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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Fenchtwanger, Lion



»Der Schriftsteller L.F. konnte in der Stunde bis zu 7 Seiten Schreibmaschine schreiben, bis zu 30 Zeilen Schriftstellern und bis zu 4 Zeilen dichten. Während der Stunde Dichtens nahm er um 325 Gramm ab.« Dieser selbstironischc Blick auf die eigene Produktionsweise als Arbeit statt als »geniales Schaffen« kennzeichnet die sachliche, aus dem Geist des bürgerlichen Humanismus stammende, aufklärerische Haltung, die das Gesamtwerk F.s durchzieht. Zu einem der auflagenstärksten deutschsprachigen Schriftsteller überhaupt konnte er freilich nur werden, weil es ihm gelang, sachliche Seriosität mit äußerer Spannung, historische Gehalte mit bunter, gelegentlich bewußt Kolportageelemente nutzender Erzählweise zu verschmelzen. Nach einer germanistischen Doktorarbeit über Heinrich Heine löste F. sich vom jüdischgroßbürgerlichen Elternhaus und begann seine literarische Karriere in der Münchner Boheme der Jahrhundertwende. Doch Fart pour l art und ästhetische Antibürgerlich-keit der frühen Arbeiten zerbrachen am Schock des Ersten Weltkriegs, an dem F., schwächlich, kurzsichtig und stets kränkelnd, aktiv nicht teilnehmen mußte. Unter dem Eindruck der Münchner Räterepublik und deren blutiger Niederschlagung fand er im Konflikt zwischen Geist und Macht, Aufklärung und Barbarei, Betrachten und Handeln, sein neben der Judenproblematik wichtigstes Thema. 1919 machte er die Bekanntschaft Bertolt Brechts und wurde dessen großer Förderer. Zwischen den ungleichen Autoren entwickelte sich eine lebenslange, ebenso streit- wie fruchtbare Zusammenarbeit, der mehrere gemeinsame Stücke entsprangen. Während F. wichtige Anstöße zu Bertolt Brechts »Epischem Theater« gab, drängte Brecht seinerseits den zur Kontemplation neigenden Freund zu einer Politisierung seiner Werke, zum gesellschaftskritischen Realismus.



      Als 1925, F. war inzwischen aus dem antisemitisch gestimmten München in die liberale Atmosphäre der Metropole Berlin ausgewichen, sein Roman Jud Süß erschien, der drei Jahre lang keinen Verleger gefunden hatte, wurde aus dem bekannten, aber kaum berühmten Dramatiker und Kritiker F. über Nacht ein internationaler Bestsellerautor. Der ökonomische Erfolg, der ihm manch spöttisch-neidischen Seitenblick weniger erfolgreicher Kollegen eintrug, blieb ihm treu, und F. war auf entwaffnende Weise stolz auf diesen Erfolg. Besonders im angelsächsischen Sprachraum, wo Unterhaltsamkeit nicht als literarisches Defizit gilt , und in der UdSSR, deren Realis-muskonzept F. entgegenkam, erzielte er Rekordauflagen. »Der kleine Meister«, wie ihn Thomas Mann nannte, wurde zum großen Meister des historischen Romans. Er belebte das heruntergekommene Genre neu, indem er mit stupendem historischem Wissen, exakten Recherchen und großer Kompositionskraft Erfahrungen und Probleme seiner Gegenwart im Gewand unterschiedlicher Epochen reflektierte. Selbst sein bedeutender zeitgeschichtlicher Roman Erfolg , nach dessen Erscheinen F. zum Nobelpreis vorgeschlagen wurde, fingierte die Distanz eines historischen Romans. Die scharfe Analyse des aufkommenden Nationalsozialismus sowie die satirische Demaskierung Hitlers und seiner Helfer trugen mit dazu bei, daß F. bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten schleunigst emigrieren mußte. Er Heß sich im südfranzösischen Sanary nieder, verfaßte Romane, die die Weltöffentlichkeit auf die Vorgänge in Deutschland hinwiesen , bemühte sich aktiv um das Zustandekommen der antifaschistischen Volksfront und bereiste 1937/38 die UdSSR. Seine Annäherung an den Sozialismus, ein historischer Kompromiß des hnksHberalen Bürgertums zur Abwehr des Faschismus, provozierte in konservativen Kreisen das Bild F.s als Stalinist: ein törichtes Etikett, das nach 1945 dafür verantwortlich war, daß er in der Bundesrepublik lange verdrängt und vergessen blieb, während die DDR ihn von Anfang an als Wegbereiter einer sozialistischen Literatur feierte und pflegte.
      1940 wurde F. von der Vichy-Regierung interniert; in letzter Sekunde bewahrte ihn eine abenteuerliche Flucht in die USA vor der Ausheferung an die Gestapo. Sein auf diesem Hintergrund verfaßter Erlebnisbericht Der Teufel in Frankreich zeigt einen vernunftgläubigen Stoiker, der selbst in scheinbar ausweglosen Situationen nie seine freundliche Gelassenheit verliert. In den USA kaufte er sich, auflagen- und tantiemenstark wie kaum ein Exilautor, bekannt jedoch auch für seine finanzielle Hilfsbereitschaft, eine Villa in Pacific Palisades. Dort entstanden, nach Vollendung der Josephus-Tnlogie , in der die jüdische Problematik voll entfaltet wurde, die großen Altersromane: Die sogenannte Revolutions-Trilogie, aus der besonders der Goya-Roman herausragt, sowie Die Jüdin von Toledo und Jefta und seine Tochter . Im Roman Die Füchse im Weinberg läßt F. Benjamin Franklin Sätze sagen, die recht unmittelbar als F.s eigene Utopie gelten können. Die Utopie eines Mannes, den Unvernunft und Ungerechtigkeit von München nach Berlin, von Berlin nach Frankreich, und von Frankreich in die USA gejagt hatten : »Ich träume von einer Zeit, da nicht nur die Liebe zur Freiheit, sondern auch ein tiefes Gefühl für die Menschenrechte in allen Nationen der Erde lebt. Ich träume von einem Zeitalter, da Leute wie wir, wohin immer auf dem Planeten wir unsere Schritte lenken mögen, sagen dürfen: Hier bin ich zu Hause.«
Sternburg. Wilhelm von: Lion Feuchtwanger. Ein deutsches Schnftstellerleben. Königstein T984. Arnold. Heinz-Ludwig : Lion Feuchtwanger. Text + Kritik. Sonderband. München
Klaus Modick


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