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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Drewitz, Ingeborg



»Damals in den trümmerübersäten Straßen, im Niemandsland der toten Häuser, der ersoffenen S-Bahn-Schächte, der Volkssturmkolonnen, die in die Lager getrieben wurden,... die entsetzliche Wahrheit der Ermordung der Juden und der Brutalität der nazistischen Kriegsführung... der Wunsch, nein, der Zwang zu schreiben, diesen Widersinn zu entlarven und hinter dem Schmerz den Anfang zu finden.« So beschreibt D. rückblickend ihre Situation als angehende Schriftstellerin im Berlin von 1945. Bis heute lebt sie in dieser Stadt, die nach wie vor die wichtigsten Schauplätze und Protagonisten für ihre literarischen Werke liefert. 1941, wenige Monate vor dem Einfall der deutschen Truppen in Rußland, macht sie ihr Abitur. Sie wird in den Arbeitsdienst eingezogen und kann erst 1942 mit dem Studium beginnen, ohne daß sie deshalb vom Kriegshilfsdienst oder von der Fabrikarbeit befreit wird. Doppelt- und Dreifachbelastung bleiben überhaupt das treffendste Kennzeichen für das gesamte Schaffen von D. Das Unmögliche möglich machen, könnte man wie ein Motto über ihr Leben schreiben: Von 1942 bis 1945, als sich Berlin nach und nach in ein Trümmerfeld verwandelt, bahnt sie sich ihren Weg durch die zerstörte Stadt zu immer neuen Notbehelfen der Universität; sie schafft es, trotz der Gefahren an Texte von Karl Marx heranzukommen; sie promoviert in Germanistik am 20. 4. 1945, nur wenige Tage vor der Kapitulation.



      Schon im September 1945 erhält sie ihren ersten Autorenvertrag, der die Währungsreform nicht überdauern soll. In diesen Jahren schreibt sie ihre ersten literarischen Werke. Es sind Dramen, die in Zusammenarbeit mit kleinen Theatergruppen im Nachkriegs-Berlin entstehen. Zu Veröffentlichungen kommt es erst später. Die Not der ersten Nachkriegsjahre lassen keinen Raum dafür. Wiederaufbau, Familie und Alltag nehmen sie ganz in Anspruch. Sie heiratet 1946, bekommt drei Töchter, zum Schreiben bleiben kaum zwei Stunden am Tag. Die fünfziger Jahre bringen dann die ersten Veröffenthchungen, die ersten Anerkennungen, die ersten Preise, doch auch die ersten Ablehnungen. Ihr wichtigstes Thema ist zunächst die Vergangenheitsbewälti-gung. die Aufarbeitung und Bewußtmachung der Nazizeit. Für ihr KZ-Drama Alle Tore waren bewacht erhält sie 1952 den Carl-Zuckmayer-Preis, wird aber zugleich von der Kritik als »Nestbeschmutzerin« angegriffen. Die bittere Einsicht, daß sich die Vergangenheit nur sehr mühsam aufarbeiten und schon gar nicht wegarbeiten läßt, führt sie immer wieder dazu, die dreißiger und vierziger Jahre in ihre Erzählungen und Romane einfließen zu lassen. Noch 1978 beschreibt sie in ihrem Roman Gestern war Heute die Stationen einer Frau, deren Lebensdaten unverkennbar autobiographische Züge tragen.
      Das Literarische ist für D. nur eine der möglichen Formen, um aktiv zum Zeitgeschehen Stellung zu beziehen. Neben der Ermahnung zu einem kritischen Geschichtsbewußtsein, für das auch ihre historischen Arbeiten über >Berliner Salons< und Bettine von Arnim Romantik, Revolution, Utopie Zeugnis ablegen, tritt sie immer häufiger mit einer Vielzahl von Essays, Reden und Porträts für die Probleme der neuen Generation ein. Angestrengt reist sie durch die Bundesrepublik, um an Podiumsdiskussionen. Fernsehsendungen, Literaturveranstaltungen, Demonstrationen und Friedenskundgebungen teilzunehmen.
      Als langjähriges Mitglied in Berufsverbänden, wie des PEN-Zentrums der Bundesrepublik oder des Verbandes deutscher Schriftsteller, versucht sie, den Kollegen zu helfen, die politischen Repressionen ausgesetzt sind: »Engagiert leben - für mich bedeutet das: Zielvorstellungen von einem möglichen besseren Zusammenleben der Menschen haben, die emanzipatorischen Strukturen der Demokratie nicht verhärten lassen, den emanzipatorischen Sozialismus gegen die hierarchische Technokratie verteidigen.«
Das vielfältige Engagement von D. ist von Konsequenz und Optimismus getragen, so daß es den Leser durchaus verwundern kann, wenn die existentielle Grundsituation des Menschen unserer Zeit in ihren Werken immer wieder als ein gefährlicher Gang über eine brüchige Eisfläche erscheint: Gesellschaftlicher Egoismus, Verhärtung politischer Strukturen, die zerstörerische Macht von Vorurteilen, die Unmöglichkeit, die Liebe über den Alltag zu retten, all das veranschaulicht D. in der literarischen Metapher des Eises. Sich einsetzen für die humanitären Ziele der Gegenwart ist für D. wie auch für die Frauengestalten ihrer Romane dauernder Anporn. Erreichen läßt sich davon letzten Endes nur ein kleiner Bruchteil. Katrin Lambert in dem Roman Wer verteidigt Katrin Lambert überläßt sich resignierend dem Eis, gegen das sie ihr Leben lang angekämpft hat, und kommt darin um. Die Rechtsanwältin dagegen in Eis auf der Elbe wird trotz der Einsicht in die Vergeblichkeit menschlicher Hoffnungen auch weiterhin für den Kampf gesellschaftlicher Randgruppen eintreten. In dieser Ãœberzeugung verschmelzen literarischer Anspruch und gelebte Realität.
      Häussermann. Tkus : Ingeborg Drewitz: Materialien zu Werk und Wirken. Stuttgart 1983.
      Birgit Weißenborn


