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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Heinse, Johann Jakob Wilhelm



Die äußeren Lebensumstände H.s waren durchaus typisch für die bedrückende Lage der deutschen Intellektuellen im 18. Jahrhundert. Seine Lebensauffassung wich jedoch erheblich von der Norm ab. Schon die frühesten Zeugnisse zeigen ihn in heftiger Opposition zur christlichen Moral und als Verfechter einer Ethik des Lebensgenusses. Die skeptische Zuwendung seines Lehrers Christoph Martin Wieland zur unvollkommenen, aber einzig wirklichen »sublunarischen« Welt verwandelt H. in eine überschwengliche Bejahung der Diesseitigkeit und aller vitalen Kräfte. Seine Verherrlichung der »Natur« und des gesteigerten Lebens ist die Kehrseite einer pauschalen, manchmal anarchistisch gefärbten Ablehnung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse. Geboren in einem kleinen »Stadtflecken« eines winzigen Duodezfürstentums, wuchs H. in beengter, orthodox protestantischer Umgebung auf. Sein Vater war Stadtschreiber und Organist, später Bürgermeister; trotzdem führte die zehnköpfige Familie ein kärgliches Leben. Nachdem er vom Gymnasium in Schleusingen geflohen war, mußte H. sich auch durch das Studium in fena und Erfurt hindurchhungern, dann mit litarischen Brotarbeiten und Ãobersetzungen sein Leben fristen. Protegiert von Johann Wilhelm Ludwig Gleim, war er zwei Jahre lang Hauslehrer in Halberstadt. Seit 1774 wohnte H. in Düsseldorf bei den Brüdern Friedrich Heinrich und Johann Georg Jacobi. wo er die kurzlebige Damenzeitschrift Iris redigierte.



      Die große Italienreise, das Ziel all seiner Wünsche, konnte H. 1780 endlich antreten ; wie bei [ohann Joachim Winckelmann, Karl Philipp Moritz, Johann Wolfgang von Goethe u.a. war es eine Flucht aus der Misere. Die drei italienischen Jahre wurden der Höhepunkt seines Lebens und weckten schöpferische Energien. Als verspätete, erst im mediterranen Klima gereifte Frucht der Genieperiode erschien 1787 Ardinghello und die glückseligen Inseln, der erste deutsche Künstlerroman. Der Ich- und Briefroman besteht aus einer Reihe abenteuerlicher Episoden, in denen der Maler, Gelehrte, Dichter, Musiker und Pirat Ardinghello nahezu als übermenschlich gezeichnet wird. Im Zusammenhang mit einer Familienfehde wird er zum Mörder, flieht nach Genua und schreibt von dort aus an seinen Freund, den Erzähler des Romans. In den Briefen entdeckt er Italien als romantische Landschaft, entwirft ein an Rousseaus Begriff des Natürlichen gelehntes Idealbild des Menschen und leitet mit seinen Kunsturteilen den Beginn moderner Kunstbetrachtung ein. Höhepunkt seiner Reise ist seine Gründung der »glückseligen Inseln«, eines Idealstaats mit dem Motto: »Kraft zu genießen, oder welches Einerlei ist, Bedürfnis, gibt jedem Dinge sein Recht.« Es liegt gewiß nahe, solche Wunschbilder für eine bloße Kompensation der nicht erreichbaren Lebensfülle zu halten. H. war jedoch mit einer bemerkenswerten seelischen Robustheit ausgestattet, er litt weniger als andere unter dem Riß zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Natur- und Kunsterlebnisse entschädigten ihn für viele Entbehrungen. Seine Schilderungen erhabener Landschaften und berühmter Kunstwerke werden an Intensität von keinem Zeitgenossen erreicht.
      H. hatte nie das »Joch« eines bürgerlichen Amtes erstrebt, aber er brauchte schließlich doch ein festes Auskommen. So akzeptierte er 1786 die Stelle als Vorleser und Privatbibliothekar beim Erzbischof bzw. Kurfürsten von Mainz: der grimmige Antiklerikale im Dienst des nach dem Papst mächtigsten Pfaffen! Dem Aufenthalt in der geistlichen Metropole setzten die Revolutionskriege ein Ende; während der Mainzer Republik war H. an den Niederrhein ausgewichen, dann mußte er die Bibliothek nach Aschaffenburg begleiten und seine letzten Jahre, von kleineren Reisen abgesehen, in dieser »öden und freudeleeren« Stadt verbringen. Der späte H. führt eine Art Doppelexistenz: nach außen loyaler und diplomatisch glatter Hofrat, hat er sich zur Abschirmung semer eigentlichen Individuahtät mit einem »Futteral« überzogen und vertraut seine inneren Ãoberzeugungen nur noch monologisch den Tagebüchern an. Die von 1774 bis zum Todesjahr reichenden privaten Aufzeichnungen mehr oder weniger aphoristischen Charakters haben freilich nicht seelische Innenschau, sondern ideologische Selbstverständigung zum Ziel. Für den heutigen Leser macht dieser umfangreiche Nachlaß durch die enzyklopädische Weite der Themen und den spontanen Ausdruck einer radikal aufklärerischen Geisteshaltung wohl den interessantesten Teil von H.s Gesamtwerk aus.
      Dick, Manfred: Der junge Hemse in seiner Zeit. München 1980. Baeumer. Max L.: Heinse-Studien. Stuttgart 1966.
      Jürgen Schramke


