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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Hamann, Johann Georg



Georg Wilhelm Friedrich Hegel sieht den »gediegenen Inhalt« der Schriften H.s darin, »dieses Christentum mit ebenso tiefer Innigkeit als glänzender geistreicher Energie auszusprechen und gegen die Aufklärer zu behaupten«. H. wehrt sich gegen den Erkenntnisoptimismus der Aufklärung, die ihn gleichwohl in seiner Jugend entscheidend prägt. Der Sohn einer gebildeten Königsberger Arztfamilie studiert an der dortigen Universität Theologie und Jura ohne Abschluß. Er freundet sich mit dem aufgeklärten Kaufmannssohn Johann Christoph Berens und mit Immanuel Kant an. Wohl um Handelsinteressen des Hauses Berens zu vertreten, reist er 1757/58 nach London. Mit dem Scheitern seiner Mission gibt er den Plan auf, Ökonom und Weltmann zu werden. Aufgrund wiederholter Bibellektüre tritt eine vollkommene Veränderung seiner Gedankenwelt ein . Der Bruch mit Kant und Berens, die dem nach Königsberg Zurückgekehrten weltfremde »Schwärmerei« vorhalten, wird unausweichlich. H. begründet seine Haltung in den Sokratischen Denkwürdigkeiten . Darin knüpft er an Sokrates an, den die Aufklärer als Vorbild ansehen. Dessen eingestandene »Unwissenheit« interpretiert H. als »Glaube«, der »kein Werk der Vernunft« darstelle. Der Einsicht in die Grenzen des menschlichen Intellekts entspreche positiv die Zuwendung zu Gottes Liebe und Heilsbotschaft. Kant und Berens sind in der Konstellation dieser Schrift die Sophisten, denen gegenüber Sokrates, in dessen Tradition H. Christus und letztlich sich selbst stellt, die eigentliche »Vernunft« mit priesterlicher Sehergeste zur Geltung bringt.



      Drei Jahre später erscheinen die Kreuzzüge des Philologen , eine Sammlung von Aufsätzen, deren wichtigster die Ästhetica in nuce darsteDt. In ihr polemisiert H. leidenschaftlich gegen die »vernünftige« Bibelexegese: »Nicht Leyer! - noch Pinsel! — eine Wurfschaufel für meine Muse, die Tenne heiliger Litteratur zu fegen!... Poesie ist die Muttersprache des menschlichen Geschlechts.« Gott ist für H. entsprechend der »Poet am Anfange der Taten«. Als Abglanz seiner Schöpfungstat interpretiert H. die menschliche Kreativität. Wie Christus die gesetzesgläubigen Pharisäer aus dem Tempel vertrieben habe, sei das Genie gegen den Konsens der Aufklärung nicht an Gesetze und Regeln gebunden. »Christ oder Poet. Wundern Sie sich nicht, daß dies Synonyme sind.« Diese religiöse Begründung des Genies, die in Johann Gottlieb Klopstocks Dichtungspraxis ihre zeitgenössische Entsprechung findet, unterscheidet H. von der eher prometheischen Schöpfungsästhetik des Sturm und Drang. Die Distanz auch zum befreundeten Johann Gottfried Herder drückt H.s Rezension von dessen Abhandlung Ãœber den Ursprung der Sprache aus, in der er ausdrücklich an ihrem göttlichen Ursprung festhält.
      Der »Magus aus dem Norden«, wie ihn Friedrich Karl von Moser nennt, ist ein Gelegenheitsschriftsteller. Er schreibt aus dem Dialog heraus, versucht, den Leser in die eigene Argumentation hineinzuziehen. Seinen eigenen Standort drückt er meist nurindirekt aus. Ein bildreicher Wortschatz, Verkürzungen, bewußt arrangierte Widersprüche und zahlreiche Fremdzitate prägen seine Abhandlungen. Ihr antiaufklärerischer Gestus drückt sich in der Zielsetzung »je dunkler, desto inniger« aus.
      Sein Geld verdient H. nicht mit seinen Schriften. Er ist Zöllner, später Packhofverwalter in Königsberg. Dort führt er eine unter den Zeitgenossen zunächst viel beredete »Gewissensehe« ohne Heirat mit Anna Regina Schumacher, der ehemaligen Magd seines Vaters. Sein Verhältnis zu Preußen ist kritisch: »Weh dem reichen Fürsten, dessen Untertanen Bettler sind.« In den durch die Behörden erfahrenen Zurücksetzungen sieht H. den Widerspruch zwischen dem humanen Anschein des aufgeklärten Absolutismus und seiner inhumanen Praxis, zwischen Herr und Knecht. Von Gott her seien dem Menschen Freiheit und Selbstbestimmung gegeben, Armut und Würdelosigkeit seien eine Folge des Sündenfalls.
      »Man ahndete hier einen tiefdenkenden gründlichen Mann, der, mit der offenbaren Welt und Literatur genau bekannt, doch auch noch etwas Geheimes, Unerforschliches gelten ließ, und sich darüber auf eine ganz eigne Weise aussprach. Von denen, die damals die Literatur des Tages beherrschten, wurde er freilich für einen abstrusen Schwärmer gehalten, eine aufstrebende Jugend aber ließ sich wohl von ihm anziehen. Sogar die Stillen im Lande... wendeten ihm ihre Aufmerksamkeit zu« .
      Jorgensen, Sven-Age: Johann Georg Hamann. Stuttgart 1976.
      Hans-Gerd Winter