Drewitz, ingeborg

Ostern May, Dieter. In: Weihnachten und Ostern, 1986, S. 154- 157. .....
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Bachmann, ingeborg

Geb. 25.6.1926 in Klagenfurt; gest. 17.10.1973 in Rom Vom schrillen Mißklang einer politischen Katastrophe wurde sie als Elfjährige geweckt. Adolf Hitler ließ Mitte März 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschieren und vollzog damit den Anschluß an das Deutsche Reich: »Es hat einen bestimmte .....
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Ingeborg bachmann (i926—i973)

Moderne Problematik und moderne Form verschmelzen sich schon in ihren ersten Gedichtbänden 'Die gestundete Zeit" und 'Anrufung des Großen Bären" zu packenden Bildern. In ihrem kühlen und harten Klang sind ihre Gedichte charakteristisch für die Gegenwarfslyrik; ihre Wortgew.ilt und Musikalität kom .....
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Alle tage - ingeborg bachmann

Der Krieg wird nicht mehr erklärt, sondern fortgesetzt. Das Unerhörte ist alltäglich geworden. Der Held bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache 5 ist in die Feuerzonen gerückt. Die Uniform des Tages ist die Geduld, die Auszeichnung der armselige Stern der Hoffnung über dem Herzen. Er wird verliehe .....
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Herbstmanöver - ingeborg bachmann

Ich sage nicht: das war gestern. Mit wertlosem Sommergeld in den Taschen liegen wir wieder auf der Spreu des Hohns, im Herbstmanöver der Zeit. Und der Fluchtweg nach Süden kommt uns nicht, wie den Vögeln, zustatten. Vorüber, am Abend, 5 ziehen Fischkutter und Gondeln, und manchmal t .....
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Die große fracht - ingeborg bachmann

Die große Fracht des Sommers ist verladen, das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit, wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit. Die große Fracht des Sommers ist verladen. 5 Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit, und auf die Lippen der Galionsfiguren tritt unverhüllt das Lächeln der Lemuren. Das So .....
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Reklame - ingeborg bachmann

Wohin aber gehen wir ohne sorge sei ohne sorge wenn es dunkel und wenn es kalt wird sei ohne sorge 5 aber mit musik was sollen wir tun heiter und mit musik und denken 10 heiter angesichts eines Endes mit musik und wohin tragen wir am besten 15 unsre Fragen und den Schauer aller Jahre in .....
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Bachmann, ingeborg

Ängste Bothner, Susanne. In: Der janusköpfige Tod, 1986, S. 103-116. Alle Tage Kügler, Hans. In: Literatur / Kommunikation, 1975, S. 165- 173. Fleischer, Wolfgang Johannes. In: Interpretationen zu Ingeborg Bachmann, 1976, S. 58 - 73. Höller, Hans. In: Literatur und Kritik 12, 1977, S. 299 - .....
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Bachmann, ingeborg

Mit ihrer intellektuell-abstrakten Gedankenlyrik wurde Ingeborg Bachmann Anfang der 1950er Jahre bekannt. In ihrem vielseitigen Werk verbindet sie meisterhaft sprachliche Präzision und bildschöpferische Intensität. Nach ihrem Tod wurde sie als Vorläuferin und Klassikerin einer »ecriture feminine« ne .....
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Das unsägliche, leise gesagt: ingeborg bachmann (i926-i973)

Die in Klagenfurt geborene Österreicherin Ingeborg Bachmann hat die Poesie der Nachkriegszeit und darüber hinaus das Nachdenken über den Sinn der Dichtung nachhaltig be-einflusst. Von ihren Versen gingen Impulse aus, die sowohl die deutschsprachige als auch die internationale Literatur des 20. Jahr .....
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Ingeborg bachmann - die gestundete zeit

Es kommen härtere Tage. Die auf Widerruf gestundete Zeit wird sichtbar am Horizont. Bald mußt du den Schuh schnüren und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe. Denn die Eingeweide der Fische Sind kalt geworden im Wind. Ärmlich brennt das Licht der Lupinen. Dein Blick spurt im Nebel: die a .....
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Drewitz,  Ingeborg    





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