Johann wolfgang goethe - 'lyrische gedichte von johann heinrich voß

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Johann jakob bodmer - die diskurse der maler

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Jakob (i785-i863) und wilhelm grimm (i786-i859)

Die von der Romantik angestrebte Wiederbelebung alten deutschen Literaturgutes, wie sie schon Arnim und Brentano in 'Des Knaben Wunderhorn" versuchten, fand ihre fruchtbarsten Vertreter in den beiden Brüdern Grimm, die zeitlebens eng zusammenarbeiteten. Ihr Name ist für immer mit ihren unvergänglich .....
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Gleim, johann wilhelm ludwig

Anakreon Bohnen, Klaus. In: Gedichte und Interpretationen 2, 1983, S. 113- 123. An Cornelia Herder Arnold, Günter. In: WB 25, 1979, S. 155 - 161. An Leukon Hock, Erich. In: Motivgleiche Gedichte, 1971, S. 23. Bei Eröffnung des Feldzuges. 1756 Arnold, Günter. In: WB 25, 1979, S. 155 - 1 .....
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Johann wolfgang goethe: von deutscher baukunst

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Mutspender Lüge Im Ghetto ist Jakob Heyms Radio zu sagenhafter Bekanntheit gekommen. Gerade hat er im Keller des Hauses seiner kleinen Pflegetochter, der Waise Lina, die unbedingt einmal das versteckte Radio hören wollte, in stetem Wechsel der Stimmlage das Interview eines Reporters mit dem briti .....
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Von Vorschriften umstellt Den literarischen Rang des 1878 im schweizerischen Biel geborenen Robert Walser haben Autoren wie Robert Musil, Hermann Hesse, Walter Benjamin und vor allem Franz Kafka früh erkannt. Doch läßt sich Walser, bei seinem ständigen Rollenwechsel, in seinem Werk und im Wandel .....
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Johannes robert becher (i89i-i958).

Er steigert die Gewalt der Aussage durch Verstümmelung des sprachlichen Ausdrucks wie etwa in seinem Werk 'Ewig im Aufruhr": Vorbereitung Der Dichter meidet strahlende Akkorde. Er stößt durch Tuben, peitscht die Trommel schrill. Er reißt das Volk auf mit gehackten Sätzen . . . Die neue Welt .....
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setzte in seinen Erzählungen 'das Menschenherz gegen die Welt". Seine bedeutendsten Romane sind 'Caspar Häuser" , 'Das Gänsemännchen" , 'Fall Maurizius" und 'Etzel Andergast" . .....
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Wilhelm raabe (i83i-i9i0),

der über den Beruf eines Buchhändlers und nach verspätetem Studium in Berlin zur Dichtung kam. Im Gegensatz zu Storm und Keller hat Raabe niemals eine große Lesergemeinde gefunden. Raabes Vorliebe für Menschen, 'die hinter der Hecke liegen gelassen worden sind", für das Unauffällige, Anspruchslose .....
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Johann Peter Hebel , Lehrer und Pfarrer am Oberrhein, zählt zu den großen Volksschriftstellern. Sein christliches Weltbild kleidete er in die heimatliche Erfahrungswelt seiner Landsleute. Hebel hatte als einer der ersten das poetische Potential des Dialekts und des regionalen Kolorits entdeckt. In s .....
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Zu wilhelm diltheys intention, werk und wirkung