Der „magus in norden johann georg hamann

Johann hörte sich gern mit dem von Friedrich Karl v. Moser geprägten Übernamen den „Magus in Norden" nennen, der an die Weisen aus dem Morgenland erinnert. Ein Gemeinplatz literatur-und ideengeschichtlicher Forschung nennt sein Denken irrational und ihn seihst den Begründer des Irrationalismus. In .....
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Index » Sturm und Drang Epoche » Fragen an die Aufklärung

Hamann, johann georg

In der Italienischen Reise schreibt Goethe, als er über seine Lektüre Giambattista Vicos berichtet, es sei »gar schön, wenn ein Volk solch einen Ältervater besitzt: den Deutschen wird einst Hamann ein ähnlicher Kodex werden«. Ein solcher »Ã„ltervater« ist H.. den Friedrich Karl von Moser den »Magus .....
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Index » Autoren » Philosophen biographisch

Johann wolfgang goethe - 'lyrische gedichte von johann heinrich voß

[...] Und hier ist wohl der Ort, zu bemerken, welchen Einfluß auf Bildung der unteren deutschen Volksklasse unser Dichter haben könnte, vielleicht in einigen Gegenden schon hat. Seine Gedichte bei Gelegenheit ländlicher Vorfälle stellen zwar mehr die Reflexion eines dritten als das Gefühl der Geme .....
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Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Fischer, johann georg

Abend Hubert, Gerda. In: Abend und Nacht in Gedichten, 1963. S. 20-27 und 33-39. .....
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Jacobi, johann georg

Abends Hippe, Robert. In: Interpretationen, 1982, S. 29. An die Liebe Hippe, Robert. In: Liebe im Gedicht, 1971, S. 27 - 28. .....
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Johann wolfgang goethe (i749-i832): trilogie der leidenschaft, dritter teil: aussöhnung

Das Doppelglück der Töne wie der Liebe Mittel- und Hauptteil der Trilogie der Leidenschaf ist die »Elegie«, auch bekannt unter dem Titel Marienbader Elegie. Sie entstand Anfang September 1823 auf der Rückfahrt Goethes von Marienbad nach Weimar. Voraufgegangen war die große Enttäuschung einer Alte .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Klassische Zeit der Elegien

Johann wolfgang goethe (i749-i832): an den mond - im labyrinth der brust

Ein Kurzaufenthalt in Weimar, an einem Herbsttag des Jahres 1978. Da am anderen Morgen die Reise weitergeht, ein Abendrundgang durch den Stadtkern und hinaus in den Park an der Um, vorbei an Goethes Gartenhaus. Es ist längst dunkel geworden, Feuchtigkeit schlägt auf die Haut, leichte Nebelschleier h .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Umfangen von Natur

Johann peter hebel

Johann Peter Hebel , Lehrer und Pfarrer am Oberrhein, zählt zu den großen Volksschriftstellern. Sein christliches Weltbild kleidete er in die heimatliche Erfahrungswelt seiner Landsleute. Hebel hatte als einer der ersten das poetische Potential des Dialekts und des regionalen Kolorits entdeckt. In s .....
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Index » ZWISCHEN KLASSIK UND ROMANTIK

