des Schicksals. Hamburg München 1962.

      Ludwig Dietz


Georg heym: berlin i

Sonntag-Abend [Erste Reinschrift] Wir saßen, wo der Straße Dämme ragen Zum Walde auf, und sahen in der Enge Den Strom des Großstadtvolks in riesger Länge Den Städten zu, die schon im Dunkel lagen. Die Kremser mühten sich durch das Gedränge, Zerrißne Fähnchen waren drangeschlagen, Die Omnibusse, d .....
[ mehr ]
Index » Literatur des Expressionismus » Einzelanalysen repräsentativer Werke

Der winter - georg heym

Der Sturm heult immer laut in den Kaminen Und jede Nacht ist blutig-rot und dunkel. Die Häuser recken sich mit leeren Mienen. Nun wohnen wir in rings umbauter Enge, Im kargen Licht und Dunkel unserer Gruben, 5 Wie Seiler zerrend grauer Stunden Länge. Die Tage zwängen sich in niedre Stuben, Wo .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Columbus - georg heym

12. Oktober 1492 Nicht mehr die Salzluft, nicht die öden Meere, Drauf Winde stürmen hin mit schwarzem Schall. Nicht mehr der großen Horizonte Leere, Draus langsam kroch des runden Mondes Ball. Schon fliegen große Vögel auf den Wassern 5 Mit wunderbarem Fittich blau beschwingt. Und weiße R .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

April - georg heym

Das erste Grün der Saat, von Regen feucht, Zieht weit sich hin an niedrer Hügel Flucht. Zwei große Krähen flattern aufgescheucht Zu braunem Dorngebüsch in grüner Schlucht. Wie auf der stillen See ein Wölkchen steht, 5 So ruhn die Berge hinten in dem Blau, Auf die ein feiner Regen niedergeht .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Georg heym (i887-i9i2)

ertönt zum erstenmal der harte, unverwechselbare Klang demaskierter Wirklichkeit in der deutschen Lyrik. Die frühesten seiner Gedichte hatten noch Erlebnisse des Außen gestaltet, aber mit der Sammlung 'Der ewige Tag" beginnt expressionistische Thematik: Fluch und Dämonie der großen Stadt, Not und K .....
[ mehr ]
Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Der Expressionismus

Georg heym (i887-i9i2): berlin - mützen aus russ

Berlin Schornsteine stehn in großem Zwischenraum Im Wintertag, und tragen seine Last, Des schwarzen Himmels dunkelnden Palast. Wie goldne Stufe brennt sein niedrer Saum. Fern zwischen kahlen Bäumen, manchem Haus, Zäunen und Schuppen, wo die Weltstadt ebbt, Und auf vereisten Schienen mühsam schlepp .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Der Sturm ist da

Georg heym (i887-i9i2): ophelia

Letzte Fahrt Bertolt Brecht : Vom ertrunkenen Mädchen - In einer der poetischsten Szenen von Shakespeares Hamlet berichtet die Königin über den Tod der von Hamlet zurückgestoßenen und in Wahnsinn gefallenen Ophelia. Ihr Bericht schließt mit den Versen Doch lange währt es nicht, Bis ihre Kleid .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Magie der Natur

Georg heym

Die Schwäche der Mehrzahl war die echte Stärke von ein paar wenigen, und zwar umso stärker, je weniger sie ge» wollt war. So spüren wir in den Gedichten von Georg Heym, die an der Schwelle des Expressionismus stehen, das eingeborene Maß echter Vision. Die Fassung ist legitim, insofern hier noch einm .....
[ mehr ]
Index » DIE DEUTSCHE LITERATUR » GRUNDSITUATION DER LYRIK

Heym, georg

Barra Hei, Barra Hei Heitkamp, Helmut. In: Poesie der Depression, 1989, S. 132 - 148. Bastille Schneider, Karl Ludwig. In: Geschichte im Gedicht, 1979, S. 162 - 166. Berlin Weller, Christopher D. In: Expressionist Poetry, 1978, S. 191 -201. Berlin Krechel, Ursula. In: Lesarten / Gedic .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Georg heym

Fritz Martini schreibt in seiner Literaturgeschichte im Zusammenhang mit der Darstellung der expressionistischen Epoche, daß die Form des Romans „der expressionistischen Sprache, ihrem symbolischen Lyrismus und Dynamismus, ihrer Vergeistigung, Abstraktion zum Typischen und ihrer Konzentration . . . .....
[ mehr ]
Index » Die Novelle in der Epoche des Expressionismus

Georg heym (i887-i9i2)

Georg Heym, 1887 im schlesischen Hirschberg geboren, aufgewachsen in Posen und Gne-sen, kam mit 13 Jahren nach Berlin, wo sein Vater, der Staatsanwalt Hermann Heym, eine Stelle als Kaiserlicher Militäranwalt antrat. 'Ich lebe zu Hause in korpsstudentischen Kreisen und Anschauungen" , hielt Heym 1907 .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Lyriker des 20. Jahrhunderts (Deutschsprachige)

Hamann, johann georg

In der Italienischen Reise schreibt Goethe, als er über seine Lektüre Giambattista Vicos berichtet, es sei »gar schön, wenn ein Volk solch einen Ältervater besitzt: den Deutschen wird einst Hamann ein ähnlicher Kodex werden«. Ein solcher »Ã„ltervater« ist H.. den Friedrich Karl von Moser den »Magus .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Weckherlin, georg rodolf