Wirkungsgeschichtlich ist die psychologische Interpretation Schleiermachers zweifellos viel früher und stärker beachtet worden. Das ist vor allem auf die frühe Rezeption und nachhaltige Wirkung Diltheys zurückzuführen. Sein Aufsatz »Die Entstehung der Hermeneutik« hat lange Zeit die Einschätzung Sc .....
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Das vorbild des genies johann gottfried herder: shakespeare

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Die magna charta des sturm und drang - johann - journal meiner reise im jahre i769

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Johannes bobrowski (i9i7-i965): dorfmusik - umarmung durch den reim

Beim ersten Lesen des Gedichts Dorfmusik meldeten sich in meiner Erinnerung sofort die Verse von Detlev von Liliencrons Die Musik kommt. »Klingling, bum-bum und tschingsdada, / Zieht im Triumph der Perserschah? / Und um die Ecke brausend bricht s / Wie Tubaton des Weltgerichts, / Voran der Schellent .....
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Johannes r. becher (i89i-i958): spreewald -bertolt brecht (i898-i956): der rauch

Harmonie in Ãoberfülle Als Rebell betrat Johannes R. Becher die literarische Arena. »Der Dichter meidet strahlende Akkorde. / Er stößt durch Tuben, peitscht die Trommel schrill. / Er reißt das Volk auf mit gehackten Sätzen.« So beginnt das berühmt gewordene Gedicht Vorbereitung, das 1916 in Beche .....
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Oskar loerke (i884-i94i): brief-wilhelm lehmann (i882-i968): auf sommerlichem friedhof (i944)

Zwei Gränchen Staub im Wind Oskar Loerke, Träger des Kleist-Preises von 1913, war als Cheflektor des S. Fischer Verlags eine der Schaltstellen des literarischen Lebens in den zwanziger Jahren. In seinen Dichtungen bleiben Landschaftserlebnisse einer Kindheit im Osten prägend. Seine Naturlyrik str .....
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Jakob van hoddis (hans davidsohn, i887-i942): weltende - die wilden meere hupfen

Weltende, im ersten Monat des Jahres 1911 erschienen, war ein Fanal. Das Gedichtwurde zum Erkennungszeichen des Frühexpressionismus, für Johannes R. Becher wie für Gottfried Benn. Und nicht von ungefähr eröffnete Kurt Pinthus seine berühmte Anthologie Menschheitsdämmerung mit den beiden Strophen di .....
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Volkslied: röslein auf der heiden -johann wolfgang goethe (i749-i832): heidenröslein

Röslein auf der Heiden Sie gleicht wohl einem Rosenstock Drum g liebt sie mir im Herzen; Sie trägt auch einen roten Rock Kann züchtig, freundlich scherzen; Sie blühet wie ein Röselein, Die Bäcklein wie das Mündelein; Liebst du mich, so lieb ich dich, Röslein auf der Heiden. Der die Röslein wird br .....
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Wink - johann wolfgang goethe (i749-i832) - aug in auge

Wink Und doch haben sie recht, die ich schelte: Denn daß ein Wort nicht einfach gelte, Das müßte sich wohl von selbst verstehn. Das Wort ist ein Fächer! Zwischen den Stäben Blicken ein Paar schöne Augen hervor. Der Fächer ist nur ein lieblicher Flor. Er verdeckt mir zwar das Gesicht aber das Mädc .....
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Johann wolfgang goethe (i749-i832): trilogie der leidenschaft, dritter teil: aussöhnung

Das Doppelglück der Töne wie der Liebe Mittel- und Hauptteil der Trilogie der Leidenschaf ist die »Elegie«, auch bekannt unter dem Titel Marienbader Elegie. Sie entstand Anfang September 1823 auf der Rückfahrt Goethes von Marienbad nach Weimar. Voraufgegangen war die große Enttäuschung einer Alte .....
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