Georg britting (i89i—i964)

bekennt sich wie Hausmann zur urgründigen Kraft der Erde, übertrifft diesen aber manchmal an Hintergründigkeit in der Leidenschaft zum Leben, die auch vor dem Dunkel nicht haltmacht. Sein barockes Lebensgefühl zeigt sich am unmittelbarsten in seinen Gedichten, deren bevorzugte Themen das Elementare .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Zwischen den beiden Weltkriegen

Georg kaiser (i878-i945)

mit seinem Schauspiel 'Die Bürger von Calais" . Den Stoff entlehnte Kaiser der Chronik des piccardischen Dichters Froissart , in welcher dieser das Ringen Philipps VI. und Eduards III. um Frankreich geschildert hatte: Nach seinem Siege bei Crecy marschierte der englische König gegen das stark befes .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Drama

Georg trakl (i887-i9i4)

wurzelt im Expressionismus, wenngleich sie sich vom revolutionären Ton der Dichter Georg Heym, Ernst Stadler und J. R. Becher durch die Neigung zu zartem Mitleiden und tiefer Melancholie unterscheidet. Trakl wurde am 3. Februar 1887 in Salzburg geboren. Die Atmosphäre dieser Stadt und das Erlebnis .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Der Expressionismus

Johannes robert becher (i89i-i958).

Er steigert die Gewalt der Aussage durch Verstümmelung des sprachlichen Ausdrucks wie etwa in seinem Werk 'Ewig im Aufruhr": Vorbereitung Der Dichter meidet strahlende Akkorde. Er stößt durch Tuben, peitscht die Trommel schrill. Er reißt das Volk auf mit gehackten Sätzen . . . Die neue Welt .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Der Expressionismus

Georg heym (i887-i9i2)

ertönt zum erstenmal der harte, unverwechselbare Klang demaskierter Wirklichkeit in der deutschen Lyrik. Die frühesten seiner Gedichte hatten noch Erlebnisse des Außen gestaltet, aber mit der Sammlung 'Der ewige Tag" beginnt expressionistische Thematik: Fluch und Dämonie der großen Stadt, Not und K .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Der Expressionismus

Stefan george (i868-i933)

ist wohl der entschiedenste Gegner der naturalistischen Dichtung. Er bemüht sich in fein empfundener Lyrik, dem Sprachkunstwerk von der Form her im Sinne Klopstocks und Hölderlins erneut Geltung und Gewicht zu verschaffen. Stefan George stammte aus einem Weinbauerngeschlecht und wurde 1868 in Büdes .....
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Index » VOM NATURALISMUS ÜBER DIE JAHRHUNDERTWENDE » Der Symbolismus

Wink - johann wolfgang goethe (i749-i832) - aug in auge

Wink Und doch haben sie recht, die ich schelte: Denn daß ein Wort nicht einfach gelte, Das müßte sich wohl von selbst verstehn. Das Wort ist ein Fächer! Zwischen den Stäben Blicken ein Paar schöne Augen hervor. Der Fächer ist nur ein lieblicher Flor. Er verdeckt mir zwar das Gesicht aber das Mädc .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Das Wort

Volkslied: röslein auf der heiden -johann wolfgang goethe (i749-i832): heidenröslein

Röslein auf der Heiden Sie gleicht wohl einem Rosenstock Drum g liebt sie mir im Herzen; Sie trägt auch einen roten Rock Kann züchtig, freundlich scherzen; Sie blühet wie ein Röselein, Die Bäcklein wie das Mündelein; Liebst du mich, so lieb ich dich, Röslein auf der Heiden. Der die Röslein wird br .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Der lange Atem des Volkslieds

Georg herwegh (i8i7-i875): an die deutschen dichter. i840 - lasst die harfen uns zertrümmern!