An das Teutschland Weber, Albrecht. In: Deutsche Barockgedichte, 1967, S. 42 - 43. Meid, Volker. In: Gedichte und Interpretationen 1, 1982, S. 148 - 158. Die Lieb ist Leben und Tod Hippe, Robert. In: Liebe im Gedicht, 1971, S. 20 -21. Ãœber den frühen Tod etc Beck, Adolf. In: Deutsche Lyr .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Vring, georg von der

Aufgehender Mond Neis, Edgar. In: Mond in der Lyrik, 1971, S. 21 - 22. Aus einer Nacht Bondy, Barbara. In: Zehn Minuten, 1991, S. 75 - 80. Cap de Bonne-Esperance Piontek, Heinz. In: Frankfurter Anthologie 1, 1976, S. 127 - 130. Der Bogenpfeil Eich, Günter. In: Mein Gedicht. 1961, S .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Lukäcs, georg

Geb. 1 ?. 4. J^.s in Budapest: gest. 4. 6. 1971 in Budapest 'Die Beziehung zu Marx ist der wirkliche Prüfstein für jeden Intellektuellen, der die Klärung seiner eigenen Weltanschauung, die gesellschaftliche Entwicklung.... seine eigene Stellung in ihr. . . ernst nimmt.« So schrieb Georg L., beina .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Im winter - georg trakl

Der Acker leuchtet weiß und kalt. Der Himmel ist einsam und ungeheuer. Dohlen kreisen über dem Weiher Und Jäger steigen nieder vom Wald. Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt. 5 Ein Feuerschein huscht aus den Hütten. Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten Und langsam steigt der graue Mond. E .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Die schöne stadt - georg trakl

Alte Plätze sonnig schweigen. Tief in Blau und Gold versponnen Traumhaft hasten sanfte Nonnen Unter schwüler Buchen Schweigen. Aus den braun erhellten Kirchen 5 Schaun des Todes reine Bilder, Großer Fürsten schöne Schilder. Kronen schimmern in den Kirchen. Rösser tauchen aus dem Brunne .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Drachen - georg britting

Die Drachen steigen wieder Und schwanken mit den Schwänzen Und brummen stumme Lieder Zu ihren Geistertänzen. 5 Von wo der knallende Wind herweht? Von Bauerngärten schwer! Jeder Garten prallfäustig voll Blumen steht, Die Felder sind lustig leer. Der hohe Himmel ist ausgeräumt, 10 Wasserblau, ohne R .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Raubritter - georg britting

Zwischen Kraut und grünen Stangen Jungen Schilfes steht der Hecht, Mit Unholdsaugen im Kopf, dem langen, Der Herr der Fische und Wasserschlangen, 5 Mit Kiefern, gewaltig wie Eisenzangen, Gestachelt die Flossen: Raubtiergeschlecht. Unbeweglich, uralt, aus Metall, Grünspanig von tausend Jahren. Ein .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Weerth, georg

Arbeite! Neis, Edgar. In: Welt der Arbeit, 1975, S. 16 - 20. Das Hungerlied Bräutigam, Kurt. In: Zugänge, 1977, S. 43 - 46. Der Kanonengießer Hermand, Jost. In: Geschichte im Gedicht, 1979, S. 128- 135. Die hundert Männer von Haswell Hermand, Jost. In: Geschichte im Gedicht, 1979, S .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Hegel, georg wilhelm friedrich

Das Portrait des versunkenen Professors auf dem Katheder über den Köpfen der andächtig mitschreibenden jungen Herren im Frack zeigt H. im Jahre 182S. auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, in Berlin. Dieser H. ist es. der in die Nachwelt einging, dessen Denken z.B. dem jungen Marx noch ganz selbstverstä .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Komm in den totgesagten park - stefan george

Komm in den totgesagten park und schau: Der Schimmer ferner lächelnder gestade • Der reinen wölken unverhofftes blau Erhellt die weiher und die bunten pfade. Dort nimm das tiefe gelb • das weiche grau 5 Von birken und von buchs • der wind ist lau • Die späten rosen welkten noch nicht .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Vogelschau - stefan george

Weisse schwalben sah ich fliegen Schwalben schnee- und silberweiss • Sah sie sich im winde wiegen • In dem winde hell und heiss. 5 Bunte häher sah ich hüpfen • Papagei und kolibri Durch die wunder-bäume schlüpfen In dem wald der tusferi. Grosse raben sah ich flattern • 10 Dohlen schwarz un .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Simmel, georg

S. besaß eine Sammlung kostbaren Porzellans. Schüler berichten von einer Berliner Vorlesung vor einer großen, in die Hunderte gehenden Hörerschaft, in welcher er über eine chinesische Porzellanschale mit einer feinen Tuschzeichnung dozierte. Er verwies dabei auf die augenblickliche Lebensbewegung de .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Plechanow, georgi walentinowitsch

Materialismus militans - dieser 1908 von P. veröffentlichte Titel ist zugleich das Leitmotiv der intellektuellen Biographie P.s. des bedeutenden Phüosophiehistorikers, materialistischen Dialektikers, Theoretikers von Kunst und Literatur und politischen Revolutionärs der II. Internationale. Aus niede .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

 Tags:
Heym,  Georg    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com