An die deutschen Dichter. 1840 Seid stolz! es klingt kein Gold der Welt Wie eurer Sairen Gold; Es ist kein Fürst so hoch gestellt, Daß ihr ihm dienen sollt! Trotz Erz und Marmor stürb er doch, Wenn ihr ihn sterben ließet; Der schönste Purpur ist annoch Das Blut, das ihr als Lied vergießet! .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Die Republik - ein Traum

Die entdeckung der naturpoesie johann gottfried herder: auszug aus einem briefwechsel über oßian und die i jeder alter völker

Herder wurde 1 764 mit den Gesängen Ossians bekannt, als in Deutschland die ersten Übersetzungen erschienen. Es waren Gesänge in rhythmisierter Prosa: die F.pen Vingal und Tetnora sowie einundzwanzig kürzere Prosagedichte. Teils waren es Funde altgälischer Volksdichtungen aus dem schottischen Hoch .....
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Index » Sturm und Drang Epoche » Lyrik

Johann wolfgang goethe: von deutscher baukunst

Analyse Zu den Neubewertungen, die in Kunsttheorie und Sprachgebrauch der 1770er Jahre die Bedeutung vieler Worte veränderten, gehört auch der Bedeutungswandel, den das Wort gotisch erfuhr: Goethe verband zunächst Vorstellungen von 'unbestimmtem, ungeordnetem, unnatürlichem, zusammengestoppeltem, a .....
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Index » Sturm und Drang Epoche » Die Genieästhetik

Das vorbild des genies johann gottfried herder: shakespeare

Analyse Von Herders Shakespeare-Aufsatz, den er 1773 in dem Bändelten Von deutscher Art und Kunst zusammen mit dem Auszug aus einem Briefwechsel über Ossian veröffentlichte, gibt es zwei frühere Fassungen: einen ersten Entwurf vom Juni 1771, der als Antwort auf Gerstenbergs Versuch über Shakespeare .....
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Index » Sturm und Drang Epoche » Die Genieästhetik

Die magna charta des sturm und drang - johann - journal meiner reise im jahre i769

Analyse Johann , nach dem Studium der Theologie in Königsberg 1764 an die Domschule nach Riga berufen, bald auch Prediger dort, ist mit fünfundzwanzig Jahren bereits ein bekannter Autor. Seine Sammlungen von Fragmenten Ãœber die neuere deutsche Literatur, ein Nachruf auf Thomas Abbt und die Kritis .....
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Index » Sturm und Drang Epoche » Fragen an die Aufklärung

Johannes bobrowski (i9i7-i965): dorfmusik - umarmung durch den reim

Beim ersten Lesen des Gedichts Dorfmusik meldeten sich in meiner Erinnerung sofort die Verse von Detlev von Liliencrons Die Musik kommt. »Klingling, bum-bum und tschingsdada, / Zieht im Triumph der Perserschah? / Und um die Ecke brausend bricht s / Wie Tubaton des Weltgerichts, / Voran der Schellent .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » An den Scheidewegen der Zeit

Johannes r. becher (i89i-i958): spreewald -bertolt brecht (i898-i956): der rauch

Harmonie in Ãœberfülle Als Rebell betrat Johannes R. Becher die literarische Arena. »Der Dichter meidet strahlende Akkorde. / Er stößt durch Tuben, peitscht die Trommel schrill. / Er reißt das Volk auf mit gehackten Sätzen.« So beginnt das berühmt gewordene Gedicht Vorbereitung, das 1916 in Beche .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Sackgassen der Naturlyrik

Georg heym (i887-i9i2): ophelia

Letzte Fahrt Bertolt Brecht : Vom ertrunkenen Mädchen - In einer der poetischsten Szenen von Shakespeares Hamlet berichtet die Königin über den Tod der von Hamlet zurückgestoßenen und in Wahnsinn gefallenen Ophelia. Ihr Bericht schließt mit den Versen Doch lange währt es nicht, Bis ihre Kleid .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Magie der Natur

Georg heym (i887-i9i2): berlin - mützen aus russ

Berlin Schornsteine stehn in großem Zwischenraum Im Wintertag, und tragen seine Last, Des schwarzen Himmels dunkelnden Palast. Wie goldne Stufe brennt sein niedrer Saum. Fern zwischen kahlen Bäumen, manchem Haus, Zäunen und Schuppen, wo die Weltstadt ebbt, Und auf vereisten Schienen mühsam schlepp .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Der Sturm ist da

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Hamann,  Johann  Georg